Mubarak-Prozess Im Rollstuhl zum Plädoyer

Der Prozess gegen Husni Mubarak rückt seinem Ende entgegen. Die Verteidiger begannen ihre Plädoyers. Sie wiesen den Vorwurf zurück, wonach der frühere ägyptische Präsident die Tötung von Demonstranten angeordnet hat. Mubarak verfolgte die Verhandlung erstmals im Rollstuhl.

Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude
AP

Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude


Kairo - Im Prozess gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak haben am Dienstag die Plädoyers der Verteidiger begonnen. Das bestätigte ein Anwalt, der an dem hinter verschlossenen Türen stattfindenden Prozess teilnimmt.

Mubarak sei diesmal in einem Rollstuhl zum Prozess erschienen, hieß es. Bislang hatte der gesundheitlich angeschlagene 83-Jährige dem Prozess, der im August begonnen hatte, stets liegend beigewohnt.

Der Verteidiger bezeichnete den gestürzten ägyptischen Machthaber als "sauberen" Staatschef. Mubarak habe unermüdlich für das Wohl seines Landes gearbeitet, sei jetzt aber Opfer böswilliger Anschuldigungen, sagte Farid al-Deeb in seinem Eröffnungsplädoyer am Dienstag. Er fordere Gerechtigkeit für Mubarak.

Die Verteidigung will in den kommenden Tagen herausstreichen, dass in dem Verfahren kein einziger Beweis für die Schuld Mubaraks vorgelegt worden sei. Dem langjährigen Machthaber wird vorgeworfen, er habe im Januar vergangenen Jahres den Befehl gegeben, Teilnehmer der gegen ihn gerichteten Massenproteste auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo zu töten.

Al-Deeb sagte in seinem Plädoyer nach Informationen des Nachrichtenportals der ägyptischen Zeitung "Al-Masry Al-Yom": "Mubarak hat immer die Unabhängigkeit der ägyptischen Justiz unterstützt und für diese Unabhängigkeit gekämpft." Es sei unmöglich, dass jemand wie Mubarak die Tötung von Demonstranten angeordnet habe.

Vor dem Gerichtssaal waren am Dienstag erneut Hunderte von Angehörigen getöteter Demonstranten erschienen. In Sprechchören forderten sie die Todesstrafe für Mubarak und die anderen Angeklagten. Auch einige Anhänger des Ex-Präsidenten standen vor dem Gebäude, das auf dem Gelände einer Polizeiakademie liegt.

Ankläger wollen Tod durch den Strang

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer die Todesstrafe für Mubarak gefordert, der nach der Protestwelle im vergangenen Februar vom Militär zum Rücktritt gedrängt worden war. Der Staatsanwalt argumentierte, dass es angesichts der damals geltenden Befehlskette unmöglich gewesen sei, dass die Angriffe ohne Mubarak geplant worden seien. Mehr als 800 Menschen kamen dabei ums Leben.

Außer Mubarak sind in dem Verfahren auch seine beiden Söhne, der Ex-Innenminister Habib al-Adli und weitere Ex-Funktionäre angeklagt. Ihnen wird Beteiligung an der Tötung der Demonstranten und Korruption vorgeworfen. Die Plädoyers der Verteidiger sollen noch bis Sonntag fortgesetzt werden.

ler/dpa/dapd



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.