Modedroge Kath Rausch aus Äthiopien

Kath ist die neue Modedroge in Europa. In den Niederlanden und Großbritannien ist sie erlaubt, in Deutschland verboten - doch die Nachfrage steigt, und im östlichen Afrika boomt der Anbau. Ein Besuch bei den Pflanzern in Äthiopien.

Aus Addis Abeba berichtet


Von solchen Feldern träumt so mancher afrikanische Kleinbauer: Der Mais steht hoch und grün, in der Erde reifen große Kartoffeln, dazwischen wachsen Gemüse und Hirse. Es ist Regenzeit im südlichen Äthiopien, und die Farmer im Dörfchen Obicho, rund 140 Kilometer südlich von Addis Abeba, sind hoch zufrieden.

Sie haben auch schon andere Zeiten erlebt: Hitzemonate ohne Regen, trockene Böden, Hungerzeiten, in denen zudem noch der nahe gelegene Fluss trocken fiel. Doch in diesem Jahr fällt die Ernte üppig aus. Zudem hat ihnen die Deutsche Welthungerhilfe vor kurzem einen neuen Brunnen installiert, so dass der mühsame Gang hinunter zum Ufer entfällt und auch die Magen-Darm-Krankheiten deutlich weniger geworden sind.

Und dann gibt es da noch einen Grund zur Freude. Es ist der Wachstumsmotor des Dörfchens, jene Pflanze, die die Erträge besonders sprudeln lässt - das Kath.

Catha edulis, wie sie unter Experten heißt, hat sich kräftig ausgebreitet auf den Feldern von Obicho. Bis zu drei Meter hoch sind die Stauden. Sie werden kurz gehalten, damit die Ernte leichter fällt. Seit Jahrhunderten wird die Pflanze angebaut im Jemen, in Oman und im östlichen Afrika. Äthiopien gehört zu den Hauptproduzenten. Lange war der Anbau nur für den lokalen und regionalen Markt. Für das eigentliche Wachstum sorgt jetzt jedoch der Export. Nach Großbritannien und in die Niederlande werden die Blätter geflogen, wo der Konsum erlaubt ist und nicht nur die somalische Community für eine wachsende Nachfrage sorgt.

In Deutschland sind Handel und Konsum dagegen verboten. Doch auch hier floriert das Geschäft. Immer wieder greift die Polizei eilige Transporte mit beträchtlichen Mengen der gefragten Ware auf. Mehr als acht Tonnen wurden allein 2008 beschlagnahmt.

In Äthiopien hat sich die Regierung noch nicht entschieden. Einerseits macht Kath inzwischen fast 20 Prozent des wertmäßigen Exportvolumens aus und einen nicht unerheblichen Teil des Steueraufkommens - es sichert Einkommen und Beschäftigung. Andererseits drückt die Pflanze erkennbar auf die Produktivität, weshalb sie in Tigray im Norden des Landes bereits verboten ist. Auch in der Hauptstadt Addis Abeba denken Politiker inzwischen über Einschränkungen nach.

Zwischen Euphorie und Apathie

Grund dafür: Kath ist eine Kaudroge. Blätter und Triebspitzen werden im Mund zu großen Klumpen gepresst und in den Backentaschen verstaut. Nach etwa einer Viertelstunde entfaltet sich eine Wirkung, die der von Coca-Blättern aus Südamerika gleicht: Die Amphetamine beleben und euphorisieren. Doch bei höherer Dosierung und nach einer gewissen Zeit schlägt die anfängliche Angeregtheit in Müdigkeit um.

Und die hohe Dosierung ist eher die Regel als die Ausnahme. In Somalia und auch in Teilen des Jemen erstirbt nachmittags ein Großteil des öffentlichen Lebens, weil insbesondere die Männer nach hingebungsvollem Kath-Genuss zu produktiver Arbeit kaum noch in der Lage sind.

Die Pflanzer stört das nicht. Fünf Jahre müssen sie nach der Aussaat warten: Dann können die Sträucher bis zu 30 Jahre lang Ertrag bringen. Auch sonst haben die Pflanzen eine Reihe von Vorteilen. Sie lassen sich mehrfach im Jahr ernten, sie wachsen auch auf eher kargen Böden, sie brauchen wenig Pflege, und sie sind vergleichsweise resistent gegen Schädlinge. Vor allem aber: Der Preis für Kath ist in den letzten Jahren ständig gestiegen.

In Obicho war das Kath anfangs eine Art Notgroschen. "Wir haben die Schuluniformen für die Kinder und die Steuern damit bezahlt", sagen die Bewohner. Das war zu der Zeit, als die Bauern vor allem mit Kaffee noch gutes Geld verdienen konnten. Doch dann fiel der weltweite Kaffeepreis, und auch für andere Nahrungsmittel sank der Gegenwert. Die Bauern verdienten immer weniger, ein solides Einkommen war allenfalls noch mit der Kath-Pflanze möglich.

