Mohammed bin Salman in den USA Prinz Charming

Waffentechnik und Walt Disney: Mohammed bin Salman startet bei Donald Trump seinen rund zweiwöchigen USA-Trip. Der saudische Kronprinz will für seine Außenpolitik werben - und Milliardendeals einfädeln.

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Mohammed bin Salman hat nichts dem Zufall überlassen vor seiner USA-Reise. Saudi-Arabiens kriegerischer Kronprinz gab am Wochenende dem Fernsehsender CBS ein 60-minütiges Interview. Auf die Frage, was ihn, den eigentlichen Herrscher der wahhabitischen Monarchie, aufhalten könne, antwortete der 32-Jährige: "Nur der Tod".

Klare Ansage. Sein Gastgeber, US-Präsident Donald Trump, schätzt das. Die beiden haben sich am Dienstag im Weißen Haus getroffen. Es ist das dritte Mal in weniger als einem Jahr.

Beim Treffen im Oval Office schmeichelte Trump seinem Gast: Die beiden seien "sehr gute Freunde in kurzer Zeit" geworden, sagte der US-Präsident. Saudi-Arabien sei ein großartiger Kunde, Besteller und Investor. Dabei zeigte Trump den Journalisten unter anderem ein Schaubild, auf dem saudi-arabische Waffenkäufe aufgeführt wurden.

Jemen-Krieg, Katar-Krise und Irans Atomprogramm

Die Visite von MBS, wie Mohammed bin Salman auch genannt wird, ist keine Routine. Das zeigt schon die Dauer: Mehr als 14 Tage lang wird der künftige König und gegenwärtige Verteidigungsminister mit seinem Gefolge in den Vereinigten Staaten bleiben.

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Mohammed bin Salman: Ein Prinz auf Reisen

Von Washington geht es für ihn weiter nach Boston, New York, Seattle, San Francisco, Los Angeles und schließlich nach Houston, bevor er am 7. April wieder in die Heimat zurückkehrt. Die To-do-Liste ist lang. Er wird seine Außenpolitik erklären:

In Washington dürfte Mohammed bin Salman mit seiner Außenpolitik auf Zustimmung stoßen - bei Donald Trump ebenso wie bei Mike Pompeo, dem neuen US-Außenminister. Der gilt - anders als sein Amtsvorgänger Rex Tillerson - nicht nur in der Iran-Frage als Hardliner, sondern teilt auch die saudische Sicht auf Katar.

Uber, Apple und Harvard

Auf der Rundreise will sich der Kronprinz der US-Öffentlichkeit darüber hinaus als liberaler Reformer präsentieren - und eben auch Wirtschafts- und Rüstungsprojekte anschieben:

  • In Boston trifft er sich ab Freitag mit Vertretern der Elite-Universitäten Harvard und MIT. Der junge Prinz hat eine Bildungsoffensive in Saudi-Arabien ausgerufen. Außerdem wird erwartet, dass sich MBS mit den Chefs des Energieriesen General Electric trifft. Saudi-Arabien plant den Bau mehrerer Atomkraftwerke und will dabei mit GE kooperieren.
  • Am 26. März steht dann ein Treffen mit Uno-Generalsekretär Antonio Guterres in New York im Kalender. Außerdem ist ein großes Wirtschaftstreffen mit Unternehmensvertretern beider Länder geplant. Erwartet wird auch, dass MBS die New Yorker Börse besucht. Spätestens 2019 will Saudi-Arabien bis zu fünf Prozent seiner Anteile am Ölgiganten Saudi Aramco an die Börse bringen. Das Königshaus will damit 100 Milliarden Dollar erlösen - es wäre der weltweit größte Börsengang bisher.
  • Anschließend folgt ein Abstecher nach Seattle. MBS wird sich dort mit Vertretern von Lockheed Martin und Boeing treffen. Lockheed Martin produziert unter anderem das Raketenabwehrsystem "Thaad". Saudi-Arabien will sieben solcher Systeme kaufen. Wahrscheinlich wird der Kronprinz auch die Amazon-Zentrale besuchen. Schon jetzt verhandelt Riad mit dem Internetriesen über den Aufbau eines Datenzentrums in Saudi-Arabien.
  • In San Francisco und dem nahen Silicon Valley wird der Saudi mit den Chefs von Apple, Google und anderen Internetunternehmen zusammenkommen. Besonders interessant dürfte aber das Treffen mit den Chefs von Uber werden. Saudi-Arabien hat 3,5 Milliarden Dollar in das Unternehmen investiert. Und Uber hofft auf weiteren Aufschwung durch die bevorstehende Aufhebung des Fahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien.
  • Noch gibt es in Saudi-Arabien kein einziges richtiges Kino, aber MBS versucht schon jetzt die Filmindustrie für sich zu gewinnen. Deshalb sind Treffen mit Walt Disney und Universal Pictures in Los Angeles im Gespräch.
  • Zum Abschluss der Reise wird Mohammed bin Salman am 7. April Houston besuchen. Dort wird er unter anderem die US-Tochtergesellschaft von Aramco sowie die größte amerikanische Ölraffinerie in Port Arthur besuchen.

