Chapel Hill FBI untersucht Ermordung der muslimischen Studenten

Tausende Menschen sind in der Stadt Chapel Hill zur Beisetzung der drei ermordeten muslimischen Studenten zusammengekommen. US-Präsident Obama versprach eine Untersuchung des Falls: Das FBI habe die Ermittlungen übernommen.

Beisetzung der Studenten in Raleigh im Bundesstaat North Carolina: FBI prüft den Fall
AFP

Beisetzung der Studenten in Raleigh im Bundesstaat North Carolina: FBI prüft den Fall


Raleigh - Die US-Bundespolizei FBI hat die Ermittlungen im Fall der drei ermordeten muslimischen Studenten aufgenommen. Die Behörde prüfe, ob es sich um ein Hass-Verbrechen handele, teilte US-Präsident Barack Obama in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zu dem Fall mit.

Den Angehörigen der Opfer drückte er sein Mitgefühl aus. Niemand dürfe in den USA wegen seines Glaubens verfolgt werden, sagte er. Den Tod der drei jungen Muslime bezeichnete Obama als "brutale und abscheuliche Morde". In den USA sollten Menschen "wegen dem, was sie sind, wie sie aussehen oder wie sie beten" niemals zur Zielscheibe werden.

Die Studenten wurden am Freitag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Zur Beerdigung von Deah Shaddy Barakat, seiner Ehefrau Yusor Mohammad Abu-Salha sowie deren Schwester Razan versammelten sich mehr als 5000 Menschen in Raleigh im Bundesstaat North Carolina. Unter Muslimen wurde Kritik an der zurückhaltenden Berichterstattung der Medien über das womöglich rassistisch motivierte Verbrechen laut.

Der 23-jährige Student und die beiden 21 und 19 Jahre alten Frauen waren am Dienstag von einem 46-jährigen Nachbarn in der Universitätsstadt Chapel Hill erschossen worden. Der Schütze stellte sich anschließend der Polizei, die zunächst von einem Streit um Parkplätze zwischen den Nachbarn sprach. Auf seiner Facebook-Seite bezeichnete er sich aber als überzeugter Atheist und äußerte scharfe Kritik an Religionen im Allgemeinen, wobei er neben dem Mormonentum und dem Christentum auch den Islam angriff.

Streit über Motiv

Über das Motiv des Täters wird gestritten. "Wir sind uns eindeutig sicher, dass unsere Töchter wegen ihrer Religion angegriffen wurden", sagte der Vater der beiden ermordeten Frauen, Mohammad Abu-Salha, inmitten weinender Angehöriger bei den Vorbereitungen der Beisetzung. "Dies war kein Parkplatzstreit - diese Kinder wurden mit Schüssen in den Hinterkopf hingerichtet." Bei der Tat handele es sich offenkundig um ein "Hass-Verbrechen" und er werde nicht einfach stillhalten, sagte der Vater.

Seinen Angaben zufolge hatte der Schütze seine Tochter Yusor früher schon bedrängt. Demnach war er mit einer Pistole am Gürtel vor ihrer Tür erschienen, um sich wegen des Parkplatzes zu beschweren. Die Polizei schloss kein Motiv aus, ging aber zunächst von einem Nachbarschaftsstreit aus. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem "isolierten Fall" ohne weiterreichende Bedeutung.

Der Generalsekretär der internationalen Union der islamischen Gelehrten in Katar, Ali al-Karadaghi, kritisierte das Schweigen der "internationalen Medien" angesichts dieses "Terrorangriffs". "Werden sich die Staatsführer der ganzen Welt im Gedenken versammeln?", schrieb er auf Twitter in Anspielung auf die riesige Trauerfeier für die Opfer der islamistischen Anschläge von Paris im Januar.

Auch Ibrahim Negm, der Assistent von Ägyptens Großmufti, sprach von einem "Terrorangriff", der "das hässliche Gesicht der Islamophobie" enthülle. Im Internet wurde kritisiert, dass die US-Medien erst spät über ein mögliches rassistisches Motiv berichtet hätten, während bei Angriffen von Muslimen schnell über islamistische Motive spekuliert werde. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte bei einem Besuch in Mexiko, dass weder US-Präsident Barack Obama noch andere Politiker sich bisher zu den Morden geäußert hätten.

loe/AFP/Reuters



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