Geplante Militärübung Moskau nennt Nato-Manöver in der Ukraine Provokation

Mitten in der Ukraine-Krise wollen mehrere Nato-Länder ein Manöver im Westen des Landes abhalten. Moskau fürchtet, dass Truppen im Land bleiben - und kündigt ebenfalls eine Militärübung an.

US-Soldat bei einer Übung in Nemirseta, Litauen (Archiv): Manöver in der Westukraine geplant
AFP

US-Soldat bei einer Übung in Nemirseta, Litauen (Archiv): Manöver in der Westukraine geplant


Warschau/Lemberg/Moskau - Russland hat ein Manöver der Nato kritisiert, das für Mitte des Monats im Westen der Ukraine geplant ist. Die Übung sei inmitten des Ostukraine-Konflikts eine "Provokation", sagte Generaloberst Leonid Iwaschow der Agentur Ria Nowosti zufolge in Moskau. Es bestehe die Gefahr, dass ein begrenztes Nato-Truppenkontingent nach dem Manöver einfach in der Ukraine verbleiben könne. Allerdings gibt es seit Wochen Berichte, dass auch Russland die Separatisten im Osten der Ukraine mit Waffen und Soldaten unterstützt.

"Außerdem ist es nicht human, dass die Nato in einer Zeit, in der sich die Ukraine faktisch im Bürgerkrieg befindet, ihre militärische Unterstützung für das Kiewer Regime demonstriert", sagte Iwaschow.

Das russische Verteidigungsministerium kündigte ein eigenes großes Militärmanöver für September an. Geplant sei eine Übung mit mehr als 4000 Soldaten und einer großen Anzahl von Militärtechnik in Westsibirien, sagte Major Dmitrij Andrejew.

Soldaten aus 12 Ländern

Das polnische Verteidigungsministerium teilte am Mittwoch mit, an der Übung vom 13. bis 26. September auf einem Truppenübungsplatz in der Nähe von Lemberg, das auf Ukrainisch Lwiw heißt, würden Soldaten aus zwölf Ländern teilnehmen. Darunter seien Truppen aus Polen, Rumänien, Moldau, Bulgarien, Spanien, Estland, Großbritannien, Litauen und Norwegen.

Die Nachrichtenagentur AFP meldete mit Verweis auf das polnische Ministerium, dass auch Soldaten der USA und der Bundeswehr teilnehmen. Das Verteidigungsministerium in Berlin erklärte auf Anfrage, dass man beabsichtige, nur "Einzelpersonal - insgesamt vier Teilnehmer in Stabsfunktionen als Übungsauswerter und logistisches Fachpersonal" zu beteiligen.

Weiter hieß es: "Die endgültige Entscheidung über die Teilnahme deutscher Soldaten wird kurz vor der Verlegung auf Basis der dann aktuellen Bedrohungslage und der politischen Situation getroffen werden." Ende Juli hatte die Bundeswehr noch mitgeteilt, eine Teilnahme an der Übung zu prüfen.

Das Nato-Manöver unter dem Namen "Rapid Trident 14" ist seit Längerem geplant. Die Soldaten würden gemeinsam Durchsuchungen, Patrouillen, Konvoifahrten, Rettungseinsätze und die Suche von Sprengsätzen üben, hieß es in der Erklärung des Ministeriums in Warschau.

Einem ukrainischen Regierungsbeschluss zufolge können an "Rapid Trident" bis zu 400 US-Soldaten sowie maximal 600 Militärangehörige aus anderen Nato-Staaten teilnehmen. Bis Ende Oktober ist zudem das Manöver "Sea Breeze" mit bis zu 800 US-Soldaten und maximal tausend Soldaten aus weiteren Nato-Ländern bewilligt. In der Ukraine fanden bereits mehrfach Übungen mit Nato-Beteiligung statt.

heb/phw/AFP/dpa

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insgesamt 96 Beiträge
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glen13 03.09.2014
1.
Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man meinen, man sei im Kindergarten. Wenn es das ist, was die Diplomaten aller Länder in ihrer Ausbildung lernen, dann sind da Reformen fällig.
satter 03.09.2014
2. und wieder sieht man wie Putin tickt
Oh da regt sich Moskau auf, dass ein Manöver stattfindet?? Und was hat Putin an der Grenze zur Ukraine abgehalten??? Das war wohl ein Pfadfindercamp?? Selbstherrlich die Welt provozieren und anderen vorschreiben wollen, was sie zu tun und machen haben, das kann Putin. Es wäre wünschenswert, wenn gleich mal eine NATO Truppe in der Ukraine bleiben würde. Vielleicht kann die NATO ja den russischen Soldaten dann den Weg in die Heimat zeigen, falls sie sich wieder mal verlaufen haben.
mariameiernrw 03.09.2014
3. Russland ist einfach nur peinlich
Vielleicht sollte Russland noch einmal die Schlussakte von Helsinki lesen: Dort wird die freie Bündniswahl garantiert, d.h. die souveräne Ukraine kann jederzeit selbst entscheiden mit wem sie Manöver durchführt.
beachy1 03.09.2014
4. Sagt das Land
das laut Russland-eigener Menschenrechtsorganisation über die letzten Monate bereits 15.000 russische Soldaten in die Ukraine geschickt hat, um ukrainische Soldaten zu töten. Aber ein Manöver im Westen eines anderen Landes ist eine Provokation? Schon klar. Aber zehntausende Soldaten direkt an die Grenze stellen, und, und, und.
CancunMM 03.09.2014
5.
Da führt ein Land Krieg in der Ukraine und wirft anderen Ländern vor mit einem Manöver zu provozieren ? Die Russen schrecken auch vor gar nichts zurück. Unglaublich.
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