Mubarak in Scharm al-Scheich: Fluchtburg für den Pharao

Aus Scharm al-Scheich berichtet

Seine Villa liegt hermetisch abgeschirmt hinter hohen Mauern - Ägyptens gestürzter Staatschef Mubarak hat sich nach Scharm al-Scheich am Roten Meer zurückgezogen. Dort lebt er einsam in einer vergangenen Welt, über sein Schicksal entscheiden die Militärs.

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Scharm al-Scheich: Hinter diesen Mauern soll sich Mubarak aufhalten

In Scharm al-Scheich ist die Welt für Husni Mubarak noch in Ordnung. Gleich am Ausgang des Flughafens des Ferienorts am Roten Meer, vom einstigen Staatschef und seiner Machtelite pathetisch "City of Peace" getauft, prangt weiterhin übergroß sein Konterfei auf einer Steintafel. In weich gezeichneten Formen steht der gestürzte Despot inmitten von Staatschefs, mild lächelt er herab. Hier, fernab der Metropole Kairo, hat Mubarak Geschichte geschrieben: Auf großen Konferenzen handelte er Friedensverträge mit Israel aus. Auf seine generöse Einladung hin präsentierte er hier den Führern der westlichen Welt Ägypten so, wie er es gern gesehen hat: Ein Land, das ihn respektiert wie einen Pharao.

Nach dem Sturz des Despoten am vergangenen Freitag ist Scharm al-Scheich jetzt vielleicht die letzte Station im Leben Mubaraks. Geflüchtet aus Kairo, verjagt vom eigenen Volk, vom Militär zum Abdanken gezwungen, hat sich der einst so mächtige Staatschef offenbar in sein Domizil am Roten Meer zurückgezogen.

Über eine Flucht aus Ägypten, die in den letzten Tagen der Revolution durchaus eine Option war, kann der Machthaber womöglich nicht mehr selbst entscheiden. Das Schicksal des 82-Jährigen liegt, das jedenfalls sagen Diplomaten in Kairo, in der Hand der Militärs.

Nur rund zehn Minuten sind es vom Flughafen bis zu seiner Villa, die am Rand eines Golfclubs der Maritim-Hotelkette liegt. Es ist eine Fahrt durch das alte Ägypten, durchs Mubarak-Land. An jeder Laterne hängt ein Bild des Herrschers, der den Nilstaat 30 Jahre lang mit harter Hand lenkte. Niemand hat eines der Propaganda-Plakate abgehängt oder auch nur angefasst.

Ob der "Pharao" wirklich hier ist, weiß mit absoluter Sicherheit niemand. Doch mehrere Checkpoints auf dem Weg zur Villa, Tag und Nacht mit schwer bewaffneten Polizisten und einer Handvoll Geheimpolizisten in Zivil gesichert, sind ein deutliches Zeichen. Koffer werden eingehend kontrolliert, Pässe geprüft, jeder Ausländer wird nach seinem Beruf befragt.

Gepanzerte Fahrzeuge und schwer bewaffnete Bodyguards

Falls der gefallene Staatschef wirklich am Roten Meer ist, wie alle vermuten, lebt er abgeschirmt wie in einem Bunker: Eine drei Meter hohe weiße Mauer umgibt das gesamte Grundstück, dahinter sind Palmen und Blumenbüsche zu sehen. Das Gelände der Villa direkt am Meer - genauer gesagt sind es drei Gebäude - kontrollieren Sicherheitsleute in Zivil. Auf einem Dach des Maritim-Hotels gegenüber hat ein MG-Schütze Position bezogen. Ein anderer kontrolliert die Seeseite unter einem Sonnenschirm. Am Tor zur Villa ist der Weg mit Panzersperren und Gittern gesichert. Auskunft geben wollen die Polizisten nicht. Auf die Frage, ob der Präsident in seinem Haus sei, nicken sie müde. Dann drohen sie aber auch schon, man solle besser schnell verschwinden.

