Gewalt in Ägypten: Muslimbrüder warnen vor Bürgerkrieg wie in Syrien

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Der Konflikt zwischen Ägyptens Militär und Muslimbruderschaft verschärft sich: Nach einem blutigen Zusammenstoß in Kairo wird die Zentrale der islamistischen Partei geschlossen - der Chef der Muslimbrüder wirft der Armee vor, Verhältnisse wie in Syrien zu schaffen.

Kairo - Nach dem blutigen Zwischenfall mit vielen Toten in Kairo schieben sich die Konfliktparteien gegenseitig die Schuld zu. Der Anführer der Muslimbrüder, Mohammed Badi, erhob schwere Vorwürfe gegen die Streitkräfte. Diese würden in dem Land Verhältnisse wie in Syrien herbeiführen wollen. Dort tobt seit mehr als zwei Jahren ein blutiger Bürgerkrieg. Die tödlichen Schüsse auf Zivilisten am Morgen verurteilten die Muslimbrüder als "fürchterliches Verbrechen".

Das Militär hält dagegen und erklärte, Anhänger der radikalislamischen Salafisten hätten versucht, die Zentrale der Republikanischen Garde anzugreifen. Die Gegenseite spricht von einer friedlichen Sitzblockade. Bei der folgenden Schießerei kamen nach derzeitigem Stand mindestens 51 Menschen ums Leben. Zunächst waren die Behörden von 42 Toten ausgegangen.

Trotz der wütenden Proteste aus dem islamistischen Lager gehen die Sicherheitskräfte weiter gegen die Unterstützer des geschassten Präsidenten Mohammed Mursi vor. Nach dem Fund von Waffen hat die ägyptische Justiz die Schließung der Zentrale der islamistischen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit angeordnet. Diese gilt als politischer Arm der Muslimbruderschaft, der auch Ex-Präsident Mursi entstammt.

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Ägyptens Aufruhr: Neue Gewalt in Kairo
In dem Gebäude in der Hauptstadt Kairo seien Messer, brennbare Flüssigkeit und andere Waffen gefunden worden, die gegen Demonstranten eingesetzt werden sollten, erklärte ein Vertreter der Sicherheitskräfte.

In der Kaserne, vor der es zu den Zusammenstößen kam, soll sich angeblich Mursi befinden, der unter Arrest steht. Er war am Mittwoch nach anhaltenden Massenprotesten gegen seine Amtsführung von den Streitkräften abgesetzt worden. Auch zahlreiche Anführer der Bruderschaft wurden festgenommen.

Demonstranten sollen sich von Militäreinrichtungen fernhalten

Übergangspräsident Adli Mansur habe eine Kommission eingesetzt, welche die "Zwischenfälle" vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garde untersuchen solle, berichtete das Staatsfernsehen. In einem Statement forderte Mansur Demonstranten auf, sich von Einrichtungen des Militärs und anderen "lebenswichtigen Einrichtungen" fernzuhalten.

Seit dem Umsturz im Februar 2011 untersteht die republikanische Garde dem Verteidigungsministerium und damit dem Armeechef. Ihre Aufgabe ist es, den Präsidenten und Einrichtungen der Republik Ägypten zu schützen. Dazu gehören neben dem Präsidentenpalast zum Beispiel auch das Verfassungsgericht und das Parlament.

Nach den Zusammenstößen erklärten die radikalislamischen Salafisten, sie zögen sich aus den politischen Gesprächen über die Zukunft Ägyptens zurück. Das erklärte der Sprecher der "Partei des Lichts", Nader Bakkar, am Montag über Twitter: "Wir haben als Reaktion auf das Massaker vor dem Club der Republikanischen Garde beschlossen, uns mit sofortiger Wirkung aus allen Verhandlungen zurückzuziehen."

Die Salafisten "wollten Blutvergießen verhindern, und nun fließt das Blut in Strömen", fügte er hinzu. Die ultrakonservative Partei war früher mit der Muslimbruderschaft verbündet. Zuletzt hatte sie sich aber der Opposition gegen den am Mittwoch vom Militär abgesetzten Präsidenten angeschlossen.

Ein Sprecher des Übergangspräsidenten verkündete am Nachmittag, trotz der Gewalt werde man die Gespräche zur Regierungsbildung fortsetzen.

fab/jok//AFP/dpa/Reuters

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1.
eiffe 08.07.2013
Nur eine Frage der Zeit, bis die Muslimbrüder und Salafisten von Katar und USA mit Waffen beliefert werden.
2.
GilbertWolzow 08.07.2013
...und wer liefert den Muslim-Brüdern die Waffen? Die gleichen Händler wie in Syrien? Saudi-Arabien und die USA? Prima! So schafft man sich Absatzmärkte! Der Krieg ist immer noch das beste Geschäft! Weiter so! Und dann noch von Freiheit und Demokratie faseln...
3. mitleid
adazaurak 08.07.2013
wie fürchterlich muß es sein, in einem Land zu leben, in dem der religiöse wahnsinn so stark ist ... die armen ägypter :-(
4. Viel Erfolg beim Glaubenskrieg
Pinsel 08.07.2013
Es muss wohl heißen: "Muslimbrüder wollen Krieg, wie in Syrien". Warum? Weil sie vorher eh keine Ruhe geben und eine Trennung von Staat und Religion wohl nicht in Betracht kommt. Wir leben damit endgültig dank des Islams im Zeitalter neuer Religionskriege. Hätte man das vor 30 Jahren so prognostiziert, wäre man ausgelacht worden. Dann mal los. Haut rein Muslime, lernt es auf die harte Tour. Wir selber haben damit so um 1648 aufgehört. Danach kam zwar auch noch einiges aber das ist eine andere Geschichte, das bekommen ihr später. Jetzt versucht ihr euch erst einmal gegenseitig den Glauben aufzuzwingen bzw. abzugewöhnen. Viel Erfolg!
5. al-Sharnoby: Muslimbrüder schlimmer als al-Qaida
keinuntertan 08.07.2013
In einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" behauptet der ehemalige Muslimbruder-Funktionär Abd al-Galil al-Sharnoby, die Muslimbruderschaft sei gefährlicher als al-Qaida. Sie habe mehr Anhänger und operiere in 88 Ländern. Die Anführer würden Macht und Ämter anstreben und die naive Gläubigkeit ihrer einfachen Anhänger missbrauchen, um ihre Ziele anzustreben. Stellt sich die Frage, ob die Strippenzieher hinter den Muslimbrüdern vielleicht gar ein Szenario à la Syrien einer Rückkehr in die Opposition vorziehen?
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