Misshandlungen US-Militär stoppt Schlafentzug im Foltergefängnis

Das US-Militär zieht aus den massiven Vorwürfen über Misshandlungen an irakischen Gefangenen weitere Konsequenzen. Im umstrittenen Gefängnis Abu Ghureib sollen Strafaktionen wie Schlafentzug gestoppt werden. Außerdem wird die Zahl der Insassen in der Haftanstalt halbiert.


Gefängnis Abu Ghureib: Hälfte der Häftlinge wird entlassen
AFP

Gefängnis Abu Ghureib: Hälfte der Häftlinge wird entlassen

Bagdad - Das amerikanische Militär habe am Dienstag bereits 240 Häftlinge aus dem Gefängnis bei Bagdad entlassen, berichteten Augenzeugen und Angehörige derEntlassenen. In Abu Ghureib sind mehrere Tausend Iraker inhaftiert, darunter auch viele die im Zusammenhang mit dem anti-amerikanischen Aufstandgefangen genommen wurden. Der US-Fernsehsender CNN hatte unter Berufung auf die US-Militärführung in Bagdad berichtet, die Zahl der Häftlinge in Abu Ghureib solle halbiert werden. Außerdem seien Strafmaßnahmen wie Schlafentzug beendet worden.

Die US-Behörden ordneten auch an, dass irakischen Gefangenen der Kopf nicht mehr mit Hauben verhüllt werden darf. Der Einsatz der Hauben sei im Gefängnis Abu Ghureib seit einem Monat nicht mehr zulässig, bei Razzien außerhalb des Gefängnisses sei der Gebrauch vor vier Tagen gestoppt worden. Anstelle einer Haube müssen die Verdächtigen eine Augenbinde oder eine Brille tragen, deren Gläser mit Isolierband verklebt sind, erklärte ein Sprecher der US-Armee.

Einer der betroffenen irakischen Häftlinge, die nackt auf einem Foto zu sehen sind, berichtete einem CNN-Reporter Einzelheiten der Misshandlungen und Demütigungen. Danach hätten sich die Gefangenen sowohl vor US-Soldaten als auch Soldatinnen entkleiden müssen. Die Strafaktion, von der auch die Aufnahmen gemacht wurden, soll sieben Stunden gedauert haben. Der Häftling sagte weiter, dass auch Hunde auf die Gefangenen gehetzt worden sein sollen. Für kleine Vergehen hätten Häftlinge über Stunden in Kälte und Regen stehen müssen.

Andere Häftlinge sollen schwer geschlagen worden sein. Sie hätten dann ihre Zellen nicht verlassen dürfen, bis die Wunden verheilt seien.

In Bagdad berichteten weitere Ex-Häftlinge über ähnliche Misshandlungen. "Wenn mich die Amerikaner wieder festnehmen und hierher (ins Abu Ghureib-Gefängnis) schaffen, bringe ich mich um", sagte Schaaban al-Dschanabi, der im Dezember 25 Tage in der Haftanstalt festgehalten wurde. Die Häftlinge seien dort wiederholt geschlagen worden. Zehn Tage lang habe man sie mit verbundenen Augen und in Handschellen mit einer Flasche Wasser pro Tag unter freiem Himmel auf einer Schotterfläche sitzen lassen. Auch in anderen Lagern kam es offenbar zu Misshandlungen. Das berichtete Ex-Häftling Abdullah al-Dulaimi, der an der Grenze zu Syrien festgehalten wurde. Er sei ständig geschlagen worden, an seinen Penis seien Elektrodrähte angebracht worden.

Die Uno kündigte für Ende Mai einen Bericht über die Menschenrechtslage im Irak an. Dabei stützten sich die Vereinten Nationen auf Berichte örtlicher Mitarbeiter, von Medien sowie Menschenrechtsgruppen sowie des Regierendes Rates und der US-Zivilveraltung, sagte ein Sprecher der Organisation in Genf.

US-Präsident George W. Bush forderte unterdessen ein hartes Vorgehen gegen diejenigen, die für die Misshandlung von irakischen Häftlingen verantwortlich seien.

Bush habe dies gegenüber Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zum Ausdruck gebracht, sagte Präsidentensprecher Scott McClellan. Der Präsident wolle zudem wissen, ob es sich um Einzelfälle oder um ein Problem größeren Ausmaßes handele, verlautete aus Regierungskreisen.

Der Präsident wolle sicherstellen, dass gegen diejenigen, die für diese schändlichen und entsetzlichen Taten verantwortlich seien, angemessen vorgegangen werde, sagte McClellan. Bush wolle auch eine umfassende Untersuchung zur Behandlung von Häftlingen "im gesamten irakischen Gefängnis-System".

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