Muslimische Provinz Xinjiang Mehr als hundert Tote bei Unruhen in Westchina

Tödliche Krawalle am Rand des Riesenreichs China: In der Provinz Xinjiang, die mehrheitlich von muslimischen Uiguren bewohnt wird, sind mindestens 140 Personen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt. TV-Bilder zeigen Demonstranten, die Polizeiautos angreifen, und blutüberströmte Menschen.


Peking - Es sind die blutigsten Zusammenstöße in Xinjiang seit Jahrzehnten: Mindestens 140 Menschen sind bei Unruhen in der nordwestchinesischen Provinz ums Leben gekommen, 816 weitere wurden verletzt. Das berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Zudem wurden Hunderte Menschen festgenommen, so die Agentur. Es werde befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steige, zitierten nationale Medien am Montag örtliche Polizeikräfte.

Am Sonntag hatten uigurische Demonstranten den Berichten zufolge in Ürümqi, der Hauptstadt der autonomen Region, Passanten angegriffen, Fahrzeuge in Brand gesetzt und den Verkehr an mehreren Kreuzungen blockiert. Augenzeugenberichten zufolge waren die rund 3000 Demonstranten mit Holzknüppeln und Messern bewaffnet. Die Polizei wurde laut Xinhua beordert, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.

Augenzeugen berichteten, dass sich die Sicherheitskräfte und die beteiligten Uiguren ein Katz-und-Maus-Spiel geliefert hätten. Ein chinesischer Mitarbeiter eines Hotels am Platz des Volkes im Zentrum von Ürümqi berichtete der, er habe Schüsse gehört und gesehen, wie gepanzerte Fahrzeuge auffuhren. In Fernsehbildern war schwarzer Rauch über den Straßen zu sehen. Mehrere Fahrzeuge lagen brennend auf der Seite.

Nach Angaben der chinesischen Behörden wurden 260 Autos zertrümmert oder in Brand gesetzt, 203 Häuser seien teils schwer beschädigt worden. Etwa 90 Unruhestifter würden gesucht, und "zehn Rädelsführer" seien festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher der Agentur Xinhua.

Eskaliert war die Situation nach einer zunächst friedlichen Demonstration von Uiguren. Die Protestierenden forderten eine Untersuchung einer Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern ihrer Volksgruppe mit Han-Chinesen in einer Spielzeugfabrik in Südchina. Offenbar schlug der Protest in Gewalt um, als sich die Teilnehmer weigerten, die Demonstration zu beenden.

In der Nacht zum Montag kehrte in der Provinzhauptstadt Ürümqi Ruhe ein, nachdem Polizei und Streitkräfte verstärkt Präsenz zeigten. Mindestens ein Mobilfunknetz war am Montag nach den Unruhen lahmgelegt.Die Uiguren sind eine muslimische Minderheit in Westchina. Mehr als acht Millionen von ihnen leben in der Region Xinjiang im Westen Chinas, einem ethnischen Konfliktherd. Seit sich Peking das Gebiet im Nordwesten 1955 als "Autonome Region" einverleibte und Han-Chinesen ansiedelte, kämpfen die Uiguren für die Unabhängigkeit des ehemaligen Ostturkestans.

China macht die Separatisten für rund 300 Anschläge mit mehr als 160 Toten seit 1990 verantwortlich. Vier Uiguren-Gruppen wurden zu terroristischen Vereinigungen erklärt. Menschenrechtsgruppen werfen der chinesischen Regierung vor, die Volksgruppe mit Folter, Massenverhaftungen und Todesurteilen zu unterdrücken. Seit Mitte der neunziger Jahre wurden laut Amnesty International über 3000 Uiguren verhaftet und mehr als 200 hingerichtet.

Für Peking ist die Provinz Xinjiang von großer strategischer Bedeutung. Xinjiang grenzt unter anderem an Pakistan und Afghanistan und ist reich an Bodenschätzen wie Kohle, Gold und Uran. Es werden große Vorkommen von Erdöl und Erdgas vermutet. In dem Gebiet, das fast fünfmal so groß ist wie Deutschland, leben nur etwa 19,6 Millionen Menschen. Rund 8 Millionen sind muslimische Uiguren, mehr als 40 Prozent Han- Chinesen - mit zunehmender Tendenz.

anr/AP/AFP/dpa



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