Mohammed-Karikaturen Europäische Union schließt Büro in Gaza

Nach Attacken bewaffneter Palästinenser hat die EU ihr Büro in Gaza geschlossen. Wütende Muslime hatten zuvor das Gebäude umstellt und gegen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in Europa protestiert. Sie drohten Ländern, in denen die Zeichnungen abgedruckt wurden, mit Rache.


Gaza - Bewaffnete Männer hatten das EU-Büro in Gaza umstellt. Rund zwanzig Palästinenser belagerten das Gebäude, das aus Sicherheitsgründen gar nicht erst geöffnet worden war. Es sollen Schüsse gefallen sein. "Bis auf Weiteres geschlossen", schrieben sie an die Eingangstür. Die EU-Kommission verschärfte daraufhin die Sicherheitsmaßnahmen.

Gaza: Belagertes EU-Büro
AP

Gaza: Belagertes EU-Büro

Emma Udwin, Sprecherin des Außenamts bei der EU-Kommission, sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE, am Morgen habe es vor dem Gebäude der EU in Gaza eine "Demonstration" gegeben. Das Büro stehe unter Schutz. Genaue Angaben über Sicherheitsmaßnahmen machte sie nicht. Die Niederlassung in Gaza sei ziemlich klein: "Eine Handvoll Kollegen arbeiten dort", sagte sie. Berichte, wonach auf das Gebäude geschossen worden sein soll, bestätigte Udwin nicht, ihres Wissens habe es "Schüsse in die Luft" gegeben. Udwin deutete an, dass die Palästinenser sich mit ihren Drohungen keinen Gefallen täten: "Die Kollegen, die in der Region arbeiten, sind normalerweise dort, um der palästinensischen Bevölkerung zu helfen. Wer Drohungen ausspricht, sollte daran denken." Die Kommission lehne die Anwendung von Gewalt ab. Wer seine Meinungsfreiheit ausnutze und die umstrittenen Bilder nachdrucke, habe in Europa im Übrigen das Recht dazu, weil dies nicht der Kontrolle der Regierungen unterliege. Auf der anderen Seite gelte es auch, die Eigenheiten anderer Kulturen zu respektieren.

Aus Wut über Karikaturen des Propheten Mohammed hatten aufgebrachte Palästinenser mehreren europäischen Ländern mit Gewalt gedroht. Jeder Däne, Norweger und Franzose in den Palästinensergebieten sei "eine Zielscheibe", erklärten das "gemeinsame Kommando" der radikalen al-Aksa-Brigaden und das Komitee für den Volkswiderstand im Gaza-Streifen. In Nablus im Westjordanland drohten Palästinenser mit der Entführung von Europäern. In einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AP erklärte ein Sprecher der al-Aksa-Brigaden, Mitglieder seiner Organisation durchsuchten Wohnungen im Autonomiegebiet. Hotelbesitzer seien aufgefordert worden, Staatsbürgern aus fünf europäischen Ländern, darunter Frankreich, Dänemark und Deutschland, keine Unterkunft zu gewähren.

Zudem forderten beide radikalen Gruppen Dänemark, Frankreich und Norwegen auf, ihre Büros und Konsulate in den Palästinensergebieten zu schließen: "Sonst zögern wir nicht, sie zu zerstören.". Ein Sprecher des Widerstandskomitees sagte, die Drohung sei ernstzunehmen und werde auf jedes Land ausgeweitet, in dessen Medien die umstrittenen Karikaturen nachgedruckt würden. Norwegen schloss daraufhin seine Vertretung im Westjordanland. "Wir nehmen diese Drohungen sehr ernst", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Oslo.

Beide Gruppen stellten Dänemark, Norwegen und Frankreich ein Ultimatum von 48 Stunden, um sich für die Karikaturen zu entschuldigen. "Europäische Provokationen haben die Büros und europäische Kirchen in unsere Schusslinie gerückt."

Auslöser des Streits sind zwölf Karikaturen, welche die "Jyllands-Post" im September unter der Überschrift "Die Gesichter Mohammeds" veröffentlicht hatte. Zeitungen in Deutschland, Frankreich, Italien, Norwegen und Spanien druckten sie ganz oder teilweise nach. Muslime in aller Welt verbrennen aus Empörung über die Bilder dänische Flaggen und rufen zum Boykott dänischer Produkte auf.

ler/AFP/dpa



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