Schiffsunglück im Mittelmeer Marine sucht nach Hunderten vermisster Flüchtlinge

Ein Flüchtlingsboot ist vor der Küste Libyens gekentert, etwa 600 Menschen sollen an Bord gewesen sein. Bislang konnten erst 370 Überlebende gerettet werden. Der Küstenwache läuft die Zeit davon.


Schiffe der italienischen Küstenwache, Marine und andere Rettungskräfte suchen im Mittelmeer nach Überlebenden eines Schiffsunglücks. Laut Augenzeugen sollen bis zu 600 Menschen an Bord eines Flüchtlingsbootes gewesen sein, das am Mittwoch 25 Kilometer vor der libyschen Küste kenterte.

Etwa 370 Menschen konnten bislang gerettet werden, sie werden nun nach Palermo gebracht. Die Rettungskräfte bargen nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zudem 26 Leichen aus dem Mittelmeer.

Das Holzboot soll kaum seetüchtig gewesen sein, als es von Libyen aus aufbrach. Schon nach wenigen Meilen geriet das Schiff in Seenot, die Besatzung setzte einen Notruf ab. Die italienische Küstenwache alarmierte ein irisches Marineschiff, das den Menschen zur Hilfe eilte. Vermutlich brachten die Migranten ihr Schiff dann unabsichtlich selbst zum Kentern, weil sie sich in Angst und Panik auf eine Seite drängten.

"Es war ein schrecklicher Anblick, Menschen, die sich verzweifelt an Rettungsringe, Boote und alles klammerten, die um ihr Leben kämpften zwischen Ertrinkenden und anderen, die bereits tot waren", sagte Juan Matías, Koordinator bei Ärzte ohne Grenzen (MSF) auf dem Schiff "Dignity I", das den Flüchtlingen zu Hilfe kam. MSF prangerte das "Fehlen adäquater Such- und Rettungsoperationen in dem Gebiet" an. Dies habe die erneute Katastrophe wieder einmal deutlich gemacht.

Mehrere Schiffe waren an der Such- und Rettungsaktion beteiligt, doch für Dutzende Flüchtlinge kam vermutlich jede Hilfe zu spät. Sie waren möglicherweise im Frachtraum des Schiffes, als es kenterte und innerhalb weniger Minuten sank. "Es gibt die Befürchtung, dass viele Menschen noch an Bord waren", sagte ein Sprecher des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

Sollten sich die Befürchtungen bestätigen, wäre es eins der schlimmsten Unglücke der vergangenen Monate. Im April waren Hunderte Migranten im Mittelmeer ertrunken, als ihr Boot kenterte und sank. Erst am Dienstag hatte die Internationale Organisation für Migration erklärt, dass in diesem Jahr bislang etwa 2000 Menschen bei dem Versuch über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen ums Leben gekommen seien. Die mit Abstand meisten von ihnen hatten Italien als Ziel.

syd/dpa/AFP



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