US-Präsidentschaftskandidat bei Olympia: Romney brüskiert die Briten

Von , Washington

Es sollte ein großer Auftritt werden, doch der Auftakt ging daneben. Obama-Herausforderer Mitt Romney wollte in London für sich werben - und brüskierte gleich mal die Gastgeber der Olympischen Spiele. Es war nicht die einzige Panne zu Beginn seiner Europa-Tour.

Misslungener Start der Europa-Reise: Romneys Pannenbesuch in London Fotos
AP

Seine Europa-Tour wollte Mitt Romney glanzvoll in London starten: Ein Treffen mit dem smart-konservativen Briten-Premier David Cameron, die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele am Freitagabend und ein, zwei Millionen-Spendenabende auch, klar. Die ziemlich beste Zeit für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten, weil der doch selbst mal so erfolgreich die Winterspiele gemanagt hat. Die von 2002 nämlich, in Salt Lake City. Das liegt in Utah, da ist es recht einsam.

So weit war alles gut durchdacht, ein hübsches Anti-Obama-Programm mit weiteren Stopps in Israel und Polen ist vorbereitet. Aber schon als Mitt Romney am Mittwoch britischen Boden betrat, fing der Ärger an. So richtig glanzvoll läuft die Nummer seitdem irgendwie nicht. Was ist da bloß schiefgegangen?

Alles beginnt mit einem anonymen Romney-"Berater" und den speziellen Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien. "Wir sind Teil des angelsächsischen Erbes", wird der Ungenannte im britischen "Telegraph" zitiert. Romney fühle, sagt er, dass diese spezielle Beziehung speziell sei. Und dann: "Das Weiße Haus würdigt diese gemeinsam geteilte Geschichte nicht vollständig."

"Ein paar verwirrende Dinge"

Oha, was war das denn? Eine subtile Unterstellung, dass Obama, Sohn eines Kenianers, vielleicht keine Ahnung haben könnte vom gemeinsamen "Erbe"? US-Vizepräsident Joe Biden jedenfalls ist not amused, bezeichnet die Aussage prompt als "unwürdig" und "kläglich". Romneys Sprecherin dementiert alles: "Das ist nicht wahr." Und Romney? Es gebe ja viele Leute, die ihm Ratschläge erteilten: "Ich weiß nicht, wer diese Person ist."

So fing's an. Dann kommt schon Brian Williams vom US-Sender NBC und bittet Romney in London zum Exklusivinterview. Da reden sie dann über den Amoklauf von Colorado ("Amerika braucht keine neuen Waffengesetze"), über das Romney-Pferd Rafalca, das im Dressurreiten bei Olympia antritt ("Gucke ich mir nicht an") und schließlich fragt Williams, ob London denn eigentlich gut vorbereitet sei auf Olympia.

Da könnte Romney jetzt sagen, dass es sich richtig prima anfühle in der tollen Stadt mit ihren tollen Menschen und all der tollen Geschichte drumherum. Aber der Kandidat hat ja eben schon die seichte Vorlage mit dem Pferd Rafalca vergeigt. Also dübelt Romney los: Nun ja, sagt er, man wisse nie, wie gut das alles am Ende laufen werde. Es gebe da ja "ein paar verwirrende Dinge", etwa die Sache mit der privaten Sicherheitsfirma, die zu wenig Leute zum Schutz der Spiele habe; oder der mögliche Streik des Personals beim Zoll und der Passkontrolle.

Camerons Retourkutsche

Und als ob das alles noch nicht genug ist, nimmt sich Romney auch noch die Bevölkerung vor. Die Menschen nämlich seien wichtig für erfolgreiche Spiele: "Kommen sie zusammen und feiern den olympischen Moment? Das werden wir erst rausfinden können, wenn die Spiele tatsächlich starten."

Diesmal sind es die Briten, die not amused sind. "Wir richten die Olympischen Spiele in einer der geschäftigsten, aktivsten, belebtesten Städte der Welt aus", stellt Premier David Cameron klar. Und fügt dann hintersinnig an: "Es ist natürlich leichter, wenn man Olympische Spiele in der Mitte des Nirgendwo ausrichtet." Das geht voll gegen Romney: Salt Lake City, Utah, der Salzsee, die Wüste, 13 Einwohner pro Quadratkilometer (London: 5.200).

Aber Romney - den sie daheim einen "Flip-flopper" (Wendehals) nennen - hat die Sache gleich wieder gerichtet: Natürlich würde es bei Olympia immer mal wieder Fehler geben, von Zeit zu Zeit, sagt er vor der britischen Presse. Aber solche Fehler würden doch durch "Mut, Charakter und Entschlossenheit" der Athleten in den Schatten gestellt. Na also.

Das ausgeplauderte Geheimnis

War's das? Noch nicht ganz. Romney hat sich an diesem Tag mit vielen Leuten getroffen, darunter Cameron und Labour-Chef Ed Miliband, den Romney stets als "Mr. Leader" ansprach. Und dann ist da noch ein ganz besonderer Gesprächspartner gewesen. "Ich kann nur sagen, dass ich die Einblicke und Perspektiven sehr schätze, die mir sowohl von den Anführern der Regierung und der Opposition gegeben wurden" - hier hätte Romney jetzt unterbrechen müssen, aber er macht einfach weiter - "als auch vom Chef des MI6, als wir Syrien diskutierten und die Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft für dieses Land."

Das Treffen mit MI6-Chef Sir John Sawers sollte eigentlich geheim bleiben, so war es offenbar vereinbart. Aber nun ist es eben raus.

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insgesamt 225 Beiträge
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1. optional
Altesocke 27.07.2012
Naja, nicht nur die USA haben Schwachmaten, die mit Machwillen und Geld gross in der Politik werden wollen. Und, leider, teilweise ja auch werden! Da brauchen wir nicht fuer uebern gr. teich zu schauen, nichtmal ausserhalb des Zahllandes der Eu muss da gesucht werden!
2. Wenn ich das richtig verstehe...
matthias_b. 27.07.2012
...wirft man Romney also vor, ehrlich zu antworten und kein seichtes Wohlfühl-Gewäsch wie aus dem Politikerlehrbuch abzuspulen?
3. Ich weiß
theodorheuss 27.07.2012
Zitat von sysopEs sollte ein großer Auftritt werden, doch der Auftakt ging daneben. Obama-Herausforderer Mitt Romney wollte in London für sich werben - und brüskierte gleich mal die Gastgeber der Olympischen Spiele. Es war nicht die einzige Panne zu Beginn seiner Europatour. Mitt Romney kritisiert in London mangelnde Olympia-Begeisterung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,846671,00.html)
schon warum mir Obama, bei all seinen Fehlern, wesentlich lieber ist als dieser Westentaschendjango. Ich denke als US Präsident würde dieser Mann auch ganz andere Verbale Attacken auf Europa, speziell auf Deutschland loslassen, als Obama das überhaupt je in den Sinn kommen würde.
4. Gähn
Ganzgeber 27.07.2012
Langweiliger Ausflug ins angelsächsische Sommerloch. Das SPON Obama lieber mag, war auch schon bekannt.
5. Ronald
Peter.Lublewski 27.07.2012
Ein Präsidentschaftskandidat, wie ich ihn mir schlimmer nicht mehr vorstellen kann. Allerdings: Die Welt hat sogar acht Jahre Reagan überlebt :-)
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Staats- und Regierungschef: Barack Obama

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