Proteste nach Freitagsgebeten: Ägyptens Armee warnt Muslimbrüder vor Exzessen

Ägyptens Islamisten rufen zum Widerstand gegen das Militär auf. Nach den Freitagsgebeten planen ihre Anhänger Proteste gegen den Sturz von Präsident Mursi. Die Armee will die Demonstrationen zulassen - warnt aber vor Gewalt.

Kairo/Hamburg - Die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi wollen sich nicht mit dem Putsch in Ägypten abfinden. Für den Freitag haben die Muslimbrüder und andere Gruppen zu Protesten aufgerufen. "Wir fordern das ägyptische Volk auf, nach den Freitagsgebeten auf die Straßen und Plätze zu ziehen, um die Ablehnung des ruchlosen Putsches zu demonstrieren", hieß es in einer Erklärung.

Die Armeeführung betonte das Recht aller Bürger, sich an friedlichen Protesten zu beteiligen, warnte aber zugleich vor einem Missbrauch des Demonstrationsrechts. In einer in der Nacht zum Freitag verbreiteten Erklärung des Obersten Militärrates wurden die Ägypter aufgefordert, Ruhe zu bewahren. "Exzesse durch unnötige Beanspruchung dieses Rechts und mögliches unerwünschtes Verhalten wie Straßensperren, die Blockade öffentlicher Einrichtungen oder die Zerstörung von Eigentum" würden nicht geduldet. Zugleich riefen die Sicherheitskräfte die Ägypter zur Nationalen Einheit und Versöhnung auf.

Am Donnerstagabend wurden bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Staatschefs in der Stadt Sagasig im Norden des Landes mindestens 80 Menschen verletzt. Auf der Sinai-Halbinsel griffen militante Islamisten einen Armeeposten an. Dabei wurde ein Soldat getötet, zwei weitere Sicherheitskräfte wurden verletzt. Sonst war es im Land aber weitgehend ruhig geblieben.

Justiz ermittelt gegen Mursi

Zuvor hatte der neue Übergangspräsident Adli Mansur nur wenige Stunden nach der Entmachtung Mursis seinen Amtseid abgelegt. Der bisherige Vorsitzende des Obersten Verfassungsgerichts kündigte an, die Islamisten an der Regierung beteiligen zu wollen. Mursis Anhänger verweigerten dem neuen Machthaber jegliche Zusammenarbeit.

Seit dem Umsturz haben die Sicherheitskräfte mehrere hochrangige Funktionäre der Muslimbruderschaft verhaftet, darunter ihren Obersten Führer Mohammed Badi, dessen Vorgänger Mahdi Akif sowie den Chef der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei Saad al-Katatni. Auch der populäre Salafistenführer Hasim Abu Ismail wurde in Gewahrsam genommen.

Mursi befindet sich im Hausarrest. Er soll von kommenden Montag an zum Vorwurf der "Beleidigung der Justiz" vernommen werden.

syd/dpa/AFP/AP

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insgesamt 72 Beiträge
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1.
h.hass 05.07.2013
Hoffentlich geht der Systemwechsel in Ägypten ohne Blutvergießen ab. Würde mich nicht wundern, wenn in Kairo bald Bomben hochgehen...
2. Düstere Zukunft
dioskure 05.07.2013
Ich sehe schon jetzt dem entgegen das tausende Extremisten bald Asyl in Deutschland anmelden. Da sei Gott vor das unsere glattgewaschen undweichgespülten Behörden das nicht auch noch zulassen.
3. Was ich nicht verstehe..
benutzer8472 05.07.2013
Kann mir das jemand kurz erklären: Mursi wurde gewählt. Soweit ich mich erinnere heisst das, er hat bei den Wahlen die meisten Stimmen bekommen. So wie es in einer Demokratie an sich funktionieren sollte. Warum genau wurde er gestürzt? Wie lange werden die Ägypter ihre demokratisch gewählten Präsidenten stürzen anstatt gegen das eigentliche Übel anzugehen: die rückständigen Bürger, die solche islamistischen Mittelaltermenschen wählen?
4. Nach zwei Tagen
M. Thomas 05.07.2013
der Hatz auf alles, was irgendwie mit den Muslimbrüdern zusammensteht, nach den Zerstörungen, die ihrem privaten und Bruderschaftseigentum zugefügt wurden und nach all den offenen Verfolgungsjagden, bei denen Bruderschaftsgegner mit scharfen Waffen unter den Augen von Polizei und Militär durch die Straßen gejagt worden sind, klingt diese Drohung wie Hohn. Weite Teile der Führungskräfte landesweit von der Straße weg zu verhaften ist definitiv nicht dazu angetan, Vertrauen in die leeren Versprechungen zu legen, angeblich schütze das Militär Grundrechte (welcher Art auch immer). Es ist unter diesen Bedingungen schlichtweg zynisch, die Bruderschaft zur Mitwirkung auf der politischen Bühne Ägyptens einzuladen. Schon jetzt ist der ausgestoßenen Drohung des Militärs die Absicht zu entnehmen, mit maximaler Gewalt gegen jede erreichbare Demonstration der Muslimbrüder vorgehen zu wollen. Ein Recht kann nicht "unnötig beansprucht werden"! Die Bruderschaft hat selbstverständlich das gleiche Recht auf organisierte Großdemos wie die "Opposition" - wenn es denn tatsächlich Millionen werden sollten, die heute auf die Straße gehen, hat das Militär ein Erklärungsproblem, weshalb es sich einseitig und einäugig auf die Seite der Mursi-Gegner geschlagen hat. Bisher hat das ägyptische Militär noch immer und jedes Mal gelogen und Ägypten nur noch tiefer ins Chaos getrieben. Es foltert, verhaftet, erschießt frei nach Geschmack, beschützt ihre brutalsten Soldaten und organisiert im Hintergrund blutige Straßenschlachten. Gezielter kann man große Bevölkerungsteile nicht tief in die Radikalisierung treiben: erst wird der Präsident demokratisch unsauber entmachtet, dann verhaftet man ihn und 300 weitere Sprecher, belegt sie mit den verrücktesten Vorwürfen und tritt anschließend scheinheilig auf, betont Rechte, die man angeblich schützen wolle und droht gleichzeitig mit blutigem Einschreiten, wenn diese Rechte von denen in Anspruch genommen werden sollten, die man ziemlich offen vernichten will. So funktionieren weder Freiheit noch Demokratie, so funktionieren nur Willkür und Unterdrückung.
5. Es wäre so schön, wenn alle Lager...
ratxi 05.07.2013
Zitat von sysopÄgyptens Islamisten rufen zum Widerstand gegen das Militär auf. Nach den Freitagsgebeten planen ihre Anhänger Proteste gegen den Sturz von Präsident Mursi. Die Armee will die Demonstrationen zulassen - warnt aber vor Gewalt. Muslimbrüder in Ägypten planen Protest gegen die Armee und für Mursi - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/muslimbrueder-in-aegypten-planen-protest-gegen-die-armee-und-fuer-mursi-a-909563.html)
Es wäre so schön, wenn alle Lager sich bewusst werden würden, dass man doch in diesem schönen Land ZUSAMMEN leben sollte. Jeder mag seine Vorlieben haben, aber doch dem anderen die seinen lassen; dann ist es schon fast egal, wer meint, die "Macht" zu haben. Ja, ich weiss, ich bin noch etwas verschlafen... ;)
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