Möglicher Angriff Syrien warnt USA vor Unterstützung von al-Qaida

Die USA spekulieren offen über einen Luftschlag gegen die Assad-Truppen - da kommt eine deutliche Warnung aus Damaskus: Eine solche Aktion würde der Terrorgruppe al-Qaida nützen, so der syrische Vizeaußenminister. Man schüre damit in der Region nur den "Hass auf die Amerikaner".

Islamistische Kämpfer in Syrien (Archivbild): Warnung aus Damaskus
REUTERS

Islamistische Kämpfer in Syrien (Archivbild): Warnung aus Damaskus


Damaskus/Washington - Seit mehr als zwei Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien, nun könnte ein Eingreifen durch US-Truppen bevorstehen. International wird eine solche Militäraktion hitzig debattiert - und auch die Regierung in Damaskus schaltet sich immer wieder in die Debatte ein. Eine scharf formulierte Warnung schickte der stellvertretende syrische Außenminister Faisal Mekdad in Richtung Washington. Einen möglichen US-Militäreinsatz in seinem Land bezeichnete er als "Unterstützung für al-Qaida".

In einem Interview mit dem Sender BBC erklärte Mekdad zudem, für die Angriffe mit chemischen Waffen in Syrien seien nicht die Truppen von Präsident Baschar al-Assad zuständig, sondern vielmehr von den USA unterstützte Gruppen.

Ein Einsatz der USA in Syrien werde den "Hass auf die Amerikaner" verstärken und den gesamten Nahen Osten destabilisieren, sagte Mekdad in dem am Montag veröffentlichten Interview. Die USA hatten am Sonntag erklärt, es gebe klare Beweise dafür, dass Damaskus das Nervengas Sarin eingesetzt hat. Bei einen Angriff waren mehr als 1400 Menschen getötet worden, darunter viele Kinder.

Auch Russland meldet erneut Zweifel an der Rechtmäßigkeit eines Einschreitens an. Moskau hat die USA mit Nachdruck aufgefordert, ihre Giftgas-Vorwürfe an das Regime in Syrien mit Beweisen zu belegen. "Washington hat uns Material übergeben, das aber nichts Konkretes dazu enthielt, wo die Proben von wem entnommen wurden", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Moskau.

"Als wir nach Details fragten, sagten unsere amerikanischen Partner, dass diese geheim seien", meinte Lawrow der Agentur Interfax zufolge. "Das überzeugt uns nicht. So ist keine Zusammenarbeit möglich", sagte er. Russland ist ein enger Verbündeter Syriens.

Auch der einflussreiche Außenpolitiker Alexej Puschkow forderte konkrete Beweise von den USA. "Das von US-Außenminister John Kerry erwähnte Nervengift Sarin konnte auch von den Rebellen angewendet werden", teilte der Chef des Auswärtigen Duma-Ausschusses mit.

China warnt, Arabische Liga drängt zum Einschreiten

China warnte vor einem Alleingang der USA. Man sei von der Regierung in Washington über den Stand der Ermittlungen in dem Giftgasfall unterrichtet worden, so Hong Lei, Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Nun dürfe keine Seite vorschnelle Schritte einleiten. Zunächst müssten die Ergebnisse der Uno-Beobachter vor Ort abgewartet werden.

Die Arabische Liga forderte die Weltgemeinschaft dagegen zum Einschreiten gegen die Führung in Damaskus auf. Die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft müssten "abschreckende und notwendige Maßnahmen" gegen die Verursacher dieses Verbrechens einleiten, hieß es in der Abschlusserklärung eines Außenministertreffens der Organisation am Sonntag in Kairo.

