Netanyahu warnt Iran "Fordern Sie uns nicht heraus"

"Der Countdown hat begonnen": Israels Premier Netanyahu warnt auf der Sicherheitskonferenz vor der wachsenden Gefahr durch Iran. Außenminister Sarif sparte sich jede Reaktion.


Benjamin Netanyahu hat in Israel gerade viel Ärger. Die Polizei will ihn auf der Anklagebank sehen wegen Korruption. Der Premier weist alle Vorwürfe brüsk von sich - und sucht die internationale Bühne. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz warnte der 68-Jährige Iran mit scharfen Worten vor einer Eskalation im Nahen Osten.

"Fordern Sie uns nicht heraus", sagte Netanyahu. Er richtete seine Worte dabei an den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif, der ebenfalls auf der Sicherheitskonferenz ist. Netanyahu hielt dabei ein Metallteil hoch, das nach seinen Worten Teil einer iranischen Drohne war.

"Herr Sarif, erkennen Sie das? Sie sollten es. Es gehört Ihnen", sagte er an dessen Adresse. "Stellen Sie Israels Entschlossenheit nicht auf die Probe", warnte er Sarif, der während der Rede nicht im Saal war.

Israels Luftwaffe hatte vor einer Woche mehrere Luftangriffe in Syrien geflogen und dabei nach eigenen Angaben syrische und iranische Stellungen ins Visier genommen - Auslöser war demnach eine iranische Drohne, die von Syrien aus in den israelischen Luftraum eingedrungen sei. (Hier lesen Sie mehr zu dem Vorfall)

Israel werde es nicht zulassen, dass Iran eine "dauerhafte militärische Präsenz in Syrien" aufbaut, sagte Netanyahu. "Wir werden es nicht zulassen, dass Iran eine neue Terrorbasis aufbaut, die uns bedroht."

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Netanyahu warnte, Israel werde "wenn nötig" nicht nur die "Stellvertreter" Irans bekämpfen, sondern "auch Iran selbst angreifen". Teheran unterstützt in Syrien die schiitische Hisbollah-Miliz, die an der Seite von Präsident Baschar al-Assad kämpft.

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Netanyahu warnte zudem erneut vor dem iranischen Atomprogramm. Trotz des internationalen Atomabkommens zu dessen Beschränkung sei Iran "noch eine große Gefahr".

Netanyahu preist Zusammenarbeit mit arabischer Welt

Teheran arbeite weiter an der Entwicklung ballistischer Raketen. "Sobald Iran Atomwaffen zur Verfügung stehen, kann seine Aggression nicht mehr kontrolliert werden", sagte Netanyahu. Der "Countdown" habe schon begonnen.

Zugleich habe die von Iran ausgehende Gefahr einen "positiven Effekt", weil sie Israel und die arabischen Länder in der Region näher zusammengebracht habe, sagte er. Vielleicht entstehe daraus sogar eine "größere Chance" für einen Frieden mit den Palästinensern.

Irans Außenminister Sarif machte sich kurz nach der Rede Netanyahus noch nicht mal die Mühe, auf die Vorwürfe zu reagieren. Die Konferenz, so Sarif, habe heute morgen "einen Zirkus wie in einem Comic" erlebt. Diese Show verdiene es nicht einmal, so Sarif, "ernsthaft darauf zu reagieren".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, Irans Außenminister habe während der Rede von Benjamin Netanyahu im Publikum gesessen. Dies war nicht der Fall.

dop/mgb/AFP/Reuters



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