Demokratische Republik Kongo Anti-Kabila-Allianz einigt sich auf Präsidentschaftskandidaten

In der Demokratischen Republik Kongo formiert sich die Opposition gegen Präsident Kabila: Ein neues 16-Parteien-Bündnis kürte mit Moïse Katumbi einen frühere Vertrauten des Staatschefs zu dessen Herausforderer.

REUTERS

Kommt es tatsächlich zu einer Präsidentschaftswahl in der Demokratischen Republik Kongo, will ein breites Oppositionsbündnis den früheren Gouverneur der Provinz Katanga, Moïse Katumbi, gegen Amtsinhaber Joseph Kabila unterstützen.

Am späten Sonntagabend verständigte sich das 16-Parteien-Bündnis auf den gemeinsamen Kandidaten Katumbi. Gleichzeitig gab sich die Oppositionsgruppe einen neuen Namen: Als "Alternance pour la République" ("Wandel für die Republik" - AR) will sie künftig bei Wahlen gegen Kabilas Volkspartei zur Wiederherstellung der Demokratie (PPRD) und deren Verbündete antreten.

AR-Kandidat Katumbi, 51, gilt als populärer und charismatischer Politiker. Bis vergangenen September war er Mitglied der Präsidentenpartei. Dann legte er aber seinen Gouverneursposten nieder und ging in Opposition zu Kabila. Der wohlhabende Geschäftsmann besitzt unter anderem den erfolgreichsten Fußballklub im Kongo, Tout Puissant Mazambe, der in Katumbis südkongolesischer Heimat Lubumbashi spielt.

Präsident Kabila regiert das zentralafrikanische Land mit seinen mehr als 80 Millionen Einwohnern seit 2001. Seine Amtszeit läuft im November aus, laut Verfassung darf er nicht mehr kandidieren. Oppositionsgruppen befürchten, dass Kabila trotzdem eine weitere Amtszeit anstreben könnte. Möglich ist, dass Kabila erst eine Volkszählung oder Regionalwahlen abhalten lässt, was die Präsidentschaftswahl um viele Monate verzögern könnte.

Für das Oppositionsbündnis AR ist Katumbis Nominierung ein "entscheidender Schritt, um einen demokratischen Wandel zu garantieren", sagte der Koordinator der neuen Gruppe, Delly Sessanga.

Dem SPIEGEL sagte Katumbi Anfang April, Gegner und kritische Journalisten würden im Kongo ohne korrekte Gerichtsverfahren ins Gefängnis geworfen. Straffreiheit für Handlanger des Regimes sei neben der Korruption das größte Problem des Landes.

Als prominenter Oppositionsvertreter fürchtet Katumbi um seine Sicherheit: Wer als Kandidat antrete, gelte als Verräter und habe viele Feinde. Darum sorge nun ein früherer Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama für seinen Schutz, so Katumbi zum SPIEGEL.

cht/AFP

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