Washington/Hamburg - Mitt Romney war 18, Sohn des Gouverneurs von Michigan und ging auf das private Jungeninternat Cranbrook. Frisch aus den "Spring Break"-Ferien des Jahres 1965 zurück, entdeckte er den Neuen, John Lauber, über den alle tuschelten, dass er schwul sei. So jedenfalls erinnern sich fünf ehemalige Mitschüler Romneys unabhängig voneinander in der US-Zeitung "Washington Post".
Lauber hatte blond gefärbte Haarsträhnen, sie hingen dem ein Jahr Jüngeren bis über die Augen. "Er kann so nicht aussehen. Das ist falsch. Schaut ihn nur an!", soll Romney geschimpft haben. Er selbst trug dem Bericht zufolge zu dieser Zeit millimeterkurzes Haar. Kurz darauf soll Romney mit einer Schere über den Schulhof marschiert sein und sich Lauber geschnappt haben. Ein Freund Romneys drückte Lauber angeblich zu Boden, während Romney dem um Hilfe Rufenden die Haare abgeschnitten haben soll.
Lauber verschwand den Angaben zufolge mehrere Tage von der Bildfläche. Als er wieder in die Schule kam, hatten seine kurzen Haare wieder ihre natürliche Farbe: braun. Er musste das Internat schließlich vor seinem Abschluss verlassen, weil er beim Rauchen erwischt wurde.
Doch Lauber ist nicht der einzige, der offenbar Opfer von Romneys Attacken wurde. Ein anderer schwuler Mitschüler erinnert sich laut dem Bericht ebenfalls an Mobbing durch Romney. Jedes Mal, wenn er sich meldete, habe Romney durchs Klassenzimmer gerufen: "Was für ein liebes Mädchen!" Konsequenzen habe es für den Gouverneurssohn nicht gegeben.
Romney reagierte auf den Bericht zunächst nicht selbst, sondern ließ über eine Sprecherin verlauten, er könne sich an den Vorfall nicht erinnern. Dann meldete sich der Republikaner doch noch zu Wort: In einem Radiointerview sagte er, er habe nicht gewusst, dass Lauber schwul sei. Er habe bei vielen "Streichen" mitgemacht und sei bei manchen "vielleicht zu weit gegangen". Er entschuldige sich bei allen, die er mit seinen "Schulstreichen" beleidigt habe.
Der Vorfall hätte für den Mormonen Romney zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt bekannt werden können. Denn mitten im US-Wahlkampf ist Amtsinhaber Barack Obama gerade mit einem Plädoyer für die Homo-Ehe vorgeprescht - gewagt im konservativen Amerika. Romney wollte als Bewahrer der Institution Familie punkten. Doch nun droht er als homophober Mobber dazustehen.
Das Thema Mobbing von schwulen und lesbischen Jugendlichen wird in den USA sehr ernst genommen. 2010 erschütterte eine Reihe von Selbstmorden das Land: Homosexuelle Teenager, die von ihren Mitschülern gehänselt wurden, brachten sich um, weil sie die Attacken nicht mehr ertrugen. Die Kampagne "It Gets Better" wurde daraufhin ins Leben gerufen, der sich Prominente wie Lady Gaga anschlossen, aber auch US-Präsident Barack Obama und seine Außenministerin Hillary Clinton.
ras/dpa/AP
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