Hinter dem letzten Checkpoint stehen auf dem Parkplatz vor der Villa gepanzerte Fahrzeuge unter einem Sonnendach, mehrere wuchtige schwarze Jeeps amerikanischer Bauart und ein großer Van mit getarnten Antennen auf dem Dach. Die Fahrer dösen in der Sonne, ihre ausgebeulten Lederjacken und T-Shirts zeugen von Pistolen und Funkgeräten am Gürtel. Aufnahmen von der Eskorte des Ex-Machthabers sind unerwünscht: Als der CNN-Reporter Nic Roberston am Wochenende eine Einstellung drehen wollte, wurde er freundlich, aber bestimmt aus dem Hotel geworfen. Seitdem kontrolliert die Hotelleitung genau, wer in dem Komplex eincheckt.

Die scharfe Bewachung dient auf den ersten Blick der Sicherheit des gestützten Herrschers vor möglichen Attacken des noch immer wütenden Volks. Dennoch wirkt die Szenerie in Scharm al-Scheich auch wie ein Gefängnis für den "Pharao". Niemand weiß, wie die neue Führung mit Mubarak umgehen wird. Wird das Militär ihn vor Gericht stellen? Will es wirklich eine Abrechnung mit der Vergangenheit? Lässt es den Despoten am Roten Meer abgeschottet seine letzten Jahre verbringen? Mubarak, daran bestehen kaum Zweifel, ist schwer krank. Vergangenes Jahr ließ er sich in Deutschland seine Gallenblase operieren - dabei sollen angeblich auch Krebswucherungen entdeckt worden sein. Möglicherweise hat er nicht mehr lange zu leben.

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insgesamt 41 Beiträge
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1. sehr interessant
vogelsteller 15.02.2011
andere (arabische) medienquellen lassen wissen, dass mubarak in baden-baden eingetroffen ist. diese angebliche tatsache würde von offiziellen stellen geheimgehalten.
2. Widerlich
elbröwer 15.02.2011
Jetzt fällt die Hundemeute im synchronen Gekläff über den Mann her, der von genau den gleiche Leuten und Medien, den Regierenden aus aller Welt, Komplimente ohne Ende gemacht wurden.
3. Mubarak Aufenthalt...
Guitas 15.02.2011
...in Scharm-al-Scheich ist wohl besser, als in nachbarlichen Araberstaaten, dort müßte er mit Sicherheit sein Vermögen denen geben, damit er in deren Länder aufgenommen wird. Jetzt sollte man sein gesamtes ergaunertes Vermögen nicht nur einfrieren, sondern unverzüglich den Ägyptern zurückgeben. Bin überzeugt, dass mit einem Schlag alle Auslandsschulden getilgt wären. Auch seinen Vasallen sofort das Geld konfiszieren und dem jetzigen Staat ausliefern. Allein mit diesen Geldern, könnte man Ägypten modernisieren. Leute Lesen und Schreiben beibringen, Berufsschulen bilden, Militärs aus der Wirtschaft halten und deren Betriebe in Volkshand, jedoch an ägyptische Wirtschaftsfachleute leitend übergeben. Mit positiven Ergebnissen zu Gunsten des Volkes kann gerechnet werden. Viel Erfolg, dem großen ägyptischen Volk, von dem der Rest der Welt früher und heute Vieles erlernte.
4. Noch ein überflüssiger Artikel auf Spon
blibla 15.02.2011
Da wurde der gute Herr Gebauer wohl nach Sharm el-Sheikh geschickt, um die ganz heiße Mubarak-Story zu bringen - und was kam raus? Ganz viel heiße Luft. Kleiner Tipp: Wenn man nichts herausgefunden hat, muss man auch keinen Artikel darüber schreiben. Und wenn dieses nichts dann auch noch heißt, angeblich würde ein abgesetzter Diktator Donuts zum Frühstück essen, dann frage ich mich schon, ob ich nicht doch eher auf der Seite eines ganz anderen Blattes gelandet bin...
5. Endlich frei?
aronsperber 15.02.2011
Bisher waren die ägyptischen „Schwestern“ gezwungen, sich freiwillig zu verschleiern. http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/02/13/endlich-frei/ Nun haben sie endlich die Freiheit, sich politisch mit ihren „Brüdern“ für die Zwangsverschleierung aller Ägypterinnen zu engagieren.
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Scharm al-Scheich: Mögliches Anwesen von Husni Mubarak

Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Adli Mansur (interimistisch)

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

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