Mord an Christen: Täter sollen Geständnis abgelegt haben

Die mutmaßlichen Mörder der drei Christen in dem türkischen Buchverlag sollen geständig sein. Sie hätten religiös-nationalistische Motive genannt.

Istanbul - Die Zeitung "Milliyet" zitierte einen mutmaßlichen Täter mit der Aussage: "Wir haben es fürs Vaterland getan." Die Vier noch am Tatort im osttürkischen Malatya festgenommene jungen Männer im Alter von 19 und 20 Jahren hätten angegeben, aus religiös-nationalistischen Motiven gehandelt zu haben, berichtete der Fernsehsender CNN-Türk.

Unter den Opfern war auch der Deutsche Tilman G., der seit einigen Jahren in Malatya lebte. Dem Bibelverlag "Zirve" in Malatya war vorgeworfen worden, in der Stadt christliche Missionsarbeit zu betreiben. Dies ist in der Türkei nicht verboten. Islamisten und Nationalisten betrachten die Missionarstätigkeit aber als Angriff auf die nationale Einheit der zu 99 Prozent muslimischen Türkei.

Mehrere Zeitungen berichteten, die Verdächtigen hätten vor dem Angriff den Verlagssitz in einem Geschäftsgebäude in Malatya ausspioniert. Außerdem sollen sie sich ein Auto gemietet haben, das als Fluchtwagen gedacht war. Bei den Verdächtigen war ein Brief gefunden worden, in dem sich die Gruppe als "fünf Brüder" bezeichnete, die "in den Tod gehen". Es werde noch untersucht, ob hinter der Gruppe der mutmaßlichen Täter noch Anstifter gestanden hätten, sagte der türkische Außenminister Abdullah Gül.

Die Morde schockierten die türkische Öffentlichkeit. "Der Alptraum geht weiter", titelte eine Zeitung in Anspielung auf die Ermordung des katholischen Priesters Andrea Santoro im vergangenen Jahr und den Mord an dem armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink im Januar.

Im Stadtzentrum von Istanbul versammelten sich gestern Abend rund 100 Demonstranten, um gegen die Morde von Malatya zu protestieren und sich mit den Opfern zu solidarisieren. "Wir sind alle Christen", stand auf einem Transparent. Nach dem Mord an Dink waren mehrere zehntausend Menschen unter dem Motto "Wir sind alle Armenier" auf die Straße gegangen.

als/AFP

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