Mord an Hamas-Führer Dubais Polizeichef fordert Haftbefehl gegen Netanjahu

Die Vereinigten Arabischen Emirate machen Israels Geheimdienst Mossad für den Mord an einem Hamas-Führer verantwortlich. Jetzt hat der Polizeichef des Emirats Haftbefehle gefordert - gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu und Mossad-Chef Meir Dagan.

Dubais Polizeichef Dhahi Chalfan am 15. Februar: Israelis gezielt kontrollieren
REUTERS

Dubais Polizeichef Dhahi Chalfan am 15. Februar: Israelis gezielt kontrollieren


Dubai - In der Affäre um die Ermordung eines Hamas-Kommandeurs in Dubai fordert der Polizeichef des Emirats Haftbefehle gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Mossad-Chef Meir Dagan. Er werde die Staatsanwaltschaft um deren Erlass bitten, sagte Dhahi Chalfan Tamim am Dienstag dem Fernsehsender al-Dschasira. Näher äußerte er sich nicht dazu.

Der Polizeichef hatte zuvor erklärt, er sei sich "nahezu sicher", dass israelische Agenten an der Ermordung von Mahmud al-Mabhuh im Januar beteiligt gewesen seien. Der Hamas-Kommandeur soll mit einem Kissen in seinem Hotelzimmer erstickt worden seien.

Künftig wird auch die Einreise nach Dubai für israelische Staatsbürger erschwert - damit sollen wohl auch weitere Aktionen mutmaßlicher Agenten verhindert werden. Die Sicherheitskräfte würden israelische Staatsbürger künftig eingehend kontrollieren, sagte der Polizeichef. "Wir werden unsere Angestellten schulen, israelische Namen, Akzente und Gesichtszüge zu identifizieren", sagte er laut "Washington Post". Bislang habe man Israelis an Akzenten erkannt, aber "wenn sie europäische Pässe verwendeten, um hier einzureisen, haben wir das akzeptiert und sie als Europäer behandelt".

Von nun an würde man bei Israelis mit doppelter Staatsbürgerschaft sehr vorsichtig vorgehen, bekräftigte Chalfan laut "Gulf News". "Israel darf keine Morde in unserem Land verüben." Konflikte von Israel mit anderen Staaten dürften nicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgetragen werden.

Die Polizei in Dubai fahndet insgesamt nach 27 Verdächtigen. Die bislang identifizierten Attentäter hatten neben britischen und irischen auch gefälschte Pässe aus Frankreich und Deutschland benutzt. Die Affäre belastet aus diesem Grund auch das Verhältnis zwischen Israel und der Europäischen Union.

otr/Reuters



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