Islamfeindliches Video Ahmadinedschad ruft Anti-US-Demonstranten zu Mäßigung auf

Er ist einer der größten Scharfmacher der islamischen Welt - beim Thema Mohammed-Schmähvideo aber klingt Mahmud Ahmadinedschad ungewöhnlich besonnen. Irans Präsident hat zwar den Film verurteilt, die Proteste müssten aber friedlich bleiben, forderte er.

Irans Präsident Ahmadinedschad: "Schwäche und Missbrauch der Freiheit"
DPA

Irans Präsident Ahmadinedschad: "Schwäche und Missbrauch der Freiheit"


New York - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat das in den USA produzierte Mohammed-Schmähvideo und die dadurch ausgelösten gewalttätigen Proteste in der islamischen Welt verurteilt. "Grundsätzlich und zuallererst verurteilen wir jede Aktion, die provokativ ist und die religiösen Ansichten und Gefühle der Menschen verletzt", sagte er am Sonntag im Vorfeld eines Besuchs bei der Uno-Vollversammlung in New York dem US-Sender CNN. "Ebenso verurteilen wir jede Form von Extremismus."

"Den heiligen Propheten zu verunglimpfen, ist sehr schlimm. Das hat sehr wenig mit Freiheit und freier Meinungsäußerung zu tun. Es handelt sich um eine Schwäche und einen Missbrauch der Freiheit, und an vielen Orten ist es ein Verbrechen", sagte Ahmadinedschad. "Wir glauben aber auch, dass dies in einer menschlichen Atmosphäre gelöst werden muss... Und wir mögen es nicht, wenn jemand sein Leben verliert oder - aus welchen Gründen auch immer - getötet wird, nirgendwo auf der Welt."

Das islamfeindliche Video und die Mohammed-Karikaturen in einem französischen Satire-Magazin haben in den vergangenen eineinhalb Wochen in vielen islamischen Ländern zu teils gewalttätigen Protesten geführt. Dutzende Menschen kamen dabei ums Leben.

Am Wochenende hatte der pakistanische Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour ein Kopfgeld von 100.000 Dollar für die Ermordung des Machers des islamfeindlichen Filmes ausgesetzt. Er rief zudem die Taliban und das Terrornetzwerk al-Qaida auf, sich dieser "noblen Sache" anzuschließen. Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf distanzierte sich am Sonntag nach Worten eines Sprechers "vollständig" von dem Mordaufruf. Der Aufruf sei nicht die "Politik der Regierung".

Die USA verurteilten die Aktion des pakistanischen Ministers. US-Präsident Barack Obama und seine Außenministerin Hillary Clinton hätten den Schmähfilm bereits als "beleidigend, ekelhaft und verwerflich" gebrandmarkt, erklärte ein Mitarbeiter des Außenministeriums in Washington. Doch sei der Streifen keine "Rechtfertigung für Gewalt" und es sei wichtig, dass sich verantwortungsvolle Führer gegen Gewalt aussprächen. Daher halte die US-Regierung die Ankündigung des pakistanischen Eisenbahnministers für "aufrührerisch und unangemessen", hieß es in der Erklärung weiter.

In Frankreich haben Anti-Terror-Richter ein Ermittlungsverfahren gegen einen jungen Mann eingeleitet, der die Verantwortlichen der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" bedroht haben soll. Der 18-Jährige, der am Mittwoch im südöstlichen Toulon festgenommen worden war, soll seine Drohungen im sozialen Netzwerk Facebook geäußert und dies in der Untersuchungshaft bestätigt haben, wie aus Justizkreisen am Sonntag verlautete. In seiner Wohnung habe die Polizei mehrere Messer gefunden.

Ein etwa 40-jähriger Mann, der am Samstag in La Rochelle festgenommen worden war, kam dagegen wieder auf freien Fuß. Er soll auf einer islamistischen Website gefordert haben, den Leiter von "Charlie Hebdo" zu köpfen. Die polizeilichen Ermittlungen gegen den Mann laufen jedoch weiter.

Die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen durch "Charlie Hebdo" am Mittwoch war bei Muslimen in Frankreich und anderen Ländern auf Empörung gestoßen. Aus Angst vor gewaltsamen Protesten hatte die Regierung in Paris daraufhin verstärkte Sicherheitsvorkehrungen für französische Einrichtungen angeordnet. Botschaften, Konsulate, französische Schulen und Kulturzentren in rund 20 muslimischen Ländern blieben am Freitag ganz geschlossen.

anr/dpa/dapd



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Seite 1
Indigo76 24.09.2012
1.
Zitat von sysopDPAEr ist einer der größten Scharfmacher der islamischen Welt - beim Thema Mohammed-Schmähvideo aber klingt Mahmud Ahmadinedschad ungewöhnlich besonnen. Irans Präsident hat zwar den Film verurteilt, die Proteste dagegen müssten aber friedlich bleiben, forderte er. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857505,00.html
Na dann will ich mal hoffen, dass die Polizei niemals in meine Wohnung kommt. Ich habe auch mehrere Messer - ich muss also zwangsläufig ein Terrorist sein!
Schlumperli 24.09.2012
2. Oh je
Zitat von sysopDPAEr ist einer der größten Scharfmacher der islamischen Welt - beim Thema Mohammed-Schmähvideo aber klingt Mahmud Ahmadinedschad ungewöhnlich besonnen. Irans Präsident hat zwar den Film verurteilt, die Proteste dagegen müssten aber friedlich bleiben, forderte er. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857505,00.html
Was sind wir doch bescheiden geworden: Wir halten einen Staatspräsidenten der muslimischen Welt schon für "besonnen", wenn er nur fordert, dass Proteste gegen einen Film "friedlich bleiben" müssen. Ist eine solche Forderung nicht selbstverständlich ? Wollen wir uns wirklich daran gewöhnen, dass Muslime in immer kürzeren Abständen ausrasten, weil sie ihre religiösen Gefühle verletzt sehen ?
Dramidoc 24.09.2012
3. xxx
Zitat von sysopDPAEr ist einer der größten Scharfmacher der islamischen Welt - beim Thema Mohammed-Schmähvideo aber klingt Mahmud Ahmadinedschad ungewöhnlich besonnen. Irans Präsident hat zwar den Film verurteilt, die Proteste dagegen müssten aber friedlich bleiben, forderte er. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857505,00.html
Es mag vielleicht ein falscher Eindruck sein, aber Irans Präsidente wirkte auch in dem Interview mit Claus Cleber sehr besonnen. Vielleicht ist der Mann gar nicht so verrückt wie man uns das immer glauben machen will. Sicher die Israel-Rhetorik ist schon ein sehr starkes Stück, aber das gehört zum Repertoire aller Staaten in der Region. Hinsichtlich des Mohamed-Videos finde sich seine Intervention erfreulich und dürfte bei den schiitischen und alewitschen Muslimen Gehör finden.
rechtschreibreformreform 24.09.2012
4. Holla....
"In seiner Wohnung habe die Polizei mehrere Messer gefunden." Hinter die Äußerungen des Mannes gilt es sicherlich zu schauen, doch in diesem Zusammenhang obigen Satz zu schreiben, läßt mich - Verzeihung - schmunzeln.
minando 24.09.2012
5. Für einen Augenblick...
dachte ich wirklich ich lese die "Titanic". Wolf im Schafspelz.
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