Monarchie in Afrika Gefährliche Liebschaften in Swasiland

Eine skurrile Affäre erschüttert die letzte absolute Monarchie Afrikas. In den Hauptrollen: der König von Swasiland, seine zwölfte Frau und ein Minister unterm Bett. Der allmächtige Herrscher Mswati III. setzt nun alles daran, die Geschichte um Untreue und gekränkte Eitelkeit unter Verschluss zu halten.

REUTERS

Von , Nairobi


Swasiland macht selten Schlagzeilen. Das Land ist klein, nicht größer als Thüringen, ist geografisch von Südafrika und Mosambik umzingelt und hat 1,2 Millionen Einwohner. Der größte Teil von ihnen lebt in bitterer Armut. Wenn über Swasiland berichtet wird, dann meistens über den König, den letzten verbliebenen absoluten Monarchen Afrikas. König Mswati III. heißt das Staatsoberhaupt, ist 42 Jahre alt und seit 24 Jahren König. Er ist einer der reichsten Männer in einem der ärmsten Länder des Südlichen Afrika.

Der Swasi-König ist noch ein echter Herrscher, kein Alibi-Dynast wie in Europa. Sein Wort ist Gesetz. Parteien sind verboten in Swasiland, auch Wahlen gibt es nicht, die Presse ist gleichgeschaltet, normalerweise dürfen von der Königsfamilie nicht einmal Bilder gemacht werden. So lässt es sich sorglos leben, zumal Mswati III. zwölf Frauen geehelicht hat, viele Millionen auf dem Konto und wenig Sorgen. Sollte man meinen.

Doch jetzt hatte er Pech, ausgerechnet als er auf Dienstreise in Taiwan weilte. In Taipeh ereilte ihn die Nachricht, dass seine Ehefrau Nummer zwölf, die hübsche 22-jährige Nothando Dube, genannt LaDube, in flagranti mit Justizminister Ndumiso Mamba ertappt worden sei. Nicht schön für den König, noch weniger schön, dass es sich bei Mamba um einen Jugendfreund handelt, der schon als Kind regelmäßig zu Gast bei Hofe war. Aus der Ferne wies der König seinen Armeechef an, den Missetäter nicht entkommen zu lassen und die Sache ansonsten diskret zu behandeln. So berichtete es jedenfalls die südafrikanische "City Press", die - sehr zum Ärger des Königs - ungewöhnlich gut über die Details der Liebelei informiert war.

Peinlicher Showdown im Hotelzimmer

Über Monate hatte sich LaDube offenbar immer dann zu ihrem Liebhaber geschlichen, wenn der König auswärts unterwegs war. Sie verließ den Lozitha-Palast, das Domizil der Königsmutter, wo die neuen Ehefrauen des Herrschers an das königliche Leben herangeführt werden, regelmäßig in Militäruniform. Keiner vermutete unter der Uniform eine Frau, und so schenkte ihr niemand Beachtung, wenn sie den Palast verließ. Ein Wagen brachte sie in ein rund zehn Kilometer entferntes Fünf-Sterne-Hotel, wo Mamba auf sie wartete.

Doch irgendwann, vermutlich im Hotel, das zudem dem König gehört, muss die Sache aufgeflogen sein. Seit einiger Zeit jedenfalls war auch der Geheimdienst dem Pärchen auf der Spur, am 27. Juli schlug er zu. Der unglückliche Minister hatte die Krawatte gerade abgelegt, als es an der Tür klopfte. Mamba versuchte in seiner Not noch, sich im Bettkasten zu verstecken, indem er ihn von unten her auftrennte und hineinschlüpfte. Vergebens, die Häscher hoben den Kasten an - und blickten einem derangierten Minister in Anzug und mit Manschettenknöpfen entgegen.

Mamba wurde ins Gefängnis geworfen und musste ein Rücktrittsgesuch unterschreiben, die Königin steht seither unter Hausarrest. Ein Rat aus der Königsfamilie wird nun Recht sprechen. Die vielversprechende Karriere für Mamba ist jedenfalls vorbei. Er war einer der engsten Vertrauten des Königs, sogar als künftiger Premierminister war er im Gespräch; stattdessen ist nun für ihn von Verbannung bis zum (theoretischen) Todesurteil alles möglich, für die treulose Königin reicht die Straf-Androhung von Arrest bis zur Verbannung.

Zum Ausgleich ein Rind

Der König hatte LaDube, wie auch die meisten seiner anderen Frauen, beim Reed-Dance kennengelernt, einem einwöchigen Tanz-Spektakel, das Tausende von jungen Swasi-Frauen jährlich Ende August zu Ehren des Königshauses aufführen. Dort hält der König regelmäßig Ausschau, und wenn die Frauen nicht so wollen, wie es ihm behagt, greift schon mal auch zu rabiateren Methoden. So wie bei der damals 18-jährigen Zena Mahlangu, die er 2002 kurzerhand in den Königspalast verschleppen ließ. Für "königliche Pflichten", wie es Zenas Mutter gegenüber formuliert wurde. Erst auf massiven internationalen Druck kam Zena wieder frei. Zum Ausgleich zahlte der König der Familie ein Rind.

Eine Kleinigkeit für Mswati III., dem Bescheidenheit fremd ist. Seinen 36. Geburtstag feierte er mit 10.000 Gästen, ein Jahr später ließ er zum Festtag acht Mercedes-Limousinen einfliegen, einen Maybach für rund 400.000 Euro besaß er bereits. Als die Presse begann, über den opulenten königlichen Fuhrpark zu berichten, verbot er Bilder seiner Autos. Der König hat zwar in London die Schule und eine Militärakademie besucht, bevor er 1986 inthronisiert wurde, viel hängengeblieben ist davon jedoch nicht. Immer wieder macht er Schlagzeilen mit schrulligen Aktionen und bizarren Vorschlägen. Mal mit der Idee, alle HIV-positiven Menschen sterilisieren und kennzeichnen zu lassen. Mal mit einer Gesetzesvorlage, die jegliche politische Betätigung mit Gefängnis bis zu 20 Jahren bestrafen sollte. Mal mit dem Rat an alle weiblichen Swasis, im Kampf gegen Aids doch bitte den Keuschheitsgürtel nicht zu vergessen.

Kein Wunder, dass LaDube nicht die erste aus Mswatis Harem ist, die versuchte, ihren Aktionsradius zu erweitern. Im Jahr 2004 flohen gleich zwei seiner Angetrauten ins Ausland, als Gerüchte über ihre außerehelichen Interessen aufkamen. Der erzürnte König ließ einen Suchtrupp aufstellen, um das untreue Duo einzufangen, angeblich, weil sie "sechs Monate ihren ehelichen Pflichten nicht nachgekommen" seien.

Weil das königliche Haus solche Schlagzeilen wenig schätzt, hat die gleichgeschaltete Presse bisher auch nicht über das Tête-à-tête von Königin LaDube und ihrem Liebhaber berichtet. Lediglich der Rücktritt des Ministers wurde vermeldet. Die Medien haben durchaus Grund zur Zurückhaltung. Schon drohte der Bruder des Königs, Prinz Mahlaba, allen Journalisten, "die weiter schlecht über unser Land schreiben, werden sterben".

Fotokopieren verboten!

Im Alarmzustand ist allerdings der Geheimdienst, seit LaDubes Doppelleben aufgeflogen ist. Zwei Wochen lang versuchten Mitarbeiter unauffällig, sämtliche Ausgaben von "City Press", die breit über die Affäre berichtete, aufzukaufen und so aus dem Verkehr zu ziehen. Ein Leser, der gerade dabei war, einen Bericht über den Trubel am Königshaus zu fotokopieren, wurde festgenommen.

Als der Präsident von seiner Auslandsreise zurückkehrte, ordnete er zudem eine Untersuchung an, wie die Details an die südafrikanische Presse gelangen konnten. Bisher, soweit bekannt, ohne Ergebnis.

Ein weiteres Problem hat er ebenfalls noch nicht gelöst. Jugendfreund und Jurist Mamba hat in den letzten Jahren zahlreiche Deals für die Königsfamilie abgewickelt. Offenbar nicht nur seriöse. "Er weiß zu viel", zitiert "City Press" einen Insider. "Wenn er mit den Geheimnissen des Königs ins Ausland verschwindet, hat Mswati ein größeres Problem". Nicht nur deshalb würde der König den Fall gerne schnell und geräuschlos aus der Welt schaffen.

Ende August erwartet er rund 20 Staats- und Regierungschefs zum Gipfeltreffen des Gemeinsamen Marktes für Ost- und Südafrika (Comesa). Mit einer schwelenden Affäre will er sich als Gastgeber nicht zusätzlich beschweren. Während des Gipfels findet dann auch wieder der traditionelle Reed-Dance statt.

Es wäre für den König immerhin die Gelegenheit, die treulose LaDube durch eine neue Dame zu ersetzen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde Swasiland als die "letzte Monarchie Afrikas" bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um die letzte absolute Monarchie Afrikas. Wir haben die Passage korrigiert und bitten um Entschuldigung.



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