Bei all diesen Treffen und Gesprächen wird Mohammed bin Salman als Prinz Charming auftreten. Dass er auch anders kann, zeigte er im November, als er zahlreiche Prinzen, Minister und ranghohe Militärs festnehmen ließ. Im Interview mit CBS erklärte Mohammed bin Salman auf die Frage, ob er mit dieser Aktion habe zeigen wollen, dass "ein neuer Sheriff in der Stadt" sei, kurz und klar: "Absolut".

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Nandiux 20.03.2018
1. Eine ganz verlogene Außenpolitik.
Mit den Saudis macht man Deals, hofiert sie regelrecht, aber die Iraner sind ganz böse. Auch wenn sich bin Salman innenpolitisch vermeintlich liberal gibt, in der Außenpolitik ist er ein Hardliner, daran kann es keinen Zweifel geben. Von der Finanzierung diverser Terrorgruppen, die von diesem Land ausgehen, ganz zu schweigen.
Heinrich52 20.03.2018
2. Gute Politik
Mit dem Deal stärkt er die Saudis welche ein Bollwerk gegen die Iraner sind.Iran versucht die Herrschaft über den Arabischen Raum zu gewinnen. Sie unterstützen die Huti Rebellen, die Hispolla und die Hamas aber auch Assad. Iran versucht auch den Libanon unter seinen Einflussbereich zu bekommen. Das muss verhindert werden. Denn die EU und USA dürfen einfach Arabien nicht unter der Kontrolle des Irans und Russland überlassen. Die Saudis verhindern dies. Sie sind das Bollwerk gegen Iran und Russland. Der Irak ist so schwach er hält sich zurück. Was ich mir noch wünschen würde, dass die USA die Kurden mehr unterstüzen würde. So hätten sie einen weiteren Stützpunkt gegen die Russen. Die Kurden müssten einen eigenen Staat gründen dürfen. Trump macht hier einen ausgezeichnete Außenpolitik. Herr Gabriel unterstütz t die türkei mit Waffen und den Saudis verweigerte er dies ihnen. Es ist Dummheit.
exhaider 21.03.2018
3. Islamischer Staat
Saudi Arabien ist DER islamische Staat. Und genau diese ideologie des wahabistischen, absolututistischen islamischen Staates wird von Saudi Arabien weltweit verbreitet. Hat Irak und Syrien bisher hundertausende von Toten, millionen von Verletzten und noch mehr gewaltsam Vertriebene gekostet. Von Libanon, dem Rückzugsort der Steinzeitterroristen Islamischer Staat redet auch keiner mehr. Vom arabischen Frühling noch weniger. Vom Krieg in Jemen auch nur noch Schweigen. Terrorwinter wäre angebrachter. Danke Saudi Arabien...
magier 21.03.2018
4.
Es ist beschämend und entlarvend, wie wohlwollend spon über diesen Kriegsverbrecher berichtet. Prinz Charming lässt gerade Frauen und Kinder im Jemen bombardieren, unterstützt islamistische Terroristen in aller Welt und lässt seine Gegner einsperren und nach der Scharia Recht sprechen. Aber er macht gute Geschäfte mit uns und arbeitet mit den Amerikanern zusammen. Deshalb ist er auch ein „guter“ Despot, den wir hofieren. Frau Merkel nannte Saudi-Arabien schließlich einen Stabilitätsanker in der Region. Entsprechend die Berichterstattung in unseren Medien.
heinz.murken 21.03.2018
5. Gebetsmühlenartig
wird wiederholt. S-A sei der Terrorpate schlechthin. Die Beweise, dass von Staats wegen Terror unterstützt wird, fehlen bis heute. Dafür gibt es Umerziehungsgeföngnisse für Terroristen, die eine sehr gute Erfolgsquote haben. Innenpolitisch ist S-A bereits seit König Abdullah auf dem richtigen Weg. Die Menschenrechte werden auch nicht mehr als im Iran verletzt, der noch immer Todesurteile (durch Hängen) am Autokran vollziehen lässt. Es ist bestimmt sehr praktisch S-A immer in die böse Ecke zu stellen, aber wahrer werden die Behauotungen durch Wiederholungen nicht.
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