Mullah Baradar Pakistan will ranghohen Taliban freilassen

Mullah Baradar ist einer der wichtigsten Führer der afghanischen Taliban. Er sitzt seit drei Jahren in Pakistan in Haft. Nun will die Regierung in Islamabad den Vize von Mullah Omar freilassen - auf Drängen von Afghanistans Präsident Karzai.


Islamabad - Die pakistanische Regierung will den früheren Vizechef der afghanischen Taliban, Mullah Abdul Ghani Baradar, aus der Haft entlassen. Pakistan plant damit nach eigenen Angaben, einen Friedensprozess im Nachbarland unterstützen. Baradar werde aber in Pakistan bleiben, sagte der Nationale Sicherheits- und außenpolitische Berater, Sartaj Aziz, am Dienstag in Islamabad. "Die Entscheidung ist gefallen, ihn freizulassen, um den afghanischen Versöhnungsprozess zu unterstützen." Die afghanische Regierung hatte von Pakistan Baradars Freilassung gefordert.

Aziz sagte weiter: "Der Zeitpunkt der Freilassung steht nicht fest." Sie könnte aber noch in diesem Monat erfolgen. Bis zu seiner Festnahme Anfang 2010 in der südpakistanischen Hafenstadt Karatschi war Baradar der Stellvertreter von Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar. Die afghanische Regierung verspricht sich von Baradars Freilassung Impulse für einen Friedensprozess mit Mullah Omars Taliban. Der untergetauchte Taliban-Chef wird ebenfalls in Pakistan vermutet.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hatte die pakistanische Regierung bei einem Besuch in Islamabad im vergangenen Monat gedrängt, Verhandlungen der Taliban mit seiner Regierung zu unterstützen. Karzais Regierung fordert die Freilassung aller afghanischen Taliban-Kämpfer aus pakistanischer Haft.

Pakistan hatte erst am Wochenende sieben afghanische Taliban freigelassen. Im vergangenen Jahr waren 16 afghanische Aufständische aus pakistanischer Haft entlassen worden. Experten bezweifeln, ob die Freilassungen tatsächlich dazu beitragen können, einen Friedensprozess in Gang zu bringen.

Kabul setzt auf Verhandlungen

Karzai bemüht sich seit Jahren um Friedensgespräche mit den Aufständischen, die direkte Verhandlungen mit seiner Regierung bislang ablehnen. Die Taliban begründen das damit, dass sie Karzai für einen Handlanger der USA halten.

Nach dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan Ende 2001 hatten sich hochrangige Taliban um Mullah Omar in der südwestpakistanischen Stadt Quetta gesammelt. Von dort aus organisierte die sogenannte Quetta-Schura den Aufstand in Afghanistan. Afghanistan warf Pakistan immer wieder vor, nicht gegen den Führungsrat der Taliban vorzugehen.

Pakistan wertete die Festnahme Baradars 2010 als Beleg, dass diese Anschuldigung haltlos sei. Danach war aber der Verdacht aufgekommen, dass Baradar für Verhandlungen offen gewesen sein könnte und der pakistanische Geheimdienst ISI Friedensgespräche durch die Festnahme möglicherweise torpedieren wollte.

Nach Schätzungen von Interpol war Baradar bei seiner Festnahme ungefähr 42 Jahre alt. Wie Mullah Omar stammt er aus der südafghanischen Provinz Urusgan.

ler/dpa



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
emeticart 10.09.2013
1. Da ...
... fällt einem nun wirklich nichts mehr zu ein ...! Ich bin sprachlos. MfG
mundi 10.09.2013
2. War er verurteilt?
Zitat von sysopMullah Baradar ist einer der wichtigsten Führer der afghanischen Taliban. Er sitzt seit drei Jahren in Pakistan in Haft. Nun will die Regierung in Islamabad den Vize von Mullah Omar freilassen - auf Drängen von Afghanistans Präsident Karzai. http://www.spiegel.de/politik/ausland/mullah-baradar-pakistan-will-ranghohen-taliban-freilassen-a-921525.html
Die Frage, die sich hier stellt: War Mullah Bardar von einem Gericht zur Gefängnisstrafe verurteilt worden und wird begnadigt? Oder sitzt er, wie viele in Guantanamo, ohne Anklage und Urtei im Gefängnis?
angst+money 11.09.2013
3. Und sich dann über Drohnen beschweren
Bei dieser Basar-Mentalität zählen Menschenleben eher am Rande. Und die vielzitierten "Hochzeitsgesellschaft(en?)", die amerikanischen Bomben zu Opfer fiel(en), sind im Vergleich zur 'Bilanz' der Taliban leider nur ein kleiner Klacks, was immer wieder von interessierter Seite tunlichst übergangen wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.