Wahl in der Türkei Gegenkandidat Ince räumt Niederlage gegen Erdogan ein

Er war der Hoffnungsträger der türkischen Opposition, trotzdem verlor er schon im ersten Wahlgang: Muharrem Ince hat seine Niederlage gegen Amtsinhaber Erdogan eingestanden.

Muharrem Ince, Wahlverlierer gegen Erdogan
AP

Muharrem Ince, Wahlverlierer gegen Erdogan


Die Opposition bemängelte Unregelmäßigkeiten, doch die Wahlkommission ließ schon am frühen Sonntagabend kaum Zweifel am Ausgang der Wahl: Noch während die Auszählung lief, erklärte sich erst Recep Tayyip Erdogan selbst, und einige Stunden später dann die Oberste Wahlkommission den Amtsinhaber zum Sieger.

Nun hat Muharrem Ince, gemeinsamer Präsidentschaftskandidat der Opposition, seine Niederlage offiziell eingeräumt. "Ich erkenne die Wahlergebnisse an", sagte der unterlegene CHP-Kandidat Muharrem Ince am Montag in Ankara.

Laut Wahlkommission holte Ince 30,7 Prozent der Stimmen. Erdogan holte demnach mit 52,6 Prozent im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und kann weiter regieren. Vor der Wahl war spekuliert worden, ob es Ince gelingen könnte, Erdogan in einen zweiten Wahlgang zu zwingen.

Wahlergebnisse in der Türkei

Ince erneuerte den Vorwurf, das Ergebnis sei nicht korrekt zustande gekommen. Es seien Stimmen "gestohlen" worden. Auch Wahlbeobachter hatten Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung am Sonntag gemeldet. Erdogan hatte dagegen von einem "Fest der Demokratie" gesprochen.

Ince an Erdogan: "Sie vertreten 80 Millionen. Umarmen Sie alle"

Oppositionsführer Ince sagte, trotz der Unregelmäßigkeiten gebe es einen Unterschied von zehn Millionen Stimmen zwischen Erdogan und ihm, und den erkenne er an. Er selbst habe 15 Millionen Stimmen erhalten und verstehe das als Ansporn, seine Machtbasis auszubauen.

In seiner Ansprache appellierte er an Erdogan, das Land nicht weiter zu spalten und der Präsident aller Türken zu sein. "Sie vertreten 80 Millionen. Umarmen Sie alle." Ince wiederholte die Warnung der Opposition aus dem Wahlkampf, mit einem Sieg Erdogans drohe ein neues politisches System, in dem die Türkei zu einem Ein-Mann-Staat werden könnte.

cht/dpa/AFP

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