Kairo - Sie schwenken ägyptische Flaggen und recken Fotos ihres Staatsoberhaupts in die Höhe: Mehr als zehntausend Anhänger von Präsident Mohammed Mursi sind am Samstag in der ägyptischen Hauptstadt Kairo auf die Straßen gegangen, um ihre Unterstützung für die Regierung zu demonstrieren. Aus dem ganzen Land strömten Islamisten in die Metropole.
"Die Menschen unterstützen die Entscheidung des Präsidenten", riefen die Demonstranten vor der Universität von Kairo. Sie bezogen sich damit auf die Dekrete, mit denen sich Mursi vergangene Woche fast unbegrenzte Macht verliehen hatte. Die Demonstranten stellten sich auch hinter einen umstrittenen Verfassungsentwurf der Verbündeten von Mursi.
Die Muslimbruderschaft, der auch Mursi angehört, reagierte mit den Kundgebungen auf Großdemonstrationen der Opposition. Wie der politische Arm der Muslimbrüder, die Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, mitteilte, sollten Protestzüge an verschiedenen Moscheen starten und die Menschen zum Nahda-Platz führen.
Muslimbruderschaft rechnet mit enormem Zulauf
Der Streit um die künftige ägyptische Verfassung und Mursis autoritärer Führungsstil haben das Land gespalten. Am frühen Freitagmorgen hatte die von Islamisten beherrschte verfassunggebende Versammlung im Schnellverfahren alle 234 Artikel eines Entwurfs gebilligt, mit dem unter anderem die Rolle der islamischen Religionsgelehrten bei der Gesetzgebung gestärkt werden soll. Kritiker befürchten eine strengere Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, die weiterhin wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleibt.
In einem Referendum sollen die Ägypter innerhalb von zwei Wochen über die Verfassung abstimmen. Beobachter rechnen mit einer Mehrheit für den Entwurf, der in Abwesenheit der christlichen Parlamentarier sowie vieler liberaler und linker Abgeordneter erarbeitet wurde.
Die Muslimbruderschaft rechnet nach eigenen Angaben für ihre Kundgebungen mit enormem Zulauf. In vielen Städten hatten Aktivisten der gut organisierten Bewegung Flugblätter verteilt und die Menschen dazu aufgerufen, mit ihrer Teilnahme an den für heute geplanten Protesten für das islamische Recht einzutreten.
Ursprünglich wollten auch die Islamisten auf dem Tahrir-Platz demonstrieren, wegen befürchteter Zusammenstöße mit Gegendemonstranten änderten sie den Ort für ihre Kundgebungen aber. Viele Ägypter fürchten, dass es zu Gewalt zwischen Mursi-Anhängern und Gegnern des Staatsoberhaupts kommen könnte.
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