Kriegsschiff Mistral Frankreich dementiert Einigung mit Russland

Die französischen Hubschrauberträger kommen - das hat Russland am Mittwoch bekanntgegeben. Paris meldet nun jedoch, die Bedingungen für eine Auslieferung seien noch nicht erfüllt.

Mistral-Hubschrauberträger: Auslieferung verzögert sich weiter
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Mistral-Hubschrauberträger: Auslieferung verzögert sich weiter


Berlin/Paris - Die Lieferung eines französischen Kriegsschiffs an Moskau ist offenbar doch noch nicht fix: Einen Tag nach den Aussagen der russischen Regierung, wonach der Hubschrauberträger "Wladiwostok" in zwei Wochen übergeben werden solle, bestritt Paris eine entsprechende Einigung. "Heute sind die Bedingungen nicht erfüllt", sagte Finanzminister Michel Sapin RTL. Die Situation in der Ukraine habe sich noch nicht genügend stabilisiert, um eine Auslieferung zu ermöglichen.

Am Mittwoch war Russlands Vizeministerpräsident Dmitri Rogosin mit den Worten zitiert, Russland habe für den 14. November eine Einladung für die Übergabe des Schiffes erhalten. Das zweite Schiff solle am selben Tag im Dock zu Wasser gelassen werden. Russland hat angekündigt, bei Nichterfüllung des Vertrags Schadenersatz zu fordern. Die Schiffe haben einen Wert von mehr als einer Milliarde Euro und sind von Russland bereits teilweise bezahlt.

Gegen das milliardenschwere Rüstungsgeschäft gibt es erhebliche Einwände von Frankreichs Partnern in der Nato. Paris hatte die Auslieferung daraufhin im September auf Eis gelegt. Staatschef François Hollande machte aber deutlich, dass geliefert werde, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt seien, darunter etwa ein Waffenstillstand in der Ukraine. Derzeit werden aus dem Osten der Ukraine jedoch noch fast täglich Kämpfe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und Separatisten gemeldet.

Die Schiffe der Mistral-Klasse sind die größten französischen Kriegsschiffe nach dem Flugzeugträger "Charles de Gaulle". Sie können unter anderem mehrere Landungsboote, 16 Hubschrauber, 13 Panzer und 450 Soldaten unterbringen. Die baltischen Staaten und andere Nachbarländer Russlands fürchten, dass Russland die Schiffe für Landeoperationen einsetzen könnte.

Seit Juli werden bereits insgesamt rund 400 russische Marine-Soldaten in Saint-Nazaire für die "Wladiwostok" ausgebildet. Moskau hatte auf die Lieferung der Mistral-Schiffe bestanden und mit Schadenersatz-Forderungen gedroht.

bka/Reuters/AFP

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insgesamt 42 Beiträge
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peter-49 30.10.2014
1. Na ja, ...
... werden die Franzosen eben das Geld zurückzahlen müssen, Vorerst bleiben sie dann aber auf den Schiffen sitzen, es sei denn, Uschi bekommt vom Schäuble Geld und kauft die Dinger. Wir haben zwar keine Hubschrauber, dafür dann aber wenigstens Träger. Es könnte ja noch passieren, dass jemand auf Hubschraubern, die er den Russen nicht verkaufen darf, sitzen bleibt. Dann könnte ...
brux 30.10.2014
2. .
Den Einladungsbrief (datiert 8. Oktober) zur Übergabe des Schiffes gibt es. Kann man beim Figaro einsehen: http://www.lefigaro.fr/societes/2014/10/29/20005-20141029ARTFIG00268-les-russes-annoncent-la-livraison-d-un-mistral.php Entweder macht die Werft, was sie will oder Hollande hat mal wieder einen Flop produziert. Da die Werft teilweise in Staatsbesitz ist, glaube ich nicht, dass man mal so eben eine Übergabe gegen den Willen der Regierung plant. Bleibt also einmal mehr eine Story grandiosen Unvermögens des Herrn Hollande, der wirklich gar nichts im Griff hat.
Teile1977 30.10.2014
3. Angriffswaffe
Dieses Schiff ist nur als Angriffswaffe und nicht zur verteidigung zu gebrauchen. Diese Waffe einem Staat in die hände zu geben der seine Nachbarn direkt bedroht, oder einfach einmarschiert ist unverantwortlich! Sollen etwa neben den direkten Nachbarn noch andere Länder bedroht werden? Und komm mir jetzt keiner mit den USA, was die machen ist auch nicht toll, aber kein Vergleich zu Russland.
spreepirat 30.10.2014
4. Was ist mit Frankreich los?
Es muss schlimm um Frankreich stehen, wenn es seine freiheitlichen Traditionen wegen eines Scherbengerichts (= Geld aus Russland) mit Füssen tritt. Was heisst das wohl, wenn die Regierung sagt, die Situation in der Ukraine sei noch nicht so, dass die Sanktionen zurückgenommen werden können? Heisst wohl nur, dass die Russen irgendwelche kleinen Zugeständnisse machen (wir greifen eine Woche lang den Flughafen Donez nicht an?), dann liefern die Franzosen? Russland hat fremdes Gebiet annektiert, die Krim und Teile des Donbass. Solange Putin diese Gebiete nicht unter ukrainische Herrschaft zurückgibt, müssen die Sanktionen weitergehen.Sonst macht sich die westliche Welt lächerlich Und in wenigen Monaten machen die Russen weiter wie bisher.
tschautsen 30.10.2014
5. blöd nur...
dass Teile des Schiffes wirklich Russland gehören: Hecksegmente wurde in Russland gebaut und nach F verschifft. Heißt: Frankreich KANN den Träger gar nicht so ohne weiteres verkaufen, Teile von dem sind Eigentum Russlands. An Russlands Stelle würde ich die Franzosen auf Schadenersatz und Herausgabe der Hecksegmente verklagen. Dann schneiden die das Ding halt wieder auseinander...
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