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Mordfall Nemzow: Russische Polizei nimmt weitere Verdächtige fest

Trauer um Putin-Kritiker Nemzow: Zwei weitere Festnahmen Zur Großansicht
AP

Trauer um Putin-Kritiker Nemzow: Zwei weitere Festnahmen

Bei den Ermittlungen zum Mord am Putin-Gegner Nemzow verdächtigt die russische Polizei offenbar zwei weitere Tschetschenen. Einer der Verdächtigen soll jahrelang für die Polizei gearbeitet haben.

Moskau - Vor einer Woche wurde der Kreml-Kritiker Boris Nemzow in Moskau erschossen. Am Samstag präsentierte der russische Geheimdienst FSB zunächst zwei Verdächtige, am Sonntag hat die russische Polizei nun zwei weitere Männer festgenommen. Es handele sich um zwei Tschetschenen, sagte der Chef des Sicherheitsrats der Kaukasus-Republik Inguschetien, Albert Barachojew, der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Die russische Polizei habe insgesamt fünf Verdächtige festgenommen, twitterte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, dann wenig später. Details waren zunächst nicht bekannt.

Ein Moskauer Gericht sollte über eine Untersuchungshaft der Verdächtigen entscheiden. Dies solle spätestens in der kommenden Woche geschehen, hieß es Berichten zufolge.

Laut Medienberichten soll ein Verdächtiger jahrelang für eine Polizeieinheit in der russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien gearbeitet haben. Er habe rund zehn Jahre einem Bataillon des tschetschenischen Innenministeriums angehört. Ob der Verdächtige zuletzt noch in Diensten der Einheit stand, war zunächst unklar.

Es gebe nun gute Hinweise, dass zwei der Männer an der "Organisation und Ausführung des Mordes beteiligt" waren, sagte Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde in der russischen Hauptstadt. Darüber hinaus teilten die Behörden in der Teilrepublik Inguschetien mit, zwei der Verdächtigen seien Brüder. Ansor und Schagid G. hätten länger in Moskau gelebt, der dritte Verdächtige, Saur D., sei einige Zeit in Tschetschenien gewesen, meldete die Agentur Interfax.

Nemzow-Vertraute zweifeln an Aufklärung

Der 55-jährige Nemzow war am Abend des 27. Februar in Sichtweite des Kreml im Zentrum Moskaus erschossen worden. Die Ermordung des Regierungsgegners löste in Russland und weltweit Bestürzung aus. Der frühere Vizeministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher von Staatschef Wladimir Putin. Die Ermittler untersuchen einen islamistischen oder nationalistischen Tathintergrund. Auch Nemzows scharfe Kritik an Russlands Ukraine-Politik nannten sie als ein mögliches Mordmotiv.

Russland versucht seit Jahren, im Norden des Kaukasus einen Aufstand islamistischer Rebellen niederzuschlagen. Bürger aus der Unruheregion waren auch in anderen Fällen, wie dem Mord an der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja in Verdacht geraten. Für die Opposition und auch für ihre Familie ist der Fall auch nach fast zehn Jahren nicht abschließend aufgeklärt. Nemzow-Vertraute äußerten Zweifel, dass mit den jüngsten Festnahmen die wahren Drahtzieher des Mordes an Nemzow dingfest gemacht wurden.

vek/AFP/Reuters/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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1. Tschetschenen?
Kamillo 08.03.2015
Tschetschenen sind doch die, die gegen Russland gekämpft haben, um die Unabhängigkeit zu erreichen. Das passt nicht. Denn wenn Tschetschenen einen führenden russischen Oppositionspolitiker ermorden, dann spielen sie doch ihrem Feind, Russland / Putin in die Hände. Da ist was faul. Ich glaube eher dass der FSB einfach Sündenböcke sucht und gefunden hat. Das passt. Putin kommt der Mord an Nemzow doch sicher gelegen. Mir tun alle leid, die an Nemzow seiner Trauerfeier teilgenommen haben. Denn die sind jetzt sicher dank Handy-Ortung usw. sicher auch auf einer schwarzen Liste des FSB.
2.
Zaunsfeld 08.03.2015
Ich weiß schon, wie das Spiel Putins und des FSBs ausgehen wird. Die werden am Ende eine Gruppe präsentieren, die gemeinsam die Ermordung Nemzows geplant hat. Die Gruppe wird aus einem muslimischen Tschetschenier, einem Ukrainer, einem Neonazi und Mafiaboss und einem dem Westen nahestehenden russischen NGO-Mitglied bestehen, den man als Spion des Westens brandmarken kann. Und schon hat Putin mehrere Ziele erreicht: Nemzow tot und mal wieder die Schuld allen anderen in die Schuhe geschoben. So wie Putin das auch schon bei den großen Wohnhaus-Anschlägen der 90er Jahre mit Hunderten Toten in Russland gemacht hat, die er damals als Leiter des FSB in Auftrag gab und vom FSB ausführen ließ, um dann die Schuld letztlich irgendwelchen tschetschenischen Terroristen in die Schuhe zu schieben und endlich einen Vorwand zu haben, in Tschetschenien einzumarschieren.
3. Herr Putin
Schlaflöwe 08.03.2015
hat kein Interesse daran, dass die Auftraggeber für den Auftragsmord öffentlich gemacht werden. Er wäre doch blöd, sich selbst zu beschädigen.
4.
reuanmuc 08.03.2015
Es macht zwar bisher wenig Sinn, über die Täter und ihre Motive zu spekulieren, aber ich kann mir gut vorstellen, dass der tschetschenische Minidiktator Kadyrow hinter der Ermordung Nemzows steckt. Seine großmäuligen Sprüche in den vergangenen Wochen und die Herkunft der Verdächtigen könnten ein Indiz sein. Dann hätte Putin ein kleines Problem, denn Kadyrow ist sein Handlanger für das schmutzige Geschäft in Tschetschenien. Aber wie unter Diktatoren üblich, würde auch dieses Problem auf charakteristische Weise gelöst.
5. Ehm...
dimiks 08.03.2015
ist ja schön, wenn man keine Ahnung von russischer Innenpolitik hat, aber trotzdem mit kommentieren will. Eine Tschetschenische Spur ist für Putin eigentlich extrem ungünstig und läuft konträr zu seiner "Friede-Freude-Eierkuchen" - Kaukasus Politik.
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Fotostrecke
Nemzow-Mord: Trauerzug durch Moskau

Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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