Heute sind die kargen Zeiten vorbei - aber vom Kath-Anbau wollen die Farmer nicht mehr lassen. "Die Nachfrage ist hoch, und die Preise werden immer besser", schwärmt Bauer Abdellah Omar. 60 bis 70 Prozent des Einkommens im Dorf, so gibt er zu erkennen, resultieren inzwischen aus dem Drogenanbau. "Alle wichtigen Sachen bezahlen wir mit dem Kath", sagt er.

Für ein kleines Taschengeld verkauft Omar ein bisschen an der Straße. Den größeren Teil der Ernte bringt er auf den nahe gelegenen Markt. Die Einkäufer fahren gerne weit hinaus ins Land. Je weiter, desto billiger ist der Einkaufspreis.



insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
wilde Socke 13.07.2009
1. Rundum-Schutz
Zitat von sysopKath ist die neue Modedroge in Europa. In den Niederlanden und Großbritannien ist sie erlaubt, in Deutschland verboten - doch die Nachfrage steigt, und im östlichen Afrika boomt der Anbau. Ein Besuch bei den Pflanzern in Äthiopien. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,635550,00.html
Wie gut, dass der große starke Staat über uns wacht, damit uns nicht Schlimmes passieren kann. Hallo Innenministerium, ich sitze gerade auf den Klo und muss mir gleich den Arsch abwischen. Könnte ihr bitte jemanden schicken, der das macht? Alleine habe ich Angst mich zu verletzen.
faustjucken_de 13.07.2009
2. Napalm drauf und Schluss
Aber ich ahne schon, gleich kommen wieder die ersten Gutmenschen mit der Moral-Keule "böser Kapitalismus" und dass die armen, armen Schwarz-Afrikaner ja nur vom Westen lernen, wie sie Geld machen können. Ja, da können sie auch gleich mal lernen, wie Feuer vom Himmel regnet. Muss man sich mal vorstellen, kassieren seit Jahrzehnten unsere Entwicklungshilfe und beliefern unsere Kinder mit Drogen!
RogerT 13.07.2009
3. nicht so tragisch
Zitat von faustjucken_deAber ich ahne schon, gleich kommen wieder die ersten Gutmenschen mit der Moral-Keule "böser Kapitalismus" und dass die armen, armen Schwarz-Afrikaner ja nur vom Westen lernen, wie sie Geld machen können. Ja, da können sie auch gleich mal lernen, wie Feuer vom Himmel regnet. Muss man sich mal vorstellen, kassieren seit Jahrzehnten unsere Entwicklungshilfe und beliefern unsere Kinder mit Drogen!
Das ist aber nicht so tragisch, weil unsere Kids ja Wodka & Co von der nächsten Tanke bevorzugen... das knallt mehr und macht abhängig...
Frank Bennesch, 13.07.2009
4. Treffer
Zitat von wilde SockeWie gut, dass der große starke Staat über uns wacht, damit uns nicht Schlimmes passieren kann. Hallo Innenministerium, ich sitze gerade auf den Klo und muss mir gleich den Arsch abwischen. Könnte ihr bitte jemanden schicken, der das macht? Alleine habe ich Angst mich zu verletzen.
Wahrscheinlich würdest du auch gegen 20 Gesetze verstoßen, wenn du es selber machst.
Hesekiel, 13.07.2009
5. ^^
Zitat von faustjucken_deAber ich ahne schon, gleich kommen wieder die ersten Gutmenschen mit der Moral-Keule "böser Kapitalismus" und dass die armen, armen Schwarz-Afrikaner ja nur vom Westen lernen, wie sie Geld machen können. Ja, da können sie auch gleich mal lernen, wie Feuer vom Himmel regnet. Muss man sich mal vorstellen, kassieren seit Jahrzehnten unsere Entwicklungshilfe und beliefern unsere Kinder mit Drogen!
Wieso böser Kapitalismus? Guter Kapitalismus, er sichert den Kathbauern doch ein geregeltes Einkommen. Moralisch kann man dem somalischen Bauern keinen Vorwurf machen, in seinem Land ist das Kauen Tradition - dass darüber hinaus jetzt auch im Westen Bedarf entsteht ist nicht sein Problem. Und Sie gleich wieder mit Feuer vom Himmel, der Anbau ist in den Gebieten legal .. Was glauben Sie eigentlich, wie Tabak oder Knaster einst in Europa Einzug gehalten haben?
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