Ägypten: Muslimbrüder treten doch zur Präsidentenwahl an

Nun also doch: In Ägypten tritt die zur Muslimbruderschaft zählende Partei für Freiheit und Gerechtigkeit mit einem eigenen Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl an. Im Parlament sind die Islamisten schon die stärkste Fraktion.

Chairat al-Schater: Der 61-Jährige kandidiert für die ägyptische Präsidentschaft Zur Großansicht
REUTERS

Chairat al-Schater: Der 61-Jährige kandidiert für die ägyptische Präsidentschaft

Kairo - Die ägyptischen Muslimbrüder haben einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl benannt. Für sie tritt bei der Wahl am 23. und 24. Mai Chairat al-Schater an, der Millionär war bislang Vizechef der aus der Muslimbruderschaft hervorgegangenen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit. Der oberste Führer der Muslimbrüder Mohammed Badie bestätigte die Nominierung am Samstag in Kairo.

Die Muslimbruderschaft macht mit der Nominierung ein früheres Versprechen rückgängig, sich nicht um die Präsidentschaft zu bewerben. Das dürfte dem Konflikt der Muslimbrüderschaft mit dem herrschenden Militärrat verschärfen. Die überraschende Aufstellung eines eigenen Kandidaten begründete der Generalsekretär der Muslimbrüderschaft Mahmud Hussein damit, dass der "demokratische Prozess in Ägypten bedroht" sei.

Seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak durch eine breite Protestbewegung im Februar 2011 liegt die Macht beim Obersten Militärrat. Dieser hat angekündigt, die Macht nach der Präsidentschaftswahl an eine Zivilregierung abzugeben. In den vergangenen Monaten machte sich jedoch der Eindruck breit, dass die Armee ihren Einfluss auf die Regierungsgeschäfte behalten will.

Al-Schater gilt als "konservativ, aber pragmatisch"

Der Präsidentschaftskandidat Chairat al-Schater (61) ist ein vermögender Geschäftsmann. Wegen seiner Mitgliedschaft in der unter dem Mubarak-Regime verbotenen Muslimbruderschaft saß Schater mehrmals in Haft, laut "New York Times" soll er insgesamt zwölf Jahre in Haft verbracht haben. Beobachtern schätzen ihn der Zeitung zufolge als "konservativ, aber pragmatisch" ein.

Die der Muslimbruderschaft zugerechnete Partei der Freiheit und Gerechtigkeit verfügt im Parlament über 47 Prozent der Mandate. Zusammen mit anderen islamistischen Gruppen stellt sie drei Viertel der Abgeordneten. Liberale Kräfte in Ägypten und auch mehrere westliche Länder fürchten, dass eine Machtkonzentration in Händen der Muslimbruderschaft zu einer Islamisierung des Landes führen könnte.

Bei der Präsidentschaftswahl im Mai werden auch andere islamistische Kandidaten antreten, unter anderen der Salafist Hasem Abu Ismail, Anhänger einer rigorosen Auslegung des Islam, und das frühere Mitglied der Muslimbruderschaft Abd al-Munaim Abul Futuh.

lis/AFP/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Islamisten die neuen Partner des Westens
polokwane 01.04.2012
Ägypten macht zurzeit die selbe Entwicklung in Sachen Wahlen wie Tunesien durch. Die Islamisten in Tunesien jedoch, die Ennahda, konnten den Staatspräsidenten nicht stellen, sondern lediglich den Premierminister. Der Westen muss akzeptieren, dass die politischen Machtverhältnisse im arabischen Raum nun andere sind. Der Dialog mit den Muslimbrüdern bleibt die einzige Karte, die noch Deutschland hat. In Tunesien klappt dies bereits gut
2.
robinson1959 01.04.2012
Zitat von sysopAFPNun also doch: In Ägypten tritt die zur Muslimbruderschaft zählende Partei für Freiheit und Gerechtigkeit mit einem eigenen Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl an. Im Parlament sind die Islamisten schon die stärkste Fraktion. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,825060,00.html
Das hat der Westen befürchtet. Aber erst einmal abwarten was da auf ihn zu kommt. Sie gelten ja als gemäßigt. In Zukunft sehen wir, was das heißt.
3. Korruption
willi2007 01.04.2012
Die lang vom Westen gestützten Herrscher arabischer Staaten haben das Volk unterdrückt, keine Demokratie zugelassen und sich und ihren Clan schamlos bereichert. Es geht nicht um Millionen sondern um Milliarden die diese Tyrannen aus dem Volk gepresst haben. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass die Bevölkerung von dieser Gattung von Staatsführen die Schnauze gestrichen voll hat. Dass das Militär in Ägypten dem alten Sytem nachtrauert, liegt daran, dass sie Gefahr laufen, ihre Pfründe zu verlieren. Die Miltiärs haben unter den bisherigen Diktatoren prächtig gelebt.
4. das geht einem echten ägypter an die ehre...
ginfizz53 01.04.2012
Zitat von willi2007Die lang vom Westen gestützten Herrscher arabischer Staaten haben das Volk unterdrückt, keine Demokratie zugelassen und sich und ihren Clan schamlos bereichert. Es geht nicht um Millionen sondern um Milliarden die diese Tyrannen aus dem Volk gepresst haben. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass die Bevölkerung von dieser Gattung von Staatsführen die Schnauze gestrichen voll hat. Dass das Militär in Ägypten dem alten Sytem nachtrauert, liegt daran, dass sie Gefahr laufen, ihre Pfründe zu verlieren. Die Miltiärs haben unter den bisherigen Diktatoren prächtig gelebt.
um korrupt zu sein, bedarf er keiner unterstützung aus dem westen... auch die religion ist nicht die ursache der korruption, sie ist dieser nur förderlich. alles das geht an die ehre. wer schon mal auf einem basar war, weiß, dass jemand der einen anderen bei einem geschäft um 100 pfund betrogen hat, dort höher angesehen ist als jemand, der 100 leute um jeweils 10 pfund betrogen hat...
5.
lupenrein 01.04.2012
Die Militärdiktatur in Ägypten lebt von Militärhilfe aus den USA. Diese Militärhilfe ist natürlich nicht uneigennützig und an einer echten 'Demokratie' in Ägypten nicht im mindesten interessiert. Man sollte aber die Ägypter und ihr Streben nach Emanzipation ernst nehmen und die Militärhilfe durch echte Entwicklungshilfe ersetzen. Wozu braucht Ägypten ein starkes Militär ? Ich sehe weit und breit keinen Feind, der ein friedliches Ähypten angreifen wollte/könnte. Militär war noch nie und nirgends ein Garant für Frieden, im Gegenteil.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Ägypten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 9 Kommentare

Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abd al-Fattah al-Sisi

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Ägypten-Reiseseite


Fotostrecke
ElBaradei gegen Mubarak: Machtkampf in Ägypten