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Multimilliarden-Schatz: USA finden riesige Rohstofflager in Afghanistan

Kupfer, Lithium, Eisen, Gold: Die USA haben wertvolle Bodenschätze in Afghanistan entdeckt. Die Mineralvorkommen sind nach ersten Schätzungen fast eine Billion Dollar wert. US-Militärs schwärmen schon vom Aufschwung in dem zerrütteten Land - sie brauchen dringend gute Nachrichten von der Front.

Rohstoffe in Afghanistan: Reiche Schätze eines armen Landes Fotos
REUTERS

Washington - Das karge Afghanistan ist reich an Bodenschätzen. Erst investierte in den achtziger Jahren die Sowjetunion massiv, dann spekulierten die Taliban auf die Ausbeutung - nun brüsten sich die USA mit einer Sensationsmeldung: US-Geologen hätten einer Untersuchung zufolge riesige Mineralvorkommen entdeckt. Schätzwert: fast eine Billion Dollar.

Die Funde böten "atemberaubende Möglichkeiten", schwärmt General David Petraeus, US-Kommandeur für die Weltregion. Die Vorräte an Kupfer, Lithium, Eisen, Gold und Kobalt reichten aus, um das von Kriegen und Bürgerkrieg zerstörte Land zu einem der weltweit führenden Rohstoffexporteure zu machen.

Schon im Februar, als erste Ergebnisse der Studie bekannt wurden, hatte Präsident Hamid Karzai seinem Land eine blühende Zukunft verheißen. "Ich habe sehr gute Nachrichten für die Afghanen", sagte er in Kabul auf einer Pressekonferenz. "Vorläufige Zahlen zeigen, dass unsere Mineralienvorräte 1000 Milliarden Dollar wert sind - nicht Millionen, sondern Milliarden."

Jetzt stehen die endgültigen Ergebnisse der geologischen Untersuchung fest. Und ihnen zufolge verfügt Afghanistan über mindestens so große Lithium-Reserven wie bisher nur Bolivien. Es habe damit das Potential, zum "Saudi-Arabien für Lithium" zu werden, zitierte die "New York Times" aus einem internen Bericht des US-Verteidigungsministeriums. Lithium wird für wieder aufladbare Batterien gebraucht - für Handys, Laptops oder Elektroautos. Auch die Eisen- und Kupferadern sind demnach groß genug, um das Land zu einem Weltmarktführer zu machen. Die Funde könnten "das Rückgrat unserer Wirtschaft werden", sagt der Berater des afghanischen Bergbau-Ministeriums, Dschalil Dschumriani.

Endlich eine Erfolgsmeldung aus dem umkämpften Land

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama braucht dringend genau solche Nachrichten aus Afghanistan - Positives aus einem Land, das sonst vor allem mit Meldungen über Terror und Krieg Schlagzeilen macht. Die Kämpfe fordern zu viele Tote, der Feldzug des Westens kostet Milliarden und ist in allen Ländern politisch umstritten. In der vergangenen Woche starben innerhalb von 24 Stunden zwölf Nato-Soldaten, erst am Sonntag wurden Bundeswehrsoldaten bei einem Anschlag westlich von Kunduz schwer verletzt. Immer wieder sterben Zivilisten.

Noch in diesem Jahr soll begonnen werden, der afghanischen Armee und Polizei Verantwortung für die Sicherheit in Teilen des Landes zu übertragen. Nur fehlen allein für das Training noch 450 von 2300 Ausbildern. Die internationalen und afghanischen Truppen sollen im Sommer eine Großoffensive gegen die Taliban in Kandahar starten - aber "der Sommer kommt, Washington ist beschäftigt mit anderen Dingen, und in Afghanistan sieht es nicht gut aus", schreibt die "Washington Post" am Montag. Auch auf der politischen Ebene geht es nicht voran. Afghanistans Präsident Hamid Karzai entließ zuletzt seinen Innenminister und seinen Geheimdienstchef, nachdem die Taliban eine wichtige Friedenskonferenz in Kabul mit Raketen angriffen.

Die "Wiedergeburt" von Afghanistan?

Was bedeutet der Rohstofffund in dieser Situation? Afghanistan gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und ist abhängig von internationalen Hilfsgeldern. Noch immer ist der illegale Handel mit Opium in einigen Regionen die wichtigste Einnahmequelle. Experten weisen schon länger darauf hin, dass Afghanistan über riesige ungehobene Bodenschätze verfügt, die das bitterarme Land zu einem potentiell reichen machen. Die jetzigen Funde machen da neue Hoffnung.

Die Metallreserven wurden von Vertretern des US-Verteidigungsministeriums und US-Geologen entdeckt - laut "New York Times" mit Hilfe von Karten- und Datenmaterial sowjetischer Bergbau-Experten, die noch aus der Zeit der Besatzung in den achtziger Jahren stammen. Nach dem Rückzug der Roten Armee und dem darauffolgenden Chaos hätten afghanische Geologen die Karten an sich genommen und bis nach dem Sturz der Taliban Ende 2001 geheim gehalten.

Dass die Förderung nun schnell beginnen kann, ist aber nicht zu erwarten. Experten warnen in der Zeitung, weil Afghanistan keine Bergbauindustrie habe, könne es Jahrzehnte dauern, bis die Vorkommen ganz erschlossen werden. Außerdem gilt als keineswegs sicher, dass der Westen zum Zug kommt. China drängt in das Land. Eine chinesische Staatsfirma hat sich schon die Rechte an der Kupfermine Aynak in der Provinz Logar gesichert. 700 Millionen Tonnen Erze sollen in Aynak liegen, vor allem Malachit, mit einem Kupfergehalt, der höher ist als in den großen chilenischen Minen. Der Bergbauminister sprach anlässlich der Ausbeutung dieses Vorkommens schon von der "Wiedergeburt" seines Landes. Und auch die Russen kehren nach Afghanistan zurück - als Investoren. Der Rosneft-Konzern hat Studien in Auftrag gegeben, um die Gasfelder von Djarkuduk und Shibarghan zu erschließen, drei russische Wasserkraftwerke sind in der Planung.

Der Run auf die Rohstoffe hat auch seine problematischen Seiten. Die Vorkommen verteilen sich laut "New York Times" über das gesamte Land - also auch auf den Süden und Osten an der Grenze zu Pakistan, wo der Aufstand der Taliban-Rebellen besonders ausgeprägt ist. Extremisten könnten in den Regionen nun härter kämpfen, um Kontrolle über die Rohstoffe zu gewinnen.

Außerdem sind die Arbeitsbedingungen bei der Ausbeutung oft erbärmlich. Die meisten Kohlegruben des Landes zum Beispiel werden illegal betrieben, die Zustände in den Schächten und Stollen sind erschütternd. Oft arbeiten auch Kinder in der staubigen Schattenwelt.

kgp/kaz/AFP/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 304 Beiträge
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1. Avatar
Nikolai C.C. 14.06.2010
Ich habe nach langem Zögern mir gestern den Kinofilm Avatar angeschaut und sah Paralleln, vergessen wir nicht, ein Hollywood Blockbuster...
2. Atemberaubend....
promedico 14.06.2010
"Atemberaubende Möglichkeiten" - aha - für wen? "Die Militärs schwärmen schon von einem Aufschwung" - klar, für die gibt's ja dann dort noch viel zu tun!
3. .
frubi 14.06.2010
Zitat von sysopKupfer, Lithium, Eisen, Gold: Die USA haben wertvolle Bodenschätze in Afghanistan entdeckt. Die Mineralvorkommen sind nach ersten Schätzungen fast eine Billion Dollar wert. US-Militärs schwärmen schon vom Aufschwung in dem zerrütteten Land - sie brauchen dringend gute Nachrichten von der Front. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,700503,00.html
Wieso ist das denn eine gute Nachricht für die US-Militärs? Sollte das nicht eine gute Nachricht für das afghanische Volk sein? Ach ne, ich vergas. Die afghanische Bevölkerung interessiert ja niemanden. Sind ja alles Terroristen.
4. ....
Neurovore 14.06.2010
Zitat von sysopKupfer, Lithium, Eisen, Gold: Die USA haben wertvolle Bodenschätze in Afghanistan entdeckt. Die Mineralvorkommen sind nach ersten Schätzungen fast eine Billion Dollar wert. US-Militärs schwärmen schon vom Aufschwung in dem zerrütteten Land - sie brauchen dringend gute Nachrichten von der Front. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,700503,00.html
"Entdeckt"? Es ist doch seit Jahren bekannt, daß Afghanistan immense Bodenschätze aufweist. Das wurde bloß immer bewußt verschwiegen, bzw. zum Teil auch geleugnet... PS: Man sollte mal nachschauen, on Irak Erdölvorkommen hat..
5. Bleibt zu hoffen
Frederik72 14.06.2010
das Afghanistan nicht den selben Fehler wie andere Länder macht und die Lizenzen an ausländische Investoren verschachert sondern selbst vom Rohstoffreichtum profitiert.
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Bodenschätze in Afghanistan (Stand Ende 2009)

Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.


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Präsident Karzai: "Härtester Job der Welt"

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