Rom - Er möchte für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren, aber aus Angst vor einer Niederlage traut er sich nicht. Entsprechend betreibt Mario Monti - vor gut einem Jahr gestartet als Hoffnungsträger, als großer Reformer, gegen Italiens Schuldenkrise - eine Art Wahlkampf über Bande. So schließt er eine Kandidatur für die Wahlen im Februar aus - veröffentlicht aber gleichzeitig im Internet eine Strategie, um Europas drittgrößte Wirtschaft aus der Krise zu führen.
Titel des 25-seitigen Masterplans: "Italien verändern, Europa reformieren". Am Freitag ist Monti zurückgetreten und seitdem nur noch geschäftsführend im Amt, am Sonntagabend veröffentlichte er sein Wirtschaftsmanifest. Dessen Kernpunkte:
Mit seinen Vorschlägen knüpft Monti an seine bisherige Politik an. Ab 2015 soll die Verschuldung durch seine Strukturreformen um jährlich fünf Prozent gesenkt werden, verspricht Monti. Ziel sei es, den Schuldenstand von derzeit rund 126 auf 60 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken.
Fans im Vatikan, schwindender Rückhalt im Volk
Dass Monti die Reformen selbst durchführt, gilt derzeit als unrealistisch. In der Bevölkerung hatte der Politiker durch seine Spar- und Reformpolitik zuletzt immer mehr Sympathien verloren. In Umfragen liegt die sozialdemokratisch orientierte Demokratische Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani weit in Führung. Parlamentarier, die den parteilosen Monti unterstützen, sind inzwischen abgeschlagen.
Dennoch könnte Montis Wirtschaftsprogramm die Agenda der nächsten Regierung prägen. Denn der Ökonomieprofessor gilt als scharfsinniger Analytiker, viele Fachleute goutieren seine Vorschläge - sie könnten in die Agenda der nächsten Regierungskoalition mit einfließen. In einem offenen Brief an die Bevölkerung offerierte Monti allen reformwilligen Parteien "meine Unterstützung und, falls gewünscht, meinen Rat".
Nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA wurde Montis Agenda von einigen Parteien am Montag enthusiastisch diskutiert. Befürworter sind demnach Zentrumsparteien wie die Union der Christdemokraten um Pier Ferdinando Casini oder die Italia Futura um Ferrari-Chef Luca di Montezemolo.
Die Kirche stärkt Monti ebenfalls den Rücken. Kardinal Angelo Bagnasco, der Chef der Bischofskonferenz, nannte Montis Vorschläge "innovativ". Auch der Vatikan unterstützt nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters den Reformkurs des 69-Jährigen. Der Rückhalt der Kirche wird im katholisch geprägten Italien für die politische Karriere als äußerst wichtig erachtet.
ssu
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