Moskau/Grosny Putin besuchte Truppen in Tschetschenien

Der russische Interimspräsident Wladimir Putin hat am Neujahrstag überraschend den russischen Truppen in der abtrünnigen Kaukasus-Republik Tschetschenien einen Kurzbesuch abgestattet.


Bei seinem Kurzbesuch unterstrich Putin die weitere Bereitschaft Moskaus zu Gesprächen mit der tschetschenischen Führung, allerdings erst nach Erfüllung mehrerer Bedingungen. Die Kämpfe um die Hauptstadt Grosny und im bergigen Süden wurden am Morgen nach einer kurzen "Atempause" in der Silvesternacht wieder aufgenommen.

"Wir sind zu Gesprächen jederzeit bereit", sagte Putin nach Angaben der Agentur Interfax. Allerdings müsse die tschetschenische Führung zuerst mehrere Bedingungen erfüllen. Dazu gehörten eine öffentliche Verurteilung des Terrorismus, die Auslieferung steckbrieflich gesuchter Rebellenführer an die russischen Behörden sowie die Freilassung aller noch in Tschetschenien gehaltenen Geiseln. "Wenn das geschehen ist, gibt es von uns aus entgegenkommende Schritte."

Ordensverleihung im Morgengrauen
AP

Ordensverleihung im Morgengrauen

Zuvor hatte er am frühen Morgen noch vor Tagesanbruch in einer Ordensverleihungs-Zeremonie in der zweitgrößten tschetschenischen Stadt Gudermes den Truppen für ihre bisherigen Leistungen im Feldzug im Kaukasus gedankt. "Es geht hier nicht nur um Wiederherstellung der Ehre", wurde Putin von der Agentur Itar-Tass zitiert. "Es geht darum, dem Zerfall Russlands eine Ende zu setzen - das ist die Hauptaufgabe."

Auf dem Rückflug nach Moskau betonte Putin, für die Beendigung des Feldzugs seien "keine konkreten Fristen" gesetzt. Er stritt vor allem eine zeitliche Übereinstimmung des angestrebten Kriegsendes mit den vorgezogenen Präsidentenwahlen im März ab. Putin, dessen Popularität vor allem auf dem Feldzug in Tschetschenien basiert, gilt als Favorit bei diesen Wahlen.

In wenigen Kilometern Entfernung von Gudermes setzten unterdessen die russischen Truppen ihre Offensive gegen die tschetschenische Hauptstadt Grosny fort. Dabei wurden die tschetschenischen Rebellen nach russischen Militärausgaben aus einer seit Tagen schwer umkämpften Konservenfabrik verdrängt, hieß es bei Itar-Tass. Die Lage in der Stadt wurde von russischen Militärs als "schwierig und angespannt" beschrieben.

Weiter südlich lieferten sich Rebellen und russische Truppen erbitterte Kämpfe in der Umgebung der Ortschaft Schali, berichtete Interfax. Eine Gruppe von rund 400 Rebellen habe versucht, aus dem Gebirge heraus die russischen Linien in Richtung des Flachlandes zu durchbrechen. Der Angriff sei "bei schweren Verlusten auf Seiten der Rebellen" abgeschlagen worden.



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