Luftangriff auf Mossul USA übernehmen Verantwortung für mehr als hundert tote Zivilisten

Bei einem US-Luftangriff auf Mossul im März waren mehr als hundert Zivilisten getötet worden. Das Pentagon hat dafür nun die Verantwortung übernommen.

Männer bergen in Mossul die Leiche eines Zivilisten (Archivbild)
DPA

Männer bergen in Mossul die Leiche eines Zivilisten (Archivbild)


Bei einem US-Luftangriff auf den Westteil der irakischen Stadt Mossul sind im März mindestens 105 Zivilisten getötet worden. Das teilte das US-Verteidigungsministerium nach einer Untersuchung mit. Demnach explodierten bei dem Angriff auf einen Unterschlupf der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) größere Mengen Sprengstoff und brachten das Gebäude zum Einsturz, in dem sich auch viele Zivilisten aufhielten.

Ziel des Angriffs seien Heckenschützen des IS gewesen. Diese seien getötet worden, doch zudem sei eine größere Menge Sprengstoff in dem Gebäude explodiert, sagte der US-Luftwaffengeneral Matt Isler. Die Explosion habe das Bauwerk zum Einsturz gebracht, dabei seien 101 Zivilisten in den unteren Stockwerken ums Leben gekommen. Vier weitere Zivilisten seien in einem benachbarten Gebäude getötet worden.

Die Truppen der US-geführten Anti-Terror-Koalition hätten nicht gewusst, dass sich Zivilisten in dem Gebäude mit den Heckenschützen aufhielten, betonte Isler. Die US-Armee hatte schon zu einem früheren Zeitpunkt eingeräumt, dass sie "wahrscheinlich" für den Tod der Zivilisten bei dem Angriff mitverantwortlich sei.

Es ist einer der verheerendsten Fehlschläge des US-Militärs seit Jahrzehnten. Seit dem Vietnamkrieg gab es nur einen US-Angriff mit noch mehr zivilen Opfern. 1991 starben Hunderte Iraker beim Bombenangriff auf einen Luftschutzbunker in Bagdad.

Als gesichert galt bislang nur, dass infolge einer gewaltigen Explosion im Westen der Metropole am 17. März rund 140 Menschen ums Leben gekommen waren. Andere Quellen berichten von deutlich mehr Opfern.

Im Oktober starteten die irakischen Streitkräfte und die US-geführte Militärkoalition zudem eine Großoffensive auf Mossul. Mittlerweile sind nach irakischen Angaben mehr als 90 Prozent der Stadt zurückerobert. Mossul wird vom Fluss Tigris geteilt. Der Westteil der zweitgrößten irakischen Stadt ist die letzte Hochburg der Dschihadisten im Irak. Die sunnitischen Extremisten hatten Mossul im Sommer 2014 unter ihre Kontrolle gebracht.

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cte/AFP/Reuters

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