Mittelmeer BP startet Ölbohrung vor Libyen

BP will mit einer Tiefseebohrung im Mittelmeer beginnen. Die Rechte hatte der britische Energiekonzern vor drei Jahren von Libyen erworben. Aus den USA kam vor kurzem die Kritik, dass das Millionengeschäft mit der Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters zu tun hat.


London - Der Energiekonzern BP will die nächste Tiefseebohrung im Mittelmeer vor der Küste Libyens starten. "Die Bohrungen werden in wenigen Wochen beginnen", sagte BP-Sprecher David Nicholas am Samstag der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times". Die Zeitung berichtet, dass die Bohrung im Golf von Sirte erfolge.

BP hatte die Rechte zur Erschließung des riesigen Öl- und Gasfeldes demnach 2007 erworben. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, die Geschäfte des britischen Energiekonzerns mit Libyen könnten bei der vorzeitigen Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abd al-Bassit al-Mikrahi aus schottischer Haft eine Rolle gespielt haben.

Um die Vorwürfe gegen BP zu prüfen, soll am Donnerstag kommender Woche eine Anhörung vor dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des US-Senats stattfinden. Unter anderem soll BP-Chef Tony Hayward befragt werden, der sich auch wegen des Umgangs des BP-Konzerns mit der Ölpest im Golf von Mexiko massiver Kritik ausgesetzt sieht.

Freilassung empörte US-Amerikaner

Die schottische Regierung hatte den schwer krebskranken al-Mikrahi, der als einziger Attentäter des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug über der schottischen Kleinstadt Lockerbie im Jahr 1988 verurteilt worden war, vor elf Monaten aus humanitären Gründen begnadigt. Bei dem Anschlag waren 270 Menschen getötet worden, die meisten stammten aus den USA. Al-Mikrahis Freilassung löste vor allem dort Empörung aus.

Der britische Premierminister David Cameron wies Spekulationen über einen Zusammenhang zwischen al-Mikrahis Freilassung und Geschäften des BP-Konzerns zurück. Das Unternehmen argumentiert, es habe sich bei der Regierung in London für eine Beschleunigung eines Abkommens über einen Gefangenenaustausch mit Libyen eingesetzt. Dabei sei es aber niemals spezifisch um den Fall al-Mikrahi gegangen.

abl/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
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einszweidrei, 24.07.2010
1. BP ist einer von vielen
Der spanische Ölkonzern Repsol bohrt derzeit schon vor der libyschen Küste im Mittelmeer, genauso wie Exxon Mobil: http://www.gulfoilandgas.com/webpro1/MAIN/Mainnews.asp?id=7665 http://www.gulfoilandgas.com/webpro1/MAIN/Mainnews.asp?id=8282 Inwieweit beim Bohren vor der afrikanischen Küste die erhöhten europäischen Sicherheitsstandards eingehalten werden müssen, scheint fraglich.
Diomedes 25.07.2010
2. Eine Pause kann nicht schaden, aber das Problem bleibt…
Da es schon genügend Tiefseebohrlöcher gibt, hilft es jetzt wenig neue zu verbieten, da dies allenfalls das Risiko vermindert, aber eben nicht aus der Welt schafft; viel wichtiger wäre es schleunigst Methoden und Mittel zu entwickeln, welche es erlauben solche Unfälle schnell zu bewältigen und natürlich mit besserer Vorbeugung die Unglückswahrscheinlichkeit deutlich herabzusetzen; ansonsten ist das liebe Öl ein viel zu knapper und seltener Rohstoff als dass es wahrscheinlich wäre auf seine Förderung in großen Tiefen zu verzichten; Schuld an dem Schlamassel haben aber in erster Linie die Regierungen, welche solche Bohrungen erlaubten, bevor die Ölfirmen die Verfahren aufweisen konnten, eben solche Unglücke zu bewältigen, denn dass die Britannische Petroleum seit Monaten hierbei experimentiert dürfte auch dem letzten Zweifler mittlerweile einleuchten; wobei die Ölfirmen auch keine Unschuldslämmer sind und im Interesse der gewaltigen Haftungskosten und des drohenden Ansehensverlustes hätten sie von selbst zuerst für ein solches Verfahren sorgen gemusst; zumal es ja auch nicht gerade wirtschaftlich sinnvoll ist jeden Tag 5 Millionen Liter Öl auslaufen zu lassen…
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