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Syrien-Bericht: Russland kritisiert Uno-Inspektoren als parteiisch

Russlands Vizeaußenminister Rjabkow (mit dem syrischen Außenminister Walid al-Muallim): "Unvollständiger Bericht" Zur Großansicht
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Russlands Vizeaußenminister Rjabkow (mit dem syrischen Außenminister Walid al-Muallim): "Unvollständiger Bericht"

Moskau erhebt Zweifel an der Uno-Untersuchung des Giftgasangriffs von Damaskus. Die Inspektoren der Vereinten Nationen seien "voreingenommen und einseitig". Russlands Vizeaußenminister sagte, man habe von den Syrern "neue Beweise" für eine Verwicklung der Rebellen in den Angriff erhalten.

Damaskus/New York - Russland hat die Uno-Inspektoren nach der Veröffentlichung ihres Giftgasberichts als "politisiert, voreingenommen und einseitig" kritisiert. "Sie haben einen selektiven und unvollständigen Bericht erstellt", sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow bei einem Besuch in Damaskus am Mittwoch.

So hätten die Experten drei weitere angebliche Chemiewaffeneinsätze in dem Bürgerkriegsland nicht untersucht. Rjabkow wollte seine Gespräche in Syrien am Mittwoch fortsetzen. Moskau ist ein wichtiger Partner für Damaskus.

Syrien habe Russland Materialien übergeben, die die Schuld der Rebellen an dem Giftgaseinsatz vom 21. August beweisen sollen, sagte Rjabkow. Diese Informationen würden nun geprüft. "Uns wurde gesagt, dass es Beweise gebe, dass die Rebellen an dem Chemiewaffenangriff beteiligt waren", wurde Rjabkow zitiert. Zugleich forderte der Diplomat Damaskus auf, alle Daten zu seinen Giftgasbeständen "genau und rechtzeitig" zu übergeben.

Zuvor hatten die Uno-Chemiewaffeninspektoren in New York ihren offiziellen Bericht zum Giftgasangriff am 21. August bei Damaskus vorgelegt. Demnach haben sie in Syrien "klare und überzeugende" Beweise für einen Angriff mit dem Giftgas Sarin gefunden. Es war ausdrücklich nicht ihr Auftrag zu ermitteln, wer für die Angriffe verantwortlich ist. Allerdings legen ihre Ergebnisse nahe, dass nur Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hinter der schwersten Giftgasattacke seit Jahrzehnten stecken können. Russland weist diese Sichtweise zurück.

Ringen um Uno-Resolution

Der Kreml kritisierte zudem erneut den Westen für dessen Forderungen nach einem harten Vorgehen gegen Damaskus. "Es ist allzu simpel und unbegründet, die syrische Führung für alles verantwortlich zu machen, und unserer Meinung nach unangemessen und leichtsinnig, der Opposition eine Verantwortung abzusprechen", sagte Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch am Dienstagabend in Moskau.

Dass Russland sich gegen eine Verurteilung Assads stemmt, ist für die Diplomaten bei der Uno nicht überraschend. Aus hochrangigen russischen Sicherheitskreisen hieß es noch am Wochenende gegenüber SPIEGEL ONLINE, Russland verfüge bereits über Beweise, welche Zweifel an einem Befehl für den Giftgasangriff durch Assad selbst untermauern könnten.

Die Details klangen krude: So hätten die russischen Dienste Telefon- und Funkgespräche zwischen Rebellen abgefangen, die von ihren saudischen Unterstützern Anweisungen zur Benutzung von Chemiewaffen bekommen hätten, um eine westliche Militärintervention auszulösen. Ein anderer Nachrichtendienstler wiederum behauptete, ein hochrangiger Militär habe die Attacke ohne das Wissen Assads angeordnet, da er zu den Rebellen überlaufen wollte.

Beide Thesen dürften sich kaum beweisen lassen, allerdings reichen sie aus der Sicht Moskaus, um eine eindeutige Uno-Resolution mit der Androhung militärischer Gewalt zu verhindern.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte den Sicherheitsrat allerdings auf, eine solche starke Syrien-Resolution zu verabschieden. Das Papier müsse "Zähne" haben, sagte Ban am Dienstag in New York. Man brauche einen Weg, den von Russland und den USA vorgegebenen Plan zur Offenlegung der syrischen Chemiewaffen durchzusetzen. "Im Fall einer Nichteinhaltung muss es Konsequenzen geben", sagte er.

Wie die "New York Times" unter Berufung auf nichtgenannte Diplomaten schrieb, wollen die USA, Frankreich und Großbritannien Druck auf Damaskus ausüben. Russland sei jedoch weiter gegen die Androhung von Gewalt. Ein Uno-Diplomat bezeichnet das Treffen nach Angaben des US-Senders CNN dennoch als "konstruktiv". Es solle voraussichtlich am Mittwoch fortgesetzt werden.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle machte nun Syriens Präsidenten Assad für den Giftgaseinsatz verantwortlich. "Die Indizien sprechen dafür, dass das Assad-Regime hinter diesem Tabubruch steht", sagte Westerwelle der "Süddeutschen Zeitung". Die sorgfältige Recherche der Uno-Inspektoren "bestätigt unsere Annahme, dass nur das Assad-Regime Material und Fähigkeiten für diesen Giftgasangriff mit so furchtbaren Folgen hatte".

fab/mgb/AFP/dpa

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1.
RenegadeOtis 18.09.2013
Zitat von sysopAFPMoskau erhebt Zweifel an der Uno-Untersuchung des Giftgasangriffs von Damaskus. Die Inspektoren der Vereinten Nation seien "voreingenommen und einseitig." Die Vorwürfe dürften die Verabschiedung einer Syrien-Resolution im Sicherheitsrat zusätzlich erschweren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/moskau-kritisiert-uno-inspektoren-wegen-giftgas-syrien-bericht-a-922922.html
Ich werte das also so, dass Rußland abstreitet, dass Giftgas eingesetzt wurde. Denn nur das hat der Bericht als Inhalt. Sicherlich gibt es Indizien gen Assad/Regierung, darüber urteilt der Bericht aber nicht. Na, dann sind ja die Vorwürfe der Foristen gegen die Rebellen, dass diese Giftgas eingesetzt hätten vollkommen haltlos.
2. optional
mrdhero 18.09.2013
und wo sind diese beweise? was sagen die oder zeigen die? wo sind die beweise die Russland angeblich schon vor Wochen in der Hand hatte? langsam nerven mich die russen mit ihren sondershows
3. @spon
lebmah 18.09.2013
So schlimm dieser Angriff ist ,ist er leider nicht der schwerste :( Halabscha unter Saddam Hussein bei den Kurden ist der schlimmste gewesen und jeder vergisst immer ,wer ihn damit beliefert hat -.- USA und ihr doppeltes Gesicht
4.
1948-2008 18.09.2013
Zitat von sysopAFPMoskau erhebt Zweifel an der Uno-Untersuchung des Giftgasangriffs von Damaskus. Die Inspektoren der Vereinten Nation seien "voreingenommen und einseitig." Die Vorwürfe dürften die Verabschiedung einer Syrien-Resolution im Sicherheitsrat zusätzlich erschweren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/moskau-kritisiert-uno-inspektoren-wegen-giftgas-syrien-bericht-a-922922.html
Putin, die einzige Stimme der Vernunft in einer verrückten Welt, die sich nichts sehnlicher wünscht als den totalen Krieg von USA, F, GB, Türkei und Saudi-Arabien gegen das kleine Syrien.
5.
Atheist_Crusader 18.09.2013
Zitat von sysopAFPMoskau erhebt Zweifel an der Uno-Untersuchung des Giftgasangriffs von Damaskus. Die Inspektoren der Vereinten Nation seien "voreingenommen und einseitig." Die Vorwürfe dürften die Verabschiedung einer Syrien-Resolution im Sicherheitsrat zusätzlich erschweren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/moskau-kritisiert-uno-inspektoren-wegen-giftgas-syrien-bericht-a-922922.html
Natürlich sind die voreingenommen und einseitig. Die UN-Zentrale steht immerhin in den USA. Und die fahren nicht erst seit gestern nach dem Motto: "Wenn die UN nicht unsere Sichtweise unterstützt, dann ist sie unwichtig und kann ignoriert werden."
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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