jok/dpa/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 177 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
klaus_rose 02.09.2013
1. Keiner kennt den Kriegsverlauf
Kann man im neuen Printspiegel sehen.
rwk 02.09.2013
2. Miserables Gesicht des Westens
Was da gemacht wird ist wieder der Versuch einen Militärdikdator wegzuputzen (à la Mubarak) in der Meinung ein anderer Dikdator sei besser. Diese teuer bezahlten Spezialisten der Strategie des Nahen Osten müssten doch wissen, dass selbst wenn Assad Gas eingesetzt hat es nur nach UNSERER Meinung notwendig ist Ihn zu bestrafen. Wir halten UNSEREN Ehrenkodex so gerichtet wie es uns in den Kram passt. Ob der Kodex richtig und anwendbar ist, interessiert uns nicht! Die Millionen Syrer, die kein Eingreifen des Westens wollen werden durch unser Verhalten einfach als zweitklassige, nichtwissende Individuen herabgestuft. Wir, der Westen "meint" in Unkenntnis der Gegebenheiten:" Jetzt muss man zum Rechten schauen". Wir sind überzeugt, dass die Araber unser Eingreifen wünschen und benötigen. Eine neue bodenlose Arroganz der westl. Gemeinschaft ein arab. Land wieder auf Kolonialebene, - dh. wir denken für dich - zu erniedrigen. Wenn das diese "Spezialisten des Nahen Ostens" noch nicht begriffen haben, ist Ihre Bezahlung eine grandiose Steuergeldverschwendung.
Anstossgebender 02.09.2013
3. Trugschluss.
Zitat von rwkWas da gemacht wird ist wieder der Versuch einen Militärdikdator wegzuputzen (à la Mubarak) in der Meinung ein anderer Dikdator sei besser. Diese teuer bezahlten Spezialisten der Strategie des Nahen Osten müssten doch wissen, dass selbst wenn Assad Gas eingesetzt hat es nur nach UNSERER Meinung notwendig ist Ihn zu bestrafen. Wir halten UNSEREN Ehrenkodex so gerichtet wie es uns in den Kram passt. Ob der Kodex richtig und anwendbar ist, interessiert uns nicht! Die Millionen Syrer, die kein Eingreifen des Westens wollen werden durch unser Verhalten einfach als zweitklassige, nichtwissende Individuen herabgestuft. Wir, der Westen "meint" in Unkenntnis der Gegebenheiten:" Jetzt muss man zum Rechten schauen". Wir sind überzeugt, dass die Araber unser Eingreifen wünschen und benötigen. Eine neue bodenlose Arroganz der westl. Gemeinschaft ein arab. Land wieder auf Kolonialebene, - dh. wir denken für dich - zu erniedrigen. Wenn das diese "Spezialisten des Nahen Ostens" noch nicht begriffen haben, ist Ihre Bezahlung eine grandiose Steuergeldverschwendung.
Prinzipiell gebe ich Ihnen Recht, aber Sie unterliegen da einem gewissen Trugschluss: Die USA haben als Ziel für einen Militärschlag ausgeschlossen, die Position irgendeiner Kriegspartei in Syrien zu verbessern oder gar Assad zu beseitigen. Wie glaubwürdeig wäre also ein Militärschlag tatsächlich? Denn klar ist nur, dass noch mehr Zivilisten sterben werden und das Morden in Syrien damit noch befeuert wird. Soll darin die Lösung für Syrien liegen?
Rainer_H 02.09.2013
4. Hinweis für Ermittler
Zitat von sysopREUTERSDie USA spekulieren offen über einen Luftschlag gegen die Assad-Truppen - da kommt eine deutliche Warnung aus Damaskus: Eine solche Aktion würde der Terrorgruppe al-Qaida nützen, so der syrische Vize-Außenminister. Man schüre damit in der Region nur den "Hass auf die Amerikaner". http://www.spiegel.de/politik/ausland/moeglicher-us-angriff-syrien-warnt-usa-vor-unterstuetzung-von-al-qaida-a-919833.html
Man sollte sich bei der Suche nach den Schuldigen für den Giftgaseinsatz genauer die Geheimdienste der Staaten anschauen, die jetzt nach einem sofortigen Vergeltungsschlag gegen Syrien schreien.
3amuri 02.09.2013
5. Arabische Liga
kann sich SPON bitte entscheiden was die Arabische Liga nun will!! Die AL hat lediglich den Chemiewaffeneinsatz gerügt aber sicher kein einschreiten von Militärmächte gefordert!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.