Präsidentenwahl in Ägypten: Muslimbrüder jubeln über erste Ergebnisse

Die Auszählung der Stimmen läuft noch, aber die Muslimbrüder geben sich bei der Präsidentenwahl in Ägypten bereits siegessicher. Ihr Kandidat Mursi und der letzte Regierungschef Mubaraks liegen nach ersten Ergebnissen vorne und würden damit in die Stichwahl gehen.

Muslimbruder Mursi: Kopf-an-Kopf-Rennen mit Mubaraks letztem Regierungschef? Zur Großansicht
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Muslimbruder Mursi: Kopf-an-Kopf-Rennen mit Mubaraks letztem Regierungschef?

Kairo - Mit einem Endergebnis wird frühestens am Samstag gerechnet. Doch bei der Präsidentenwahl in Ägypten proklamieren die Muslimbrüder bereits die Führung für sich. Ihr Kandidat Mohammed Mursi liege nach Auszählung der Hälfte der Stimmen mit rund 30 Prozent in Führung. Zweiter sei mit 22 Prozent Ahmed Schafik, der letzte Ministerpräsident des gestürzten Despoten Husni Mubarak. Amtliche Zahlen dürften erst am Dienstag bekanntgegeben werden.

Er werde mit Schafik am 16. und 17. Juni in die Stichwahl gehen, erklärte Mursi am Freitagvormittag auf einer Pressekonferenz in Kairo. Die staatliche Tageszeitung "Al-Ahram" sah am Freitagmorgen gleichfalls Mursi mit 35,4 Prozent der Stimmen vorne, gefolgt von Schafik mit 29,3 Prozent.

Insgesamt standen zwölf Bewerber zur Abstimmung. Die staatlichen Medien sprachen dagegen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Mursi, dem unabhängigen Islamisten Abd al-Munim Abu al-Futuh und dem linken Aktivisten Hamdien Sabbahi. Nach den ersten Ergebnissen kann sich der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, keine Hoffnungen mehr machen, die Nachfolge des im Februar 2011 gestürzten Präsidenten Husni Mubarak anzutreten. Nach Angaben von "Al-Ahram" kam al-Futuh demnach auf 24,3 Prozent und Sabbahi auf 18,8 Prozent.

52 Millionen Bürger waren bei dem historischen Wahlgang aufgerufen, einen Nachfolger für den im vergangenen Jahr bei einem Volksaufstand entmachteten Langzeitherrscher Mubarak zu bestimmen.

Die Wahlkommission hatte die Öffnungszeiten der Wahllokale am Donnerstag wegen des anfänglich großen Andrangs um eine Stunde auf 21 Uhr verlängert. Hatten sich am Mittwoch, dem ersten Wahltag, vor vielen Wahllokalen noch lange Schlangen gebildet, so war der Zulauf am zweiten Tag deutlich geringer.

Die unabhängige Gruppe Beobachter ohne Grenzen stellte allein am Mittwoch 143 Verstöße gegen die Wahlordnung fest. Die Ägyptische Organisation für Menschenrechte (EOHR) erhielt Kenntnis von mindestens elf Fällen in acht Provinzen, bei denen Geld für die Wahl eines bestimmten Kandidaten angeboten wurde. In einem Fall, in der Mittelmeer-Stadt Marsa Matruh, nahm das Militär deshalb mehrere Personen fest.

Vor einigen Wahllokalen kam es zu Schlägereien zwischen den Anhängern verschiedener Kandidaten. Nach Medienberichten wurden landesweit mehr als 30 Menschen verletzt. Insgesamt lag aber das Gewaltniveau deutlich unter dem früherer Wahlen in Ägypten. Nach offiziellen Angaben waren 300.000 Soldaten und Polizisten im Einsatz, um für einen friedlichen Wahlverlauf zu sorgen.

als/dpa/Reuters

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insgesamt 25 Beiträge
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1. ...
deus-Lo-vult 25.05.2012
Zitat von sysopDie Auszählung der Stimmen hat zwar erst begonnen, aber die Muslimbrüder geben sich bei der Präsidentenwahl in Ägypten siegessicher. Ihr Kandidat Mursi und der letzte Regierungschef Mubaraks liegen nach ihren Angaben vorne und würden damit in die Stichwahl gehen. Muslimbrüder sehen sich bei Wahl in Ägypten in Führung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,835161,00.html)
Hat für mich ein "Gschmäckle", wenn "Parteien" vor einer Auszählung schon jubeln. Erst Recht dann, wenn keine demokratischen Verhältnisse herrschen UND die jubelnde Partei nicht gerade für Demokratie und Menschenrechte steht.
2.
shokaku 25.05.2012
Zitat von deus-Lo-vultHat für mich ein "Gschmäckle", wenn "Parteien" vor einer Auszählung schon jubeln. Erst Recht dann, wenn keine demokratischen Verhältnisse herrschen UND die jubelnde Partei nicht gerade für Demokratie und Menschenrechte steht.
Bei der Wahl in NRW wurde auch schon gejubelt bzw. zurückgetreten, als die Auszählungen erst begonnen hatten. Wählerbefragungen machen es möglich.
3. Klar jubeln sie
spon-facebook-1762033882 25.05.2012
Alle Hochrechnungen besagen, dass die Muslimbrüder die Nase vorne haben. Außerdem sind bis jetzt 60% der Stimmen gezählt. Die Muslimbrüder kamen auf 30,08% dann Schafik mit 22%. Klar jubelt man. In Deutschland jubelt man bevor die Stimmenzählung überhaupt beginnt
4.
Ollie_ 25.05.2012
Zitat von shokakuBei der Wahl in NRW wurde auch schon gejubelt bzw. zurückgetreten, als die Auszählungen erst begonnen hatten. Wählerbefragungen machen es möglich.
Naja, der Vergleich hinkt doch etwas.
5.
querulant_99 25.05.2012
Zitat von Ollie_Naja, der Vergleich hinkt doch etwas.
Warum?
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