Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Mord an Hamas-Funktionär: Mutmaßliche Täter fälschten britische Pässe

Die mutmaßlichen Mörder eines Hamas-Führers haben für die Tat anscheinend die Identitäten britischer Staatsbürger gestohlen - mit unangenehmen Folgen für die wirklichen Passinhaber. Das Vorgehen deutet auf eine Beteiligung des israelischen Geheimdienstes Mossad hin.

Fahndungsfotos der Polizei in Dubai: Suche nach Verdächtigen im Mordfall Mabhuh Zur Großansicht
DPA/ Dubai Police

Fahndungsfotos der Polizei in Dubai: Suche nach Verdächtigen im Mordfall Mabhuh

Hamburg - Die Ermordung des Hamas-Anführers Mahmud al-Mabhuh am 20. Januar in Dubai gibt den dortigen Behörden immer neue Rätsel auf. Mehrere mutmaßlich in den Mord verwickelte Verdächtige besaßen nach am Dienstag vorliegenden Informationen aus Irland, Großbritannien und Israel gefälschte ausländische Pässe - zum Teil mit gestohlenen Identitäten.

Übereinstimmenden englischen Medienberichten zufolge untersuchen britische Behörden, wie sechs britischen Staatsangehörigen offenbar die Identitäten gestohlen wurden - möglicherweise von Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad, um ihre Spuren im Mordfall Mabhuh zu verwischen.

"Wir wissen, dass die Inhaber von sechs britischen Pässen in diesem Fall genannt wurden. Wir glauben, dass diese Pässe falsch sind und haben unsere eigenen Ermittlungen aufgenommen", sagte ein Sprecher des britischen Außenministeriums in London. "Wir haben die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate darüber informiert, dass dies der Falls ist, und arbeiten in dieser Angelegenheit weiter eng mit ihnen zusammen."

Echte Namen, falsche Fotos

Laut der Londoner "Times" bestätigte das britische Außenministerium darüber hinaus, dass die Identitäten in den britischen Pässen, die von sechs der elf Verdächtigen benutzt wurden, von "echten" Passinhabern stammen. Demnach wird überprüft, ob die Angaben in den Pässen von Mitarbeitern der Einreisebehörde kopiert worden sein könnten. Während die Namen, Passnummern und Geburtsdaten in den gefälschten Dokumenten den Originalen entsprechen, sollen sich Fotos und Unterschriften unterscheiden.

Am Montag hatte die Polizei in Dubai mitgeteilt, dass wegen des Mordes nach elf Verdächtigen mit europäischen Pässen gefahndet werde - die Namen der Verdächtigen wurden veröffentlicht. Gesucht würden zehn Männer und eine Frau.

Für die Betroffenen bedeutet dies unangenehme Folgen: Sie stehen in der Öffentlichkeit als Verdächtige in einem Mordfall da.

Fotostrecke

12  Bilder
Mord an Hamas-Führer Mabhuh: Tod in Dubai

Die gefälschten britischen Pässe enthielten unter anderem die persönlichen Daten von vier Israelis, wie das zweite Programm des israelischen Fernsehens am Dienstag berichtete. Allerdings waren die Fotos ausgetauscht worden. "Das ist mein Pass, aber ich habe Israel nicht verlassen", sagte der Israeli Paul Keeley, der auch die britische Staatsangehörigkeit besitzt.

Der Israeli Stephen Hodes teilte ebenfalls mit, seine Identität sei "gestohlen" worden. Der Privatsender 10 berichtete, neben den sechs Israelis mit doppelter britischer Staatsbürgerschaft sei auch ein gesuchter Deutscher ein Israeli mit doppelter Staatsangehörigkeit. Israelische Medien gehen inzwischen davon aus, dass der israelische Geheimdienst Mossad hinter der Tat steckt.

"Ich habe meinen Pass - und er hat keine Dubai-Stempel"

Ein weiterer britischer Passinhaber, dessen Name im Zusammenhang mit dem Fall in Dubai genannt wurde, zeigte sich erstaunt darüber, seinen Namen in israelischen Zeitungen und TV-Nachrichten zu finden - als gesuchter Verdächtiger. "Ich bin verärgert und erschrocken. Ich habe meinen Pass - und er hat keine Dubai-Stempel, weil ich nie in Dubai war", sagte Adam Mildiner, ein britischer Jude, der vor neun Jahren nach Israel auswanderte, der "Times".

Drei der Gesuchten hätten falsche irische Ausweise gehabt, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Dublin. Ein Abgleich mit der Datenbank des Amtes habe ergeben, dass es weder die Namen noch die Nummern der Pässe gebe, wie sie in arabischen Medien wiedergegeben worden seien. Sie seien also - im Gegensatz zu den britischen Papieren - komplett gefälscht worden.

Frankreich und Deutschland teilten der "Times" zufolge mit, sie könnten die Identitäten der genannten Passinhaber nicht identifizieren. "Wir überprüfen das noch", sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums. "Aber es wäre keine Überraschung, wenn die Identitäten sich als falsch herausstellen würden."

Auffällige Ähnlichkeit mit früheren Geheimdienstoperationen

Ein früherer Mossad-Agent berichtete der "Times", dass der Dubai-Mord eine auffällige Ähnlichkeit mit früheren Geheimdienstoperationen aufweise. Israelische Geheimdienstkommandos haben in der Vergangenheit wiederholt mit gefälschten ausländischen Pässen im Ausland operiert. 1997 versuchten Geheimdienst-Agenten den Exil-Chef der Hamas, Chaled Meschaal, in Jordanien umzubringen. Dabei bedienten sie sich kanadischer Pässe. 2005 entschuldigte sich die israelische Regierung bei Neuseeland, nachdem dort zwei Mossad-Agenten zu sechs Monaten Haft verurteilt worden waren, die sich illegal neuseeländische Pässe zu verschaffen versucht hatten.

