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Morddrohungen von Islamisten: Satire-Zeitung darf nicht mehr online gehen

Die Journalisten der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" wollen sich nicht einschüchtern lassen - trotz des Anschlags auf ihre Redaktionsräume. Doch der Betreiber der Website des Blatts knickt ein: Wegen Morddrohungen mutmaßlicher Islamisten bleibt die Seite vorerst offline.

Massiv beschädigt: Die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" Zur Großansicht
AFP

Massiv beschädigt: Die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo"

Paris - Leser der linksliberalen französischen Zeitung "Liberation" hielten an diesem Donnerstag eine ungewohnte Beilage in ihren Händen: vier Seiten von "Charlie Hebdo", der Satire-Zeitung, auf deren Redaktionsräume am Mittwoch ein Anschlag verübt worden war.

Man habe gedacht, dass es "mehr Respekt für unsere satirische Arbeit" geben würde, schreibt Stéphane Charbonnier, Chef von "Charlie Hebdo" in der Beilage.

Die Redaktionsräume der Zeitschrift waren bei dem Anschlag schwer beschädigt worden. Das Blatt hatte an dem Tag eine Sonderausgabe veröffentlicht, die sich mit dem Wahlsieg der Islamisten in Tunesien beschäftigte. Ihr Blatt hatten die Macher dafür in "Scharia Hebdo" umbenannt und den Propheten Mohammed symbolisch zu ihrem Chefredakteur ernannt. "Hundert Peitschenhiebe, wenn Sie sich nicht totlachen", war in einer Sprechblase auf dem Cover zu lesen, daneben eine Mohammed-Karikatur.

Die Satiriker machen also weiter, vorerst sind sie in der Redaktion von "Liberation" untergekommen, um ihre Arbeit fortzusetzen. Anders sieht es dagegen beim Betreiber der Internetseite der Satire-Zeitung aus. Der belgische Betreiber Host Bluevision wolle die Website wegen anhaltender Drohungen nicht mehr online stellen, sagte "Charlie Hebdo"-Redakteurin Valerie Manteau.

Auf der gehackten Website stand: "Kein Gott außer Allah"

Im sozialen Netzwerk Facebook hatten Tausende wütend auf die Ausgabe vom Mittwoch reagiert. Die Zeitung habe große Aufmerksamkeit erzielt, müsse aber auch mit Konsequenzen rechnen, schrieb einer. Dem belgischen Betreiber zufolge gab es auch Todesdrohungen.

Die satirische Zeitung will aber auch schon wieder bald online zu lesen sein. Entweder werde die Polizei den belgischen Betreiber beruhigen, so dass die Seite künftig wieder im Internet erreichbar sei, oder man werde sich einen anderen Betreiber suchen, sagte Redakteurin Manteau laut einem Bericht der französischen Zeitung "Le Figaro".

Derzeit ist noch unklar, wer am Mittwoch den Brandsatz - vermutlich ein Molotowcocktail - in das Gebäude der "Charlie Hebdo"-Redaktion schleuderte. Kurz nach dem Anschlag wurde auch die Internetseite gehackt, stundenlang waren auf der Seite die Worte "Kein Gott außer Allah" zu lesen.

Bereits 2006 hatte "Charlie Hebdo" mit der Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark für Aufregung gesorgt.

hen/Reuters/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 165 Beiträge
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1. Eine..
mm01 03.11.2011
Zitat von sysopDie Journalisten der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" wollen sich nicht einschüchtern lassen - trotz des Anschlags auf ihre Redaktionsräume. Doch der Betreiber der Website des Blatts knickt ein: Wegen Morddrohungen mutmaßlicher Islamisten bleibt die Seite vorerst offline. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795751,00.html
Schande für Europa und ein Beleg dafür, dass die Islamisierung mit Gewalt fortschreitet. Nur unsere Politiker und die pc-Presse scheinen dies noch nicht erkannt zu haben bzw. verschließen bewusst die Augen....
2. Aufklärung tut Not
unente, 03.11.2011
Man könnte ja endlich mal anfangen zu argumentieren, warum ein Moslem über solche Zeichnungen eigentlich gar nicht erzürnt sein dürfte - und wenn er es ist, dann ist er ein Gotteslästerer. Nach ihrem Glauben und seiner Lehre darf sich ein Moslem kein Bild des "Schöpfers", noch des "Propheten Mohammed" machen. Wenn man sich aber über Zeichnungen aufregt, weil die angeblich einen der beiden darstellen, dann hat man sich ja schon ein Bild gemacht, dann behauptet man genau zu wissen, wen das Bild darstellt. Im Prinzip hat man sich bei Aufstellung des Bilderverbotes doch ausreichend gegen Beleidigungen der höchsten Religionsvertreter geschützt - nur die blind-fanatischen Anhänger kapieren das mal wieder nicht und begehen dabei selbst Blasphemie. Vielleicht sollte man es ihnen einfach mal erklären. Wenn ich schon am agitieren bin... Jesus hat sicher nie so ausgesehen, wie er immer dargestellt wird - falls es ihn überhaupt je gab. Warum wird "Gott" immer als alter bärtiger Mann dargestellt? Wer alt aussieht, muss auch jung ausgesehen haben - und wer altert wird auf jeden Fall sterben... wenn er es nicht schon lange ist.
3. Kampf dem Mittelalter in Europa
A&O 03.11.2011
Zitat von sysopDie Journalisten der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" wollen sich nicht einschüchtern lassen - trotz des Anschlags auf ihre Redaktionsräume. Doch der Betreiber der Website des Blatts knickt ein: Wegen Morddrohungen mutmaßlicher Islamisten bleibt die Seite vorerst offline. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795751,00.html
Na, wo bleiben jetzt SPON, Guardian etc. pp. mit dem Nachdruck? Kalte Füße bekommen? Zu Saman Rushdies Zeiten sah Solidarität noch deutlich akzentuierter aus. Möchte sich noch irgend jemand wundern, warum es immer mehr Menschen gibt, die alle Islamisten aus Europa rausschmeissen wollen? Laßt sie zuhause machen was sie wollen - der Zustand ihrer Länder spricht eine klare Sprache. Zaun drum und gut. Gebt ihnen dreihundert Jahre und deren Bevölkerung will das auch nicht mehr mitmachen, dann kann man ja sehen. Bis dahin, Schluß mit Multi-Kulti.
4. So nicht !
franzosen 03.11.2011
Man mag Charlie Hebdo mögen oder nicht, aber diese Zeitung MUSS weiter bestehen und sich auch über Religion lustig machen dürfen. Wem dies nicht gefällt, kann Anzeige erstatten oder sich in einem Staat niederlassen, der keine Trennung von Kirche und Staat kennt und die Scharia als Rechtsgrundlage hat. Schade, dass der Internetbetreiber der Zeitung eingeknickt ist. Es lebe die Presse- und Meinungsfreiheit in Europa !
5. Dr.
braintainment 03.11.2011
Unglaublich! Wenn ich zu allem was mir nicht passt Morddrohungen versenden würde, dann wäre das Internet bald offline ;-) Trauig, daß die Leute vor so ein paar Psychopathen einknicken!
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