Mungobohnen statt Mohn Rekord-Drogenfund entpuppt sich als peinliche Verwechslung

Es schien der größte Drogenfund seit Beginn der Militäroffensive in Afghanistan zu sein: Britische Soldaten beschlagnahmten nach tagelangen Kämpfen angeblich hundert Tonnen Mohnsaat. Doch in Wahrheit handelt es sich einem Zeitungsbericht zufolge um harmlose Bohnen.


Kabul - Ein schwerer Schlag gegen den Drogenhandel - oder eine peinliche Verwechslung? Afghanische und internationale Soldaten hatten in der vergangenen Woche einen Riesenerfolg zu vermelden: Bei Kämpfen um die Kontrolle über einen Basar in der Provinz Helmand sei die bislang größte Rauschgiftmenge in der Geschichte des Landes sichergestellt worden.

Darunter seien 75 Tonnen Mohnsaat und 17 Tonnen Morphium, Opium und Heroin gewesen, teilte die US-Armee mit. Bei dem viertägigen Einsatz wurden den Angaben zufolge 60 Aufständische getötet.

Doch offenbar verbirgt sich hinter den Massen an Mohnsaat ein harmloser Fund: Der britische "Guardian" berichtet, dass der größte Teil des beschlagnahmten Guts aus Mungobohnen bestand. Die Zeitung stützt sich auf eine Analyse der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno (FAO), deren Mitarbeiter Stichproben untersucht hatten. Britische Behörden hätten den Fehler bereits eingeräumt, schreibt der "Guardian" weiter.

Der Rauschgifthandel stellt eine der wichtigsten Einnahmequellen für die Taliban dar. Dadurch fließen ihnen nach Schätzungen des US-Militärs jährlich 80 bis 400 Millionen Dollar in die Kasse. Aus Afghanistan stammen mehr als 90 Prozent der weltweiten Opiumproduktion, der größte Teil wird in den Taliban-Hochburgen im Süden des Landes hergestellt.

Die USA hatten zu Beginn der Woche einen grundlegenden Kurswechsel in der Drogenpolitik in Afghanistan angekündigt. Die USA würden künftig nicht mehr auf die Vernichtung der Mohnernte setzen, sondern versuchen, das Rauschgift und zu dessen Herstellung notwendige Chemikalien abzufangen, sagte der Afghanistan- und Pakistan-Beauftragte der US-Regierung, Richard Holbrooke, am Montag in Triest. Zudem werde man verstärkt gegen die Drogenkartelle vorgehen.

Über die neue Strategie debattierte Holbrooke auch mit den Teilnehmern des Afghanistan-Treffens der G8. "Die westliche Politik gegen die Opiumernte ist gescheitert", sagte Holbrooke. "Sie hat den Taliban kein bisschen Schaden zugefügt, aber die Bauern arbeitslos gemacht." Künftig würden die USA die Vernichtung von Schlafmohn, dem Grundstoff für Heroin, nicht mehr unterstützen. "Damit machen wir Schluss."

Das Scheitern der Anti-Drogen-Politik wird auch durch Zahlen der Vereinten Nationen untermauert. Trotz millionenschwerer Gegenprogramme sei die Produktion bis 2008 stetig gestiegen. Sie habe sich seit Beginn der US-Invasion 2001 vervierzigfacht. Der oberste Uno-Drogenbekämpfer Antonio Maria Costa bezeichnete die US-Drogenpolitik am Hindukusch als traurigen Witz. "Traurig deshalb, weil viele afghanische Polizisten und Soldaten getötet und nur etwa 5000 Hektar zerstört wurden." Das entspreche etwa drei Prozent der Mohnanbaufläche.

amz/Reuters

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