Mabhuh wurde nach Behördenangaben aus Dubai am 20. Januar bei einem Anschlag in dem Hotel Bustan Rotana umgebracht. Nach Angaben seines Bruders wurde der 50-Jährige mit starken Stromstößen gequält und erwürgt. Mabhuh wird von Israel für die Entführung zweier israelischer Soldaten zu Beginn des ersten Palästinenseraufstandes Intifada (1987-1993) verantwortlich gemacht. Die Soldaten wurden ermordet.

wit/AFP/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Auch ein deutscher Pass
pendare_nik, 17.02.2010
Auch ein deutscher Pass ist fuer das Mordkommando gefälscht worden, auf den Namen Michael Bodenheimer. "German officials said the passport number was either incomplete or wrong" http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/8518481.stm
2. Ich weiss nicht...
Arne11 17.02.2010
Zitat von sysopDie mutmaßlichen Mörder eines Hamas-Führers haben für die Tat in Dubai anscheinend die Identitäten britischer Staatsbürger gestohlen - mit unangenehmen Folgen für die wirklichen Passinhaber. Das Vorgehen deutet auf eine Beteiligung des israelischen Geheimdienstes Mossad hin. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,678349,00.html
Israel kuemmert sich wahrscheinlich gerade mehr um die Atombombe im Iran. Es werden jaehrlich um die 700 Palaestinenser wegen 'Kollaboration mit Israel' getoetet & eine ganze Reihe darunter sind Auseinandersetzungen um Kontrolle ueber Drogenhandel & interne Machtkaempfe. Solche Auseinandersetzungen werden standardmaessig Israel in die Schuhe geschoben. Wobei es mir nicht leid tut wenn sich Hamas Funktionaere gegenseitig umbringen. Mir tun nur die Palaestinenser leid die einfach was positives ueber Israel gesagt haben oder gar wie die Fatah Israel anerkennen wollten - & als Kollaborateure hingerichtet wurden.
3. Warum haben sie nicht gleich ihre vollen Adressen hinterlassen...
JDR 17.02.2010
Zitat von sysopDie mutmaßlichen Mörder eines Hamas-Führers haben für die Tat in Dubai anscheinend die Identitäten britischer Staatsbürger gestohlen - mit unangenehmen Folgen für die wirklichen Passinhaber. Das Vorgehen deutet auf eine Beteiligung des israelischen Geheimdienstes Mossad hin. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,678349,00.html
Um G*ttes Willen. Warum sollten denn bitte israelische Geheimdienste ausländische Pässe schlecht fälschen, um anschließend reale israelische Identitäten zu verwenden? Da wäre es ja plausibler, wenn es die Briten selbst gewesen wären. Übrigens wird gerade ein britischer Journalist in Gazah aus "Sicherheitsgründen" festgehalten. Dort lagert auch das ursprüngliche Interview mit dem Mordopfer, in welchem dessen Identität nicht ausreichend verborgen worden war. Er selbst war "sehr erregt" darüber. Eine Beteiligung des MI6 soll damit aber keineswegs unterstellt werden. Es ist nur ein Hinweis wie nachlässig Journalisten diesen Fall bisher reporten. Auch wenn das Ziel legitim und die Operation professionell war. Die angebliche Ähnlichkeit mit früheren "Mossad"-Operationen ist nur oberflächlich. Fast alle wurden im dauerhaften Lebensbereich der Ziele durchgeführt. Mabhuh selbst wäre in Damaskus wesentlich leichter zu neutralisieren gewesen. Melman, der mit am lautesten verkündet, dass alles auf den Mossad hindeute, hat in früheren Berichten selbst gerne betont, dass die spotter oft monatelang ihr Ziel beobachten, um jede seiner Bewegungen zu kennen. Die Menschen, welche in Dubai tätig wurden befanden sich insgesamt 19 Stunden im Land. Wer nach "cattle prod" "arab prince" und "united arab emirates" googelt findet übrigens keine Hinweise auf "typische" Mossad Taktiken. Die story hat sich in den Medienberichten immer wieder geändert und egal wie sie gerade aussah, immer war es ein Hinweis auf "den Mossad". Diese Jungs sind gut. Sehr gut sogar. Aber ein Mann wie Mabhuh hatte viele instabile Beziehungen. Das brachte sein Lebensstil mit sich. Der Staat Israel hätte den "hit" durchführen können. Viele andere hätten es auch wollen können. Sein Tod war eine gute Nachricht. Mehr nicht.
4. Gesetzesbrecher
Transmitter, 17.02.2010
Zitat von sysopDie mutmaßlichen Mörder eines Hamas-Führers haben für die Tat in Dubai anscheinend die Identitäten britischer Staatsbürger gestohlen - mit unangenehmen Folgen für die wirklichen Passinhaber. Das Vorgehen deutet auf eine Beteiligung des israelischen Geheimdienstes Mossad hin. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,678349,00.html
Wirklich? Die haben britische Pässe gefälscht? Aber das ist doch verboten. Na, wenn sie die kriegen, diese Mossad-Agenten, kommen die sicher ins Gefängnis.
5. Saubere Arbeit
Joerg grimm 17.02.2010
Der einzige Geheimdienst der noch echte Qualitaetsarbeit abliefert ist wohl der Mossad.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Nahost-Konflikt
Die Gebiete
Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
Geschichte

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: