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Mubarak-Rücktritt: Obama wandelt sich zum Freund der Revolution

Von , Washington

Lange fand das Weiße Haus keine klare Haltung zum Umbruch in Ägypten. Nun ist Diktator Mubarak endlich weg, und US-Präsident Obama schlägt sich entschlossen auf die Seite der Demonstranten. Er fühlt sich an den Fall der Berliner Mauer erinnert. Doch seine Regierung bleibt wegen des radikalen Wandels besorgt.

Die Bilder zeigen die Straßen von Kairo, doch im US-Fernsehen geht es irgendwie um Berlin. "Es ist ein klarer Berlin-Moment", ruft NBC-Moderatorenstar Brian Williams, er macht aus seiner Begeisterung keinen Hehl. Die ägyptischen Demonstranten schreien arabische Worte, doch Williams erklärt lieber im Detail, wie der Stand der deutschen Wiedervereinigung über zwanzig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer aussieht.

"Deutschland steht blendend da", erklärt der TV-Mann, "das zeigt doch, dass so ein radikaler Umbruch gelingen kann." Immerhin sei die große Wirtschaftsgeschichte dieser Woche, dass die Deutschen nun sogar die New Yorker Börse übernehmen wollten. Eine Revolution mit Happy End also, schlussfolgert Williams. Das müsse den Demonstranten in Kairo doch Mut machen.

Die Amerikaner lieben solche historischen Vergleiche - auch, weil sie dabei irgendwie immer ein Argument finden, wie sehr die USA den Wandel mit angestoßen haben.

Auch US-Präsident Barack Obama verwandelt seine erste Ansprache nach dem Rücktritt Mubaraks in ein kleines Geschichtsseminar. "Die Töne dieses Wandels waren rein ägyptisch, doch man hört das Echo der Geschichte", sagt er.

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Jubel nach Mubarak-Rücktritt: Volksfest auf Kairos Straßen
Obama erinnert an den Fall der Berliner Mauer, an den Umbruch in Indonesien, an den Widerstand von Mahatma Gandhi gegen die Briten, an Bürgerrechtler Martin Luther King. "Etwas in der menschlichen Seele schreit nach Freiheit", ruft Obama.

Washington hat den Spaß an der Revolution entdeckt. Keith Ellison, demokratischer Kongressabgeordneter aus Minnesota, twittert: "Wenn die Menschen zusammen stehen, sind sie nicht zu bezwingen." Nancy Pelosi, ehemalige Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, jubelt: "Die Handlungen der Bürger in Ägypten sind eine Inspiration für die ganze Welt."

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Obama selbst legt in seine sechs Minuten lange Ansprache alles, was viele Beobachter in den vergangenen Wochen vermisst haben. Überschwängliches Lob für die Demonstranten, "die uns inspiriert haben". Tiefen Respekt für Ägyptens neue Rolle in der Welt.

Nicht einmal ein Wort des Dankes findet er dagegen für Husni Mubarak - bis vor rund drei Wochen immerhin noch einer der engsten amerikanischen Verbündeten. Obama schaut lieber nach vorne: "Dies ist nicht das Ende von Ägyptens Übergang, es ist erst der Anfang." Aus seinen Worten klingt die Erleichterung heraus, dass das Mubarak-Dilemma für ihn zumindest vorläufig zu einem Ende gekommen zu sein scheint.

Mubarak enttäuscht die Erwartungen

Denn die vergangenen Wochen waren auch für den US-Präsidenten eine Achterbahnfahrt. Am Donnerstag erst hatte der ägyptische Herrscher das Weiße Haus ein letztes Mal düpiert. CIA-Chef Leon Panetta sagte da bei einer Anhörung im Kongress: "Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass Husni Mubarak an diesem Abend zurücktritt".

Obama gab sich bei einem Auftritt in Michigan ähnlich zuversichtlich: "Wir erleben gerade, wie Geschichte gemacht wird", sagte der Präsident.

Doch wieder enttäuschte Mubarak die Erwartungen. Mit jeder Minute seiner Donnerstag-Ansprache wurde klarer, dass der Ewig-Diktator keineswegs sofort das Handtuch werfen wollte. Obama verfolgte die Rede auf dem Rückflug nach Washington im Konferenzraum der "Air Force One".

Danach veröffentlichte er eine wütende Stellungnahme, darin stand etwa: "Zu viele Ägypter sind nicht überzeugt, dass ihre Regierung es mit dem Übergang zu einer echten Demokratie ernst meint." Die Führung des Landes müsse sich endlich seinen Bürgern erklären, forderte Obama - und auch dem Rest der Welt.

Nun herrscht Klarheit und Washington hofft, dass mit Mubaraks Abgang auch sein zögerliches Krisenmanagement in Vergessenheit gerät. Zu Beginn der Proteste hatte Außenministerin Hillary Clinton die Regierung in Kairo noch "stabil" genannt. Obama verkniff sich lange eine klare Stellungnahme über die Zukunft von Mubarak.

Die US-Regierung wollte zwar einen Neuanfang in Ägypten. Der sollte aber nicht überstürzt geschehen, immerhin war Mubarak lange ein extrem wichtiger Verbündeter. Auch wollte man andere Vertraute in der Region nicht verschrecken, schließlich werden sie noch gebraucht.

Doch auf den Straßen von Kairo wuchs der Frust über die Amerikaner, die sich nicht auf die Seite der Demonstranten stellten.

"In einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung jünger als 24 Jahre alt ist, zerstören wir unsere Verbindungen zur jungen Generation", warnte "New York Times"-Kolumnist Nicholas Kristof. Nun will Obama diese Menschen wieder erreichen. Man werde "alles tun", um Ägypten beim demokratischen Übergang zu unterstützen, versprach der Präsident.

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insgesamt 139 Beiträge
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1. .
anon11 12.02.2011
Zitat von sysopLange fand das Weiße Haus keine klare Haltung zum Umbruch in Ägypten. Nun ist Diktator Mubarak endlich weg, und Obama schlägt sich entschlossen auf die Seite der Demonstranten. Doch die US-Regierung bleibt wegen des radikalen Wandels besorgt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745131,00.html
Was bleibt ihm denn anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen, wenn der gestern noch unterstützte Diktator schon gestürzt ist. Verlogen wie eh und jeh.
2. ....
Pepito_Sbazzagutti 12.02.2011
"Obama wandelt sich zum Freund der Revolution" Erstmal abwarten und dann sein Fähnchen nach dem Wind hängen - Politik mit Rückgrat. Bravo, Mr. President. Und jetzt sehen Sie mal zu, dass Sie schnell einen servilen Mubarak-Nachfolger finden, damit sich die Börse beruhigt und die Geschäfte normal weiterlaufen können.
3. hier sollte ein titel stehen
nadie 12.02.2011
jetzt wo die katze dem baum oben ist, mubarak entmachtet und die weichen für das kommende zu stellen sind, schlägt sich obama auf seiten der revolution, wow wenn er noch länger gewartet hätte, müsste er schon die nachfolgeregierung begrüßen
4. Auf Thema antworten
donfuan, 12.02.2011
Am Ende war er also schon immer dafür - ein Fähnlein im Winde, aber was anderes sind wir ja aus Berlin auch nicht mehr gewöhnt. Wir brauchen wieder FORMAT in der Politik.
5. Falsch
Thomas Kossatz 12.02.2011
Zitat von sysopLange fand das Weiße Haus keine klare Haltung zum Umbruch in Ägypten. Nun ist Diktator Mubarak endlich weg, und Obama schlägt sich entschlossen auf die Seite der Demonstranten. Doch die US-Regierung bleibt wegen des radikalen Wandels besorgt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745131,00.html
SPON irrt. Da die amerikanische Regierung sowenig wie SPON wissen konnte, wie es ausgeht, war man schlicht vorsichtigt. Und die Rede Miubaracks hat nocheinmal deutlich gemacht, das die ägyptische Nomenklatura mal wieder "ausländische Regierungen" der Aufwiegelung beschuldigen wollte. Deshalb war Zurückhaltung geboten. Es ist übrigens interessant nachzulesen, wie sich 2003 der Grüne Fischer zu Mubarack geäußert hat, als er das Land besuchte: Deutlich weniger kritisch als Merkel und Westerwelle. "Er sei mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak einig, dass die moderaten arabischen Länder dazu ihre Kräfte bündeln sollten. " http://www.n-tv.de/politik/Heute-Aegypten-article107045.html Aha!
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Jubel nach Mubarak-Rücktritt: Volksfest auf Kairos Straßen


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