Montenegro Milo Djukanovic gewinnt Präsidentschaftswahl

Die Opposition wirft ihm vor, Montenegro in eine Diktatur zu verwandeln - dennoch ist Milo Djukanovic mit deutlicher Mehrheit zum Präsidenten gewählt worden. Er ist seit einem Vierteljahrhundert der einflussreichste Politiker im Land.

Milo Djukanovic (Archiv)
REUTERS

Milo Djukanovic (Archiv)


Milo Djukanovic hat die Präsidentenwahl im kleinen Adriastaat Montenegro gewonnen. Im ersten Wahlgang kam er nach Hochrechnungen auf 53 Prozent der Stimmen - und damit deutlich auf die erforderliche absolute Mehrheit, wie die Wahlforschungsgruppe Cemi in der Hauptstadt Podgorica mitteilte.

Bei der zersplitterten Opposition, die mit sechs Kandidaten angetreten war, erreichte Mladen Bojanic mit 34 Prozent den zweiten Platz. Drei Oppositionsvertreter erhielten nicht einmal ein Prozent der Stimmen.

Djukanovic ist seit etwa einem Vierteljahrhundert der einflussreichste Politiker der kleinen Balkanrepublik, die früher zu Jugoslawien gehörte. Sechs Mal übte er in der Zeit das Amt des Regierungschefs aus, zwischen 1998 und 2002 war er schon einmal Präsident. Im Oktober 2016 trat er zurück, den aktuellen Wahlkampf nutzte der 56-Jährige für ein Comeback. Er ließ sich als "Anführer, Staatsmann und Präsident aller Bürger" feiern.

Opposition wirft Nähe zur Mafia vor

Die Opposition wirft Djukanovic seit langem vor, Montenegro wie seinen Familienbesitz zu führen. Er herrsche autoritär und habe sein Millionenvermögen auf zweifelhafte Weise mit seiner Nähe zur Mafia aufgebaut, lauten die Vorwürfe.

Sein stärkster Konkurrent Bojanic sagte am Sonntag bei der Stimmabgabe, Djukanovic wolle Montenegro in eine "Diktatur" verwandeln. Der "Herrschaft eines Autokraten" müsse ein Ende bereitet werden.

Mladen Bojanic
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Mladen Bojanic

In dem 620.000-Einwohner-Staat kommt es immer wieder zu Morden auf offener Straße und Autobombenanschlägen, die der organisierten Kriminalität zugeschrieben werden. Djukanovic weist jegliche Verbindung zum organisierten Verbrechen von sich. Im Wahlkampf versprach er, alles tun zu wollen, damit die Polizei die Bürger schützen könne.

Djukanovic wichtigster Ansprechpartner für den Westen

Djukanovic steht für einen klar pro-westlichen Kurs und eine weitere Anbindung seines Landes an die EU. Dies sei wichtig, damit Montenegro "auf dem Pfad der Entwicklung bleibe", sagte er im Wahlkampf. Der Opposition warf er vor, Montenegro in eine "russische Provinz" verwandeln zu wollen.

Für die USA und die EU bleibt Djukanovic trotz aller Kritik der wichtigste Ansprechpartner. Er stehe für die Westbindung seines Landes, wird diese Unterstützung begründet. Djukanovic hatte Montenegro im letzten Jahr trotz erbitterten Widerstandes des einstigen Verbündeten Russland in die Nato geführt. Brüssel hat einen EU-Beitritt für 2025 in Aussicht gestellt.

In der Vergangenheit hatte Djukanovic mit seinen Sozialisten bei Kommunalwahlen wichtige Städte im Land verloren. Im nächsten Monat stehen die Gemeindewahlen in der Hauptstadt Podgorica an, wo sich die Opposition bessere Chancen ausrechnet. Auch in seiner eigenen Partei ist der bisher starke Mann inzwischen nicht mehr unumstritten. Die meisten Kommentatoren des Landes waren sich einig, dass er versuchen werde, mit dem Präsidentenamt einen weiteren drohenden Machtverfall zu stoppen.

kry/dpa/AFP



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