Muslimisches Begräbnis Litwinenko konvertierte auf Sterbebett zum Islam

Der Fall Litwinenko verschärft den Ton zwischen London und Moskau: Russlands Außenminister Lawrow warnt vor Schäden für die bilateralen Beziehungen. In der britischen Hauptstadt bereitet Litwinenkos Familie unterdessen die Beerdigung vor - er wird nach islamischem Ritus beigesetzt.


London/Moskau - Alexander Litwinenko konvertierte kurz vor seinem Tod zum Islam. Dementsprechend wird er nach muslimischer Tradition beerdigt, sagte sein Vater Walter Litwinenko heute in einem Interview mit der russischen Zeitung "Kommersant". Der gebürtige Russe war als orthodoxer Christ erzogen worden, berichtet die "Times" heute Nachmittag. Er habe jedoch enge Verflechtungen zum Islam gehabt - über Verbindungen zu islamistischen Rebellen in Tschetschenien. Dem "Kommersant"-Bericht zufolge stimmte Walter Litwinenko dem Wunsch nach Religionswechsel seines Sohnes zu. Er habe gesagt: "Wie du möchtest, mein Sohn." Das wichtigste sei, überhaupt an Gott zu glauben.

Alexander Litwinenko drei Tage vor seinem Tod: Auf dem Sterbebett zum Islam konvertiert
AFP

Alexander Litwinenko drei Tage vor seinem Tod: Auf dem Sterbebett zum Islam konvertiert

Inzwischen führt die Affäre offenbar zu ersten politischen Verstimmungen zwischen Moskau und London. Dem russischen Außenministers Sergej Lawrow zufolge ist die "Kampagne" über eine angebliche Verwicklung russischer Behörden in den Tod des Ex-Spions "inakzeptabel". Den Nachrichtenagenturen Interfax und Itar-Tass sagte, er: "Natürlich schadet das unseren Beziehungen."

Heute haben sich britische Ermittler auf den Weg nach Moskau gemacht. Großbritannien hatte Russland offiziell um Rechtshilfe gebeten, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau heute mit. Laut dem Außenministerium erteilte die russische Botschaft in London die Visa für mehrere Ermittler von Scotland Yard. Neun britische Kriminalbeamte sind "Kommersant" zufolge auf dem Weg in die russische Hauptstadt.

Die Detektive sollen laut "Times" von lokalen Polizisten begleitet werden und fünf russische Geschäftsleute befragen - darunter Andrej Lugowoi, den sie für eine Schlüsselfigur halten. Lugowoi war KGB-Agent und ist heute ein millionenschwerer Unternehmer, er traf Litwinenko vor seinem Tod mehrfach. Er bestreitet jede Schuld.

Der britische Innenminister John Reid kündigte an: "Natürlich wird die britische Polizei nach Russland fahren, um ihre Untersuchungen fortzusetzen." Er will heute bei einer Sitzung des Ministerrat seine EU-Amtskollegen über den Fall informieren. Sorgen über mögliche Auswirkungen des radioaktiven Poloniums auf Flugpassagiere in betroffenen Maschinen von British Airways versuchte der Innenminister auszuräumen: "Die Gesundheitsgefahren sind absolut minