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Minutenprotokoll: Tripolis rüstet sich für Nacht des Häuserkampfs

Libyens Hauptstadt ist fast vollständig erobert - doch von Diktator Gaddafi fehlt jede Spur. Die Rebellen kämpfen vor den Toren seines Palastes, die Nato soll seine Residenz angegriffen haben. Die Einwohner stellen sich auf eine lange Nacht der Kämpfe ein. Lesen Sie die Ereignisse im Minutenprotokoll.

AP

+++ Bericht: Nato bombadiert Gaddafi-Residenz +++

[00.28 Uhr] Al-Arabija berichtet unter Berufung auf Rebellen, dass die Nato einen Angriff auf die Residenz von Muammar al-Gaddafi in Tripolis gestartet hat.

+++ Nato bestätigt Abschuss von Scud-Raketen +++

[00.14 Uhr] Drei Scud-Raketen, abgefeuert in der Nähe von Gaddafis Heimatstadt Sirte, sind vermutlich im Meer gelandet. Die Nato bestätigte, dass die Raketen in Richtung der Rebellenhochburg Misurata gefeuert wurden, ihr Ziel jedoch offenbar nicht erreichten. Zuvor hatte Reuters berichtet, die Nato habe eine Scud-Rakete abgefangen; davon war jedoch in der Stellungnahme nicht die Rede.

+++ Grüner Platz wird in Google Platz zum Märtyrer-Platz +++

[23.25 Uhr] Google hat im Kartendienst Maps den Platz im Zentrum von Tripolis in "Martyr's Square" umbenannt. Dies war der ursprüngliche Name des Platzes, der gerade zum Zentrum der Endphase der libyschen Revolution wird. "Green Square" hatte Gaddafi den Platz taufen lassen. Ein Nutzer hatte nach dem Einmarsch der Rebellen in die Hauptstadt den Namen geändert, teilte Google mit - und das Unternehmen habe den Titelwechsel genehmigt.

+++ Harter Kampf um Gaddafi-Residenz erwartet +++

[23.09 Uhr] Mehrere Hundert Schergen Gaddafis sollen sich in der Residenz des Machthabers verschanzt haben, der von Rebellen erwartete Angriff auf die Mauern des Geländes blieb zunächst aus. Wie ein Sprecher des Übergangsrates dem Sender al-Dschasira sagte, wurde ein "harter Kampf" um die Gaddafi-Residenz erwartet. Außerdem würden Checkpunkte an den Zugängen zu Tripolis errichtet, in der Hoffnung, den Präsidenten oder seine Getreuen im Falle eines Fluchtversuches zu erwischen.

+++ Zurück an die Arbeit +++

[22.24 Uhr] Mahmud Dschibril vom Übergangsrat der Rebellen soll libysche Polizisten und Sicherheitskräfte angewiesen haben, ihre Arbeit wieder aufzunehmen und öffentliches Eigentum zu schützen. Das berichtet der Fernsehsender der Aufständischen.

+++ Nato fängt Gaddafi-Rakete ab +++

[22.18 Uhr] Reuters zufolge haben Gaddafi-Truppen erneut versucht, eine Scud-Rakete abzufeuern. Ein Nato-Kampfflugzeug habe diese jedoch abgefangen. Die Rakete sei in der Nähe von Gaddafis Geburtsort Sirte abgefeuert worden; was das Ziel sein sollte, war zunächst unklar.

+++ Cameron will Gaddafi-Vermögen auftauen +++

[22.01 Uhr] Während der Revolution hatten die libyschen Rebellen immer wieder über fehlende Finanzierung geklagt. Nun könnte Großbritannien ihnen Zugang zu umgerechnet rund 800 Millionen Euro aus eingefrorenem Gaddafi-Vermögen verschaffen, berichtet der "Guardian". David Cameron bemühe sich um eine Uno-Resolution, um den Aufständischen "rechtliche, diplomatische, politische und finanzielle Unterstützung" zu garantieren.

+++ Spanien fordert neue Uno-Resolution +++

[21.50 Uhr] Angesichts der aktuellen Entwicklung verlangt Spanien, dass die Uno-Resolution 1973 zu Libyen überarbeitet werden müsse. Al-Dschasira zufolge fordern Außen- und Verteidigungsministerium ein Treffen, bei dem auch die Rebellenführung eingebunden werden soll.

+++ Besetzung von Staatssender "Wendepunkt" +++

[21.37 Uhr] Der britische "Guardian" nennt die vermeintliche Einnahme des TV-Senders al-Dschmahirija einen "Wendepunkt in der Revolution". Die Rebellen hatten zuvor mitgeteilt, sie hätten die Zentrale des libyschen Staatsfernsehens besetzt, sämtliche staatliche Sender sollen daraufhin ihren Dienst eingestellt haben. Der Bildschirm bei al-Dschmahirija wurde laut der Nachrichtenagentur AFP vollständig schwarz, bevor nach einigen Minuten das Logo des Senders in einer Ecke wieder erschienen sei.

+++ Gelassenheit in Tripolis +++

[21.05 Uhr] ZDF-Reporter Hans-Ulrich Gack berichtet via Twitter aus Tripolis: "Die Leute auf den Straßen von #tripoli sind sehr gelassen. Sie hören Schüsse - und plauschen dann einfach weiter."

Fotostrecke

22  Bilder
Rebellen in Tripolis: Gaddafis Machtzentrum fällt
+++ Obama: Situation ungewiss +++

[20.31 Uhr] Barack Obama hat sich aus seinem Sommerurlaub zu Wort gemeldet. Er beschwor einen friedlichen Übergang in Libyen, warnte aber vor verfrühter Siegesfreude. Die 42 Jahre andauernde Herrschaft von Gaddafi neige sich dem Ende und die Zukunft liege in den Händen der Bürger, doch die Kämpfe hielten noch an und die Situation bleibe ungewiss.

+++ "Wie hat das so schnell passieren können?" +++

[20.18 Uhr] Die Rebellen vermuten Muammar al-Gaddafi noch irgendwo in der Hauptstadt Tripolis. Das berichtet CNN-Korrespondentin Sara Sidner, die sich gemeinsam mit anderen Beobachtern vor Ort sowie den Aufständischen selbst verwundert fragt: "Wie hat das so schnell passieren können?" Nach der Einnahme der Stadt hätten die Rebellen nun zwei Ziele: Tripolis zu sichern und Gaddafi aufzuspüren.

+++ Chamis al-Gaddafi anonymen Quellen zufolge tot +++

[19.51 Uhr] Laut al-Dschasira sind zwei Leichen gefunden worden, bei denen es sich anonymen Quellen zufolge um Gaddafis Sohn Chamis und den Sicherheitschef Abdallah Senussi handeln könnte. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.

+++ Obama kündigt Erklärung an +++

[19.43 Uhr] US-Präsident Barack Obama plant, in Kürze eine Erklärung zu Libyen abzugeben. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Obama bleibe dabei, keine US-Bodentruppen in das Land schicken zu wollen. Noch am Montag wolle sich der Präsident mit seinen Sicherheitsberatern treffen, berichtet CNN.

+++ Palästinenser erkennen Übergangsrat an +++

[19.38 Uhr] Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hat erklärt, den libyschen Übergangsrat anzuerkennen. "Wir wünschen dem libyschen Volk Erfolg und eine rasche Rückkehr zur Normalität", sagte ein Sprecher.

+++ Gaddafi-Sohn soll geflohen sein +++

[19.23 Uhr] Al-Dschasira berichtet, dass sich Gaddafis Sohn Mohammed befreien konnte. Er hatte sich nach dem Einmarsch der Rebellen am Abend zuvor ergeben und stand unter Hausarrest.

+++ Rebellen zufolge plant Nato Angriff +++

[19.13 Uhr] Die Aufständischen erwarten offenbar einen Nato-Luftangriff auf die in der Residenz von Muammar al-Gaddafi verschanzten Truppen des libyschen Regimes. Nach Sonnenuntergang würden Kampfjets die Mauern der Anlage bombardieren, berichtete der arabische TV-Nachrichtensender al-Arabija unter Berufung auf Rebellenkreise.

+++ Schwere Explosionen nahe Gaddafi-Residenz gehört +++

[19.07 Uhr] Mehrere Journalisten berichten, dass bis zu drei Dutzend Korrespondenten in dem Hotel Rixos nahe Gaddafis Residenz festsitzen. CNN-Korrespondent Matthew Chance twittert aus dem Gebäude, vor der Tür seien Feuergefechte und schwere Explosionen zu hören. Bewaffnete Männer versperrten den Gästen den Ausgang.

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1. Sieg der scheinheiligen Allianz
regierungs4tel 22.08.2011
Es wurde Zeit, dass Gadhaffis Operettenregime beendet wurde. Aber um welchen Preis? Der Westen hat sich mit seinem Gebombe "zum Schutz der Zivilbevölkerung" unglaubwürdig gemacht, und nicht weniger mit dem Händeschütteln noch vor wenigen Jahren.
2. Welchen Preis muss Libyen zahlen...
Sarsabil 22.08.2011
Glückwunsch dem libyschen Volk für die Vertreibung von Gaddafi ( ich denke, auch Gaddafi wird bald aufgeben ). Ich habe aber die Besorgnis, dass die NATO, angeführt durch den französichen Cowboy, ein zweites Irak aus Libyn macht. Ob das dann eine bessere Option für Libyen und für die Welt ist?
3. _
Salzwasser 22.08.2011
Hoffentlich wird aus Libyen kein zweites Somalia, dort begann der Konflikt, der bis heute andauert ja auch mit dem Sturz eines Diktators. Ich glaube allerdings, dass die Rebellen in Libyen es schaffen werden, einen Staat aufzubauen, weil sie bisher auf mich den Eindruck gemacht haben, als ob sie organisiert vorgehen würden!
4. Interessant...
Kalleblom 22.08.2011
... vor nicht all zu langer Zeit waren viele Kommentare mit negativen Äußerungen zu der Unterstützung von der NATO noch mit fragwürdigen Geschichten über den Wohlstand in Libyen und den doch gar nicht so schlimmen Despoten Gaddafi zu lesen. Man kann sich noch erinnern, GMMR, HDI, Gesundheitsversorgung. Nun werden die negativen Kommentare oder sagen wir mal kritischen Kommentare eher mit "Gut das er weg ist, aber...", "Libyen ist besser ohne ihn, aber..." usw. Kann mich täuschen, kommt mir aber so vor...
5. ...
hansklauspeter 22.08.2011
Zitat von SarsabilGlückwunsch dem libyschen Volk für die Vertreibung von Gaddafi ( ich denke, auch Gaddafi wird bald aufgeben ). Ich habe aber die Besorgnis, dass die NATO, angeführt durch den französichen Cowboy, ein zweites Irak aus Libyn macht. Ob das dann eine bessere Option für Libyen und für die Welt ist?
Anders als der Irak begann hier der Wechsel vom Volk und wurde vom Westen unterstützt. Im Irak kam der Westen an und hat einfach mal gehofft vom Volk empfangen zu werden. Das auf Libyen jetzt harte Zeiten zukommen bestreitet wohl kaum einer. Aber gerade jetzt braucht Libyen auch vor allem Europa. Nicht unbedingt europäische Soldaten, aber europäische Investitionen, evt. Hilfe beim Aufbau einer Infrastruktur etc. Das Ende des Bürgerkriegs könnte aber auch für wirtschaftliche Chancen sorgen. Denn in Libyen werden die Straßen, Häuser und Geräte wahrscheinlich von europäischen Firmen gebaut.
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"Das Gaddafi-Regime bröckelt"

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Libyen: Die Rebellen triumphieren

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Fayez al-Sarraj (nominiert)

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