IS-Hochburg Irakisches Militär startet Offensive auf Mossul

Mossul ist die letzte große Bastion des "Islamischen Staats" im Irak. Nun hat das Militär die angekündigte Offensive zur Befreiung der Stadt gestartet. Es wird mit heftigen Kämpfen gerechnet.

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Die lange erwartete Militäroperation zur Befreiung der nordirakischen Stadt Mossul von Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat begonnen. Das teilte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi in der Nacht zum Montag im Staatsfernsehen mit. Angeführt wird die Offensive demnach von der Armee und der Polizei des Landes.

Al-Abadi rief die Einwohner in Mossul auf, mit den irakischen Streitkräften zu kooperieren. "Heute erkläre ich den Beginn dieser siegreichen Operation, um euch von der Gewalt und dem Terror zu befreien." Der Terrorismus und der IS würden noch in diesem Jahr besiegt.

Die US-Regierung bezeichnete den Beginn der Militäroffensive als "einen entscheidenden Moment" im Kampf gegen die Terrormiliz. "Die Vereinigten Staaten und der Rest des internationalen Bündnisses stehen bereit, um die irakischen Sicherheitskräfte, Peschmerga-Kämpfer und das irakische Volk in dem schwierigen Kampf zu unterstützen, der ihnen bevorsteht", sagte der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter laut Mitteilung. Ziel sei es, den IS dauerhaft zu besiegen und sowohl Mossul als auch den Rest des Iraks "vom Hass und der Brutalität" der Extremisten zu befreien.

Mossul ist die letzte Hochburg der IS-Miliz im Irak. Die Millionenstadt steht seit Juni 2014 unter Kontrolle der Extremisten. US-Schätzungen zufolge befinden sich zwischen 3000 und 4500 Kämpfer der Islamisten in der Stadt. Sollte Mossul befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitestgehend besiegt. Es wird mit erbitterten Kämpfen gerechnet.

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Die irakische Armee und die Polizei hatten in den vergangenen Wochen und Tagen im Umland von Mossul Stellung bezogen. Unterstützt werden sie bei der Offensive von kurdischen Peschmerga-Kämpfern, auch lokale sunnitische Milizen sollen an dem Angriff beteiligt werden. Wie das Generalkommando der Peschmerga am Montagmorgen mitteilte, rückten inzwischen auch Kämpfer aus ihren Reihen auf die nordirakische Stadt vor. Bis zu 4000 von ihnen sollten vom IS kontrollierte Orte einnehmen. Östlich von Mossul liegen mehrere ursprünglich christliche Dörfer.

Die von den USA geführte internationale Koalition fliegt Luftangriffe gegen den IS. Zudem hat das türkische Militär unweit von Mossul Soldaten stationiert, die sunnitische Milizen und Peschmerga ausbilden. Der Irak fordert den Abzug der Einheiten, was Ankara jedoch ablehnt.

Der IS hat in den vergangenen Monaten bereits wichtige Gebiete im Irak und auch in Syrien verloren. So konnten irakische Streitkräfte im Sommer dieses Jahres die IS-Hochburg Falludscha im Osten des Landes befreien. Und erst am Sonntag hatten von der Türkei unterstützte Rebellen den IS aus dem symbolisch wichtigen Ort Dabiq im Norden Syriens vertrieben.

Sorge vor neuer Flüchtlingskrise

Die Bevölkerung in Mossul war kurz vor dem Start der Offensive auf den Einsatz vorbereitet worden: Die irakische Luftwaffe warf Zehntausende Flugblätter über der Stadt ab. Darin hieß es, der Vormarsch habe keine Zivilisten zum Ziel. Die Einwohner sollten zu Hause bleiben und sich von bekannten Häusern der radikalislamischen Kämpfer fernhalten.

Mossul liegt rund 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad am Ufer des Tigris. Hilfsorganisationen hatten vor dem Beginn der Offensive vor einem neuen Flüchtlingsdrama gewarnt. In Mossul lebten vor der Einnahme durch den IS knapp zwei Millionen Menschen, heute sollen es bis zu 1,5 Millionen sein. In Deutschland machen Iraker einen großen Teil der registrierten Flüchtlinge aus.

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aar/dpa/AFP

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