Empörung bei Muslimverbänden: Friedrich verteidigt umstrittene Plakat-Aktion

Mit Plakaten, die Vermisstenanzeigen ähneln, warnt Innenminister Friedrich vor einer Radikalisierung junger Migranten. Der Zentralrat der Muslime und Politiker von FDP und Grünen sind empört. Doch der CSU-Mann will an der Aktion festhalten.

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Bundesministerium des Innern

Umstrittene Plakat-Aktion "Vermisst": Muslimverbände sind empört

Berlin - Noch hängen die Bilder nicht, aber die Aufregung ist schon groß: Mit Plakaten, Postkarten und Anzeigen im Stil von Vermisstenanzeigen will das Bundesinnenministerium für seine Anlaufstelle gegen islamistische Radikalisierung werben. Eines der Plakate zeigt einen jungen Migranten, der Text dazu lautet: "Das ist mein Bruder Hassan. Ich vermisse ihn, denn ich erkenne ihn nicht mehr. Er zieht sich immer mehr zurück und wird jeden Tag radikaler. Ich habe Angst ihn ganz zu verlieren - an religiöse Fanatiker und Terrorgruppen."

Muslimverbände sind empört. Die Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Nurhan Soykan, kritisierte die Kampagne: "So gewinnt man keine Muslime, so kriminalisiert man sie". Die Aktion sei nicht gut gemacht. "Sie bereitet einer Islamphobie den Weg", sagte Soykan.

Die Grünen verlangten den sofortigen Stopp der Aktion. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) stelle "alle Muslime unter Generalverdacht. Das ist ausgrenzend, diskriminierend und für die deutsche Politik beschämend", sagte Parteichefin Claudia Roth.

Der Integrationsbeauftragte der FDP schloss sich dieser Forderung an. "Friedrich muss die Kampagne jetzt stoppen", forderte der Integrationsbeauftragte der Liberalen im Bundestag, Serkan Tören. "Wenn das Bundesinnenministerium jetzt weiter an der Kampagne festhält, dann werden die Gräben, die sich zwischen den muslimischen Verbänden aufgetan haben, nur noch tiefer."

Doch Friedrich hält an der Kampagne fest. "Wir sind gerne zu weiteren Gesprächen bereit, aber die 'Vermisst-Kampagne' wird nicht abgewandelt", sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur dapd. Vorstellbar sei lediglich eine Erweiterung der Kampagne mit anderen Motiven. Die Plakate sollen ab 21. September in Berlin, Bonn und Hamburg aufgehängt werden.

Unterstützung erhielt Friedrich von der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF). Generalsekretär Ali Dogan sagte, der religiöse Extremismus von islamistischer Seite sei "eine ernstzunehmende Gefahr für unsere Gesellschaft". "Einzig und allein durch Pressemitteilungen und Sitzungen am grünen Tisch lassen sich keine jungen Menschen vor islamistischen Menschenfängern schützen", sagte Dogan. "Daher unterstützt unsere Gemeinde explizit alle Maßnahmen des Bundesinnenministers, die präventiv ein Abrutschen in den islamistischen Sog verhindern."

als/dapd/AFP

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