Horrende Schulden: Monti präsentiert Masterplan gegen Italiens Krise

Er ziert sich vor dem Wahlkampf, dennoch hat Mario Monti einen ziemlich detaillierten Plan für sein Land. In einem 25-seitigen Papier präsentiert der Reformer seine Strategie gegen Italiens Schuldenkrise - und erhält dafür die Unterstützung des Vatikans.

Geschäftsführender Regierungschef Monti: Wahlkampf mit Wirtschaftsmanifest Zur Großansicht
REUTERS

Geschäftsführender Regierungschef Monti: Wahlkampf mit Wirtschaftsmanifest

Rom - Er möchte für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren, aber aus Angst vor einer Niederlage traut er sich nicht. Entsprechend betreibt Mario Monti - vor gut einem Jahr gestartet als Hoffnungsträger, als großer Reformer, gegen Italiens Schuldenkrise - eine Art Wahlkampf über Bande. So schließt er eine Kandidatur für die Wahlen im Februar aus - veröffentlicht aber gleichzeitig im Internet eine Strategie, um Europas drittgrößte Wirtschaft aus der Krise zu führen.

Titel des 25-seitigen Masterplans: "Italien verändern, Europa reformieren". Am Freitag ist Monti zurückgetreten und seitdem nur noch geschäftsführend im Amt, am Sonntagabend veröffentlichte er sein Wirtschaftsmanifest. Dessen Kernpunkte:

  • mehr ausländische Investoren ins Land holen;
  • mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung;
  • bessere Vermarktung von Italiens Kulturschätzen;
  • konsequenter Kampf gegen Korruption und Steuervermeidung;
  • Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit;
  • eine effizientere, schlankere Verwaltung.

Mit seinen Vorschlägen knüpft Monti an seine bisherige Politik an. Ab 2015 soll die Verschuldung durch seine Strukturreformen um jährlich fünf Prozent gesenkt werden, verspricht Monti. Ziel sei es, den Schuldenstand von derzeit rund 126 auf 60 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken.

Fans im Vatikan, schwindender Rückhalt im Volk

Dass Monti die Reformen selbst durchführt, gilt derzeit als unrealistisch. In der Bevölkerung hatte der Politiker durch seine Spar- und Reformpolitik zuletzt immer mehr Sympathien verloren. In Umfragen liegt die sozialdemokratisch orientierte Demokratische Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani weit in Führung. Parlamentarier, die den parteilosen Monti unterstützen, sind inzwischen abgeschlagen.

Dennoch könnte Montis Wirtschaftsprogramm die Agenda der nächsten Regierung prägen. Denn der Ökonomieprofessor gilt als scharfsinniger Analytiker, viele Fachleute goutieren seine Vorschläge - sie könnten in die Agenda der nächsten Regierungskoalition mit einfließen. In einem offenen Brief an die Bevölkerung offerierte Monti allen reformwilligen Parteien "meine Unterstützung und, falls gewünscht, meinen Rat".

Nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA wurde Montis Agenda von einigen Parteien am Montag enthusiastisch diskutiert. Befürworter sind demnach Zentrumsparteien wie die Union der Christdemokraten um Pier Ferdinando Casini oder die Italia Futura um Ferrari-Chef Luca di Montezemolo.

Die Kirche stärkt Monti ebenfalls den Rücken. Kardinal Angelo Bagnasco, der Chef der Bischofskonferenz, nannte Montis Vorschläge "innovativ". Auch der Vatikan unterstützt nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters den Reformkurs des 69-Jährigen. Der Rückhalt der Kirche wird im katholisch geprägten Italien für die politische Karriere als äußerst wichtig erachtet.

ssu

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insgesamt 56 Beiträge
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1. in der tat: als deutscher Unternehmer hoffe ich auf Reformen
hobbysechs00 24.12.2012
Die Vergangenheit war von der bürokratischen Mafia geprägt. so holte sich ein wichtiger Beamter der Baubehörde einfach meine edelste Araber stute aus dem stall und als ich nach einem Jahr die Papiere nicht herausgeben wollte, wurden meine Baugenehmigungen gesperrt. das Gericht war sowieso von der Mafia beherrscht.solche Zustände sind für europa nicht mehr tragbar.
2. und erhält dafür die Unterstützung des Vatikans.
haltetdendieb 24.12.2012
Dann kann ja nichts mehr schief gehen. Berlusconi bekommt diese Unterstützung wohl nicht, nehme ich mal so an. Trotzdem ist der Drops noch nicht gelutscht. Der Masterplan ist ja frappierend: mehr ausländische Investoren; Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit; eine effizientere, schlankere Verwaltung. Das ist das Ei des Kolumbus!
3. eine effizientere, schlankere Verwaltung
vielfeindvielehr 24.12.2012
Der ist gut. Ob Schlank, keine Ahnung, "worldwide" aber auf jeden Fall aktiv, aber effizient ist das "administrative Outsourcing" schon, von der Ent- bis zur Besorgung, alles inklusive. Lasst mal Silvio weitermachen, bei der Globalisierung findet er mit Sicherhei, was schreibe ich, ganz sicher auch Zustimmung in D. Bonna Notte !
4. Italia
Izmi 24.12.2012
Zitat von sysopREUTERSEr ziert sich vor dem Wahlkampf, dennoch hat Mario Monti einen ziemlich detallierten Plan für sein Land. In einem 25-seitigen Papier präsentiert der Reformer seine Strategie gegen Italiens Schuldenkrise - und erhält dafür die Unterstützung des Vatikans. http://www.spiegel.de/politik/ausland/monti-praesentiert-masterplan-fuer-italiens-rettung-a-874616.html
Letztlich drückt sich Monti um das Kernproblem: das Absenken der Verschuldung. Wenn ihm dazu nur eine Einladung an ausländische Produzenten und Touristen einfällt, so wird das nicht reichen. Denn das Eine gelingt nur mit Steuervergünstigungen und niedrigeren Löhnen, das Andere, indem man den Urlaub in Italien billiger macht. Lippenbekenntnisse wie die Bekämpfung der Steuerhinterziehung und die bessere Ausbildung der Jugend, sprich Kampf gegen Mafia und Bonzen und Geld in die Hand nehmen für bessere Schulen und Unis sind leicht abgegeben, bleiben erfahrungsgemäß aber zuerst auf der Strecke. Solange Montis Vorschläge im Vagen verhaftet bleiben, muss man sie nicht ernst nehmen. Fröhliche Weihnachten!
5. Die Wahlen werden
guenter47 24.12.2012
weder in Italien noch in Deutschland oder sonstwo entscheidend sein. Alle wirklich wichtigen Entscheidungen fallen in den Vorstands-Etagen der großen Konzerne und den zentralen Instanzen der Mafia. Wahlen sind nach wie vor im Wesentlichen Klamauk für's Volk.
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