Prekäre Lage auf dem Mittelmeer Migranten auf Rettungsschiffen verweigern Nahrung

Seekrank, durstig, im Hungerstreik: Trotz der Zustände an Bord der vor Malta wartenden Rettungsschiffe ringen sich die EU-Staaten nicht zu einer Lösung durch. Deutschland will die 49 Migranten weiterhin verteilen.

Bilder der Situation auf der "Sea-Watch 3"
CHRIS GRODOTZKI/SEA-WATCH ORG HANDOUT/EPA-EFE/REX

Bilder der Situation auf der "Sea-Watch 3"


Das Warten auf einen aufnahmebereiten Hafen hat die Lage auf den beiden deutschen Flüchtlingsrettungsschiffen vor Malta nach Angaben von Aktivisten verschlechtert. Auf der "Professor Albrecht Penck" müsse der Wasservorrat "streng rationiert" werden, teilte die Hilfsorganisation "Sea-Eye" mit. Auch auf der "Sea-Watch 3" werde die Lage "mit jedem Tag immer instabiler", sagte Bordarzt Frank Dörner. Einige Migranten weigern sich inzwischen offenbar, Nahrung zu sich zu nehmen.

Trotz der Zustände an Bord haben die EU-Mitgliedstaaten noch keine Lösung für die Flüchtlinge gefunden. Die Bundesregierung setzt weiter auf eine Verteilung der 49 Migranten. Regierungssprecher Steffen Seibert plädierte in Berlin für "eine dauerhafte, europäische, solidarische Lösung, und nicht jeweils neue Verhandlungen mit jedem neuen Schiff, das Flüchtlinge vor einen Mittelmeerhafen bringt".

Dass die Migranten an Bord des Schiffs der Hilfsorganisation Sea-Watch nun nicht mehr essen wollen, besorgt die Organisation. "Wir fürchten, dass sich ihr psychischer und gesundheitlicher Zustand deutlich verschlechtert", twitterte Sea-Watch.

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Die Seenotretter von Sea-Eye: Lavieren im Mittelmeer

Auch an Bord der "Professor Albrecht Penck" der Regensburger NGO Sea-Eye hat sich die Lage laut der Organisation zu Wochenbeginn weiter angespannt. Die 17 Geretteten an Bord schliefen seit mehr als einer Woche auf der Krankenstation, sie teilten sich nur eine Toilette, hieß es. Matratzen und Wechselkleidung gebe es nicht.

"Es braucht mehr Solidarität der Mitgliedstaaten", sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Die intensiven Gespräche mit den EU-Ländern seien über das Wochenende fortgesetzt worden und die Behörde arbeite weiter an einer Lösung, damit die Menschen die Schiffe zügig verlassen könnten.

Migranten leiden unter Seekrankheit

Die Kommission rufe alle EU-Staaten dazu auf, ihren Beitrag dazu zu leisten. Zudem brauche es dringend eine vorhersehbare und nachhaltige Lösung, wie mit den Migranten im Mittelmeer künftig umgegangen werde.

Viele der ohnehin traumatisierten Migranten leiden nach Angaben der Organisationen unter Seekrankheit. Das Stressniveau nehme zu. Von beiden Schiffen aus ist die maltesische Küste sichtbar - doch anlegen dürfen sie dort bislang nicht. Die maltesische Regierung fordert angeblich als Gegenleistung eine Verteilung von mehr als 200 Flüchtlingen auf andere europäische Staaten.

Im Video: Krisengebiet auf hoher See - Flüchtlingsretter im Mittelmeer

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Am Montag sollen neun EU-Staaten zugesagt haben, Migranten aufnehmen zu wollen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf einen EU-Diplomaten. Diese Zusagen reichten jedoch nicht, um die 49 von Bord der Schiffe sowie die weiteren mehr als 200 auf Malta befindlichen Flüchtlinge zu verteilen. Zu den aufnahmebereiten Ländern gehören neben Deutschland demnach Malta, die Niederlande, Frankreich, Italien, Portugal, Luxemburg, Irland und Rumänien.

Maltas Premierminister Joseph Muscat hatte am Sonntag deutlich gemacht, dass das Land mit dem Anlegen der Schiffe keinen Präzedenzfall schaffen wolle. Man verfolge die Lage aufmerksam, es könne aber nicht sein, dass jedes Migrantenboot, das "irgendwo im Mittelmeer gerettet wird und von anderen Ländern abgewiesen wird, in Malta endet". Die Gespräche auf EU-Ebene sollen seinen Angaben zufolge klären, wer verantwortlich für die beiden Schiffe ist und wer die Verantwortung übernimmt, sollte es ein nächstes Mal geben.

mho/dpa/AFP



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