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Moskau: Tausende Russen protestieren mit Autokorso gegen Putin

Weiße Bänder, Trauben von Luftballons, humoristische Transparente: Am Sonntag haben in Moskau Tausende in Autos oder am Straßenrand gegen die Wiederwahl von Wladimir Putin demonstriert. Der Korso war nur eine Auftaktveranstaltung zu Großdemonstrationen in der kommenden Woche.

AP

Moskau - Viele hundert Autos, geschmückt mit weißen Bändern oder Luftballons, umkreisten am Sonntag die Moskauer Innenstadt. Der gewaltige Autokorso war eine Geste des Protestes gegen Premierminister Wladimir Putin. Der sogenannte Gartenring, eine 16 Kilometer lange Ringstraße mit bis zu 16 Fahrspuren, war teilweise gründlich verstopft. Unter den Fahrzeugen waren sowohl moderne Luxuskarossen und Sportwagen als auch alte Sowjetmodelle, die Qualm und Feinstaub in die Moskauer Luft pusteten.

Weitere Demonstranten säumten die Straßenränder. Sie schwenkten weiße Bänder und Flaggen, während Autos laut hupend an ihnen vorbeirollten. Die weißen Bänder wurden nach der als manipuliert geltenden Parlamentswahl vom 4. Dezember 2011 zu einem Symbol des Protests gegen die Regierung von Putins Kreml-Partei.

Bei den Protesten für freie und faire Wahlen hatten sich in den vergangenen Wochen Zehntausende versammelt. Die nächste große Demonstration ist für den 4. Februar angesetzt. Putin wird am 4. März erneut für das Amt des Präsidenten kandidieren. Er hatte dieses Amt schon von 2000 bis 2008 inne, konnte jedoch aus verfassungsrechtlichen Gründen zunächst für keine dritte Amtszeit kandidieren. Nun, nach einer Legislaturperiode unter Präsident Dimitrij Medwedew, wird Putin aller Wahrscheinlichkeit nach erneut Präsident Russlands werden. Wie sauber die Wahlen ablaufen, wird aufmerksam beobachtet werden.

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Moskau: Mit Ballons gegen Putin

Der Autoprotest vom Sonntag soll der Protestbewegung neuen Schwung verleihen. Die motorisierten Demonstranten zeigten sich kreativ: Neben Ballonschmuck und weißen Bändern waren auch diverse Plakate und Schilder zu sehen. Ein Fahrer dekorierte seinen Kofferraum mit einer lebensgroßen Putin-Puppe mit Pappgesicht. Oppositionsführer Alexej Navalny sagte, der Protest sei eine "wunderbare Werbeaktion" für die am 4. Februar geplante Demonstration. Kreativer Protest ist in Russland derzeit verbreitet: In Sibirien ließen Oppositionelle Puppen und Spielzeug aufmarschieren, weil ihnen selbst eine Demonstration verweigert wurde.

Die Protestbewegung wird von jungen, gut ausgebildeten Stadtbewohnern, Personen des kulturellen Lebens und anderen Mitgliedern der städtischen Mittelklasse vorangetrieben. Unterstützer des Kreml haben begonnen, den Aktivismus mit der Organisation von Protestaktionen mit Arbeitern zu kontern. Sie sollen ihre Unterstützung für Putin und sein Versprechen der Stabilität kundtun. Die erste derartige Gegenveranstaltung fand am gestrigen Samstag in Jekaterinenburg statt, der Hauptstadt einer industriell geprägten Gegend im Ural. Videos von der Veranstaltung zeigen einen Sprecher, der dem russischen Parlament angehört, der mehrere tausend Arbeiter in einem Sprechchor anzuleiten versucht: "Ural, Russland, Putin!" Die Reaktion der versammelten Arbeiter jedoch war verhalten.

cis/AP

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