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Staatskrise in Ägypten: Dutzende Tote bei Schießerei vor Kaserne

Mursi-Anhänger vor Kaserne in Kairo: Schießerei mit vielen Toten Zur Großansicht
AFP

Mursi-Anhänger vor Kaserne in Kairo: Schießerei mit vielen Toten

Bei einer Schießerei in Kairo sind mehr als 30 Muslimbrüder ums Leben gekommen. Der Vorfall ereignete sich vor jener Kaserne, in der offenbar Ex-Präsident Mursi festgehalten wird. Laut dem Militär wollten die Islamisten das Gebäude stürmen.

Kairo - Ägyptens Hauptstadt Kairo wird von neuer Gewalt erschüttert. Bei einer Schießerei sind am Montagmorgen mehrere Anhänger der Muslimbrüder getötet worden. Auf sie sei bei einer Sitzblockade vor einer Militäreinrichtung geschossen worden, sagte ein Sprecher der Gruppe. In der Kaserne soll der abgesetzte Präsident Mohammed Mursi festgehalten werden.

Über die Zahl der Opfer gibt es unterschiedliche Angaben: Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums berichtete von 34 Toten. Ein Sprecher der Muslimbrüder sprach laut der Agentur Reuters von 37 Toten, die beim Morgengebet angegriffen worden seien.

Das Militär teilte im Gegensatz dazu mit, die Islamisten hätten versucht, die Kaserne zu stürmen. Dabei seien ein Offizier getötet und vierzig Soldaten verletzt worden. Fünf Demonstranten seien ums Leben gekommen.

Das Militär nahm nach eigenen Angaben etwa 200 Bewaffnete fest, die an dem Angriff auf einen Club der Republikanischen Garde beteiligt gewesen seien. Die Festgenommenen hätten unter anderem Schusswaffen und Brandsätze bei sich gehabt, hieß es in der Erklärung der Armee weiter.

Mursi war am Mittwoch nach anhaltenden Massenprotesten gegen seine Amtsführung von den Streitkräften abgesetzt worden - und steht seitdem in der Kaserne der republikanischen Garden unter Arrest.

Am Sonntagabend demonstrierten erneut Zehntausende Anhänger wie auch Gegner Mursis. Die Islamisten, die Mursi unterstützen, versammelten sich mehrheitlich vor einer Moschee im Außenbezirk Nasr City. Andere zogen vor das Verteidigungsministerium oder blockierten die Ausfallstraße zum Flughafen.

Mursi-Gegner strömten in großer Zahl auf den Tahrir-Platz. Über der Innenstadt kreisten in den Abendstunden fast ununterbrochen Helikopter, zeitweise flogen auch Kampfjets der Luftwaffe über den Tahrir-Platz. Das Spektakel sollte, wie schon in den vergangenen Tagen, die Verbundenheit der Armee mit den Mursi-Gegnern zum Ausdruck bringen.

Islamisten ziehen sich aus Verhandlungen zurück

Verletzte gab es ebenfalls bei Zusammenstößen von Mursi-Gegnern und -Anhängern im Nildelta. Laut "al-Ahram" setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein, um die verfeindeten Gruppen zu trennen.

Als Reaktion auf den Vorfall an der Kaserne zog sich die islamistische Nur-Partei aus den Verhandlungen über eine neue Regierung zurück. Zuvor hatte sie sich bereits gegen den neuen Favoriten für den Posten des Regierungschefs ausgesprochen.

Dem Sozialdemokraten Said Bahaa al-Din ist nach ägyptischen Medienberichten das Amt angeboten worden. Der Wirtschaftsjurist sagte dem Blatt, es gebe noch keine offizielle oder endgültige Entscheidung. Die Salafisten wollen für das Amt dagegen eine politisch neutrale Persönlichkeit.

Die ultrakonservative Nur-Partei war früher mit der Muslimbruderschaft verbündet, aus der Mursi stammt. Zuletzt schloss sie sich aber der Oppositionsallianz gegen den am Mittwoch vom Militär abgesetzten Präsidenten an.

Auch Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei als Vizepräsidenten lehnen sie ab, wie al-Arabija weiter berichtete. Laut "al-Ahram" sollte ElBaradei dieses Amt übernehmen. Die Ernennung von ElBaradei zum neuen Chef der Übergangsregierung war am späten Samstagabend dementiert worden.

Viele Ägypter stehen ElBaradei skeptisch gegenüber: Der Nobelpreisträger sei zu lange im Ausland gewesen und verstehe die Menschen im Land nicht, heißt es oft. Der Jurist trat 1964 in den diplomatischen Dienst seines Landes ein. 1984 kam er zur Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien, wo er 1997 zum Generaldirektor aufstieg. Die Geschicke der Behörde lenkte er bis Ende 2009.

Nach der Entmachtung Mursis soll der Übergangspräsident Adli Mansur das Land bis zu Neuwahlen führen.

fab/dpa/Reuters

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insgesamt 78 Beiträge
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1. Schöne Umschreibung für
Thomas Man 08.07.2013
Während eines friedlichen Protestes wurde auf diese Menschen während des Gebetes geschossen. Es sind knapp 50 Tote und über 100 verletzte. El-cezire hat das alles live gesendet. Wie Ärzte die verletzten in Zelten versorgten und jene zugedeckt haben, die sie nicht mehr retten konnten. Ich bitte den Schreiber sich diese Toten anzusehen, das Massaker sich anzusehen und danach seinen Artikel nochmal durchzulesen und sich dann Gedanken über die eigene Menschlichkeit zu machen.
2. Wer normale Muslime
Thomas Man 08.07.2013
als "islamisten" bezeichnet, muss natürlich für die Salafiten so sinnlose Begriffe wie "ultra-konservativ" benutzen. Das ist doch nicht mehr ernst zu nehmen. An den Autor: Sie wissen ganz genau, dass in der westlichen Hemisphäre eine Auffassung erzeugt wurde, dass die Hohe Anzahl an Todesopfer keine Rolle mehr spielt, wenn das sinnlose Wort "Islamist" vorangehängt wird. Es ist kein Geheimnis, dass die CDU diesen Putsch begrüßt und auch die Medien alles daran legen es so legitim wie möglich aussehen zu lassen. Jedoch sollten Sie sich doch mal Gedanken machen, ob das die Simplifikation vom Mord an zig friedlichen Menschen in während eines Massakers mit den Worten "Straßenschlachten" und "Islamisten" rechtfertigt. Ich hoffe sie können ihren erlesenen Wein in guter Gesellschaft in edlen Restaurants genießen, mit jenen Mitteln die Ihnen zur Verfügung gestellt wurden, damit Sie diese Verbrechen dem deutschen Volke, nicht als schön, aber als akzeptabel servieren. Guten Appetit!
3. Demokratie, nicht möglich in Ägypten
guentherprien, 08.07.2013
Wann wird es endlich klar, dass in einigen Gebieten dieser Welt demokratische Ordnungen noch nicht funktionieren, weil die Bevölkerung es nicht kann, will und versteht. Das Militär in Ägypten wird nicht zulassen, dass ihr Reichtum von Parlamentariern gekürzt wird. Nicht unter Nasser, Sadat oder Mubarak und nicht in Zukunft. Und all diejenigen, die nach Ägypten in den Urflaub fliegen unterstützen diese Entwicklung massiv...!
4. Mit Extremisten gibt es keinen Deal
chagall1985 08.07.2013
Zitat von sysopDPABei einer Demonstration in Kairo kam es offenbar zu einer Schießerei. Mehrere Muslimbrüder sollen ums Leben gekommen sein. Der Vorfall ereignete sich vor jener Kaserne, in der Ex-Präsident Mursi festgehalten wird. http://www.spiegel.de/politik/ausland/muslimbrueder-beklagen-viele-tote-nach-schiesserei-in-kairo-a-909914.html
Die KOmmetare die hier immer wieder eine Einbindung der Islamisten in die Zukunft fordern kann man wirklich nur den Realitätsbezug absprechen. Unter unserer Verfassung würden sie allesamt vom Verfassungschutz beobachtet und als Verfassungfeinde vor Gericht gebracht. Mit solchen Typen ist keine Verhandung möglich, keine Menschenwürdige Verfassung erstellbar und keine positive Zukunft möglich. Und wenn das bedeutet das sie inhaftiert, ignoriert und verhaftet werden müssen dann ist das eben so. Wenn Agypten eine Chance haben will eine menschwürdige und zukunftsweisende Verfassung zu bekommen und wirklich in der Moderne ankommen will dann geht das momentan nur in der Konfrontation. Wenn die Verfassung steht können die sich gerne zur Wahl stellen. Aber unter den Werten dieser Verfassung. Ihren Gottestatt mit Scharia und Steinzeitansichten können die dann vergessen.
5. Tja das ist erst der Anfang.
nr.42 08.07.2013
Das Problem an den Muslimbrüder ist einfach, dass dort die Mehrheit nicht aus normalen konservativen Gläubigen besteht, sondern vor allem aus den ganzen radikalen Salafisten/Islamisten und sie werden auch keine Ruhe geben. Es ist nur eine Frage der Zeit bis in den Touristenhochburgen am Roten Meer die ersten Bomben hochgehen. Was im Artikel auch nicht steht (kam aber gestern sogar in der Tagesschau), dass die Salafisten den Mohamed ElBaradei vor allem wegen seiner freizügigen Tochter ablehnen. Sie haben auch Fotos gezeigt, wo sie im Urlaub im Badeanzug (kein BIKINI) am Strand war, außerdem unterstellen sie ihm und seiner ganzen Familie, dass sie alle Alkohol trinken würden. Das sind die Hauptgründe für seine Ablehnung. Ich sehe im Moment sehr schwarz für Ägypten und da die Anzahl der ganzen Radikalen gar nicht so gering ist, wird es noch Ewigkeiten dauern bis sich da vll was bewegt und das Land zur Ruhe kommt.
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