Moskau - Im Gerichtsverfahren zur Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja ist ein ehemaliger Polizist wegen Beihilfe zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Das entschied ein Moskauer Bezirksgericht am Freitag, nachdem der Angeklagte Dmitri Pawljutschenkow eingeräumt hatte, Politkowskaja überwacht sowie die Mordwaffe gekauft und dem Mörder Rustam Machmudow übergeben zu haben.
Die Strafe wird er in einem Lager absitzen. Der Ex-Polizist muss laut dem Urteil zudem drei Millionen Rubel (rund 75.000 Euro) an die Familie der Getöteten zahlen. Die Hinterbliebenen, die als Nebenkläger aufgetreten waren, kündigten umgehend Berufung an. Sie würden nur die Höchststrafe von 20 Jahren akzeptieren. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft gefordert.
Ein aus Tschetschenien stammender Hintermann soll Pawljutschenkow umgerechnet rund 115.000 Euro für den Mord gezahlt haben. Dieser kommandierte zum Zeitpunkt des Mordes eine Sondereinheit der Moskauer Miliz für Beschattungen und Abhöroperationen. Der Drahtzieher sitzt im Zusammenhang mit einem anderen Verbrechen derzeit eine zwölfjährige Gefängnisstrafe ab. In wessen Interesse er den Mord an Politkowskaja in Auftrag gegeben hatte, ist jedoch bis heute unklar.
Im Jahr 2009 wurde der Todesschütze Machmudow zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Zwei an der Tat beteiligte Brüder Machmudows wurden dagegen aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Im Jahr 2010 entschied der oberste russische Gerichtshof, den Prozess gegen die drei Tschetschenen neu aufzurollen.
Journalistin mit mächtigen Feinden in Russland
Die regierungskritische Journalistin war im Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Sie war vor allem durch ihre kritischen Berichte über den Krieg in Tschetschenien bekannt geworden - und als scharfe Kritikerin von Präsident Wladimir Putin.
Mit Berichten über schwerste Menschenrechtsverbrechen in dem früheren Kriegsgebiet hatte sich die preisgekrönte Journalistin der Zeitung "Nowaja gaseta" viele Feinde gemacht. In Russland gilt der Fall Politkowskaja als Symbol für die Verfolgung regierungskritischer Journalisten.
In der ersten Verhandlung war Pawljutschenkow noch als Zeuge der Staatsanwaltschaft aufgetreten. Im Laufe des Prozesses kamen jedoch immer mehr Zweifel an seiner Rolle in dem spektakulären Mordfall auf.
jok/AFP/dapd
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