Ägyptischer Ex-Präsident Mursi soll Staatsgeheimnisse an Iran verraten haben

Er hat angeblich "Geheimnisse der nationalen Verteidigung" preisgegeben: Mohammmed Mursi muss sich erneut vor Gericht verantworten, diemal geht es um den Vorwurf der Spionage. Im Falle einer Verurteilung droht Ägyptens Ex-Präsident die Todesstrafe.

Inhaftierter Ex-Präsident Mursi: Angeklagt wegen Geheimnisverrats
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Inhaftierter Ex-Präsident Mursi: Angeklagt wegen Geheimnisverrats


Kairo - Der Vorwurf könnte Mohammed Mursi das Leben kosten: Ein Staatsanwaltschaft hat am Sonntag Klage wegen Geheimnisverrats gegen den ehemaligen ägyptischen Staatschef erhoben. Mursi soll vertrauliche Details an den Iranischen Revolutionsrat verraten haben. Das ist das erste bekannt gewordene Detail eines vor einer Woche begonnenen Spionage-Prozesses in Kairo. Im Fall einer Verurteilung droht Mursi die Todesstrafe.

Bei dem Prozess, der am Sonntag zum Teil über das ägyptische Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde, sind neben Mursi auch 35 andere Männer angeklagt - gemeinsam sollen sie gezielt das Land geschwächt und mit militanten Gruppen aus dem Ausland zusammengearbeitet haben. Sie gehören alle zur islamistischen Muslimbruderschaft, die im Sommer nach einem Militärputsch entmachtet wurde.

Der Chefankläger in diesem Prozess, Tamer el-Firgani, sagte, dass Mursi "Geheimnisse an einen anderen Staaten übergeben hat, darunter Gehemnisse der nationalen Verteidigung". Um welchen Staat es sich neben Iran handeln soll, ist laut BBC unbekannt. Außerdem habe er "Geheimberichte an den Iranischen Revolutionsrat mit dem Ziel übergeben, die Sicherheit und Stabilität des Landes aus dem Gleichgewicht zu bringen." Einer dieser Berichte soll Details über Aktivitäten schiitischer Muslime in Ägypten beinhaltet haben. Schiiten bilden die wichtigste Religionsgemeinschaft in Iran.

Mursis Verteidiger kamen nicht zum Prozess

Mursi hatte in seiner Amtszeit zunächst häufiger Iran vorgeworfen, den syrischen Diktator Baschar al-Assad zu unterstützen - schließlich aber engere Kontakte zu dem islamischen Staat aufgebaut.

Im Prozess am Sonntag traten Mursi und seine Mitangeklagten diesmal ohne ihre Verteidiger auf. Die hatten am vorherigen Verhandlungstag protestierend den Gerichtssaal verlassen, weil ihre Mandanten in gläsernen Käfigen Platz nehmen mussten, aus denen keine Geräusche nach außen dringen. Die durchsichtigen Kästen waren eingeführt worden, nachdem Mursi und seine Mitangeklagten in anderen Prozessen immer wieder die Verhandlung unterbrochen hatten.

Mursi ist bereits wegen einer ganzen Reihe anderer Straftaten angeklagt worden, die er während seiner Zeit als Staatspräsident begangen haben soll - bei einigen davon ist ebenfalls eine Todesstrafe vorgesehen. Der Prozess um den Vorwurf des Geheimnisverrats wird am 27. Februar fortgesetzt.

mxw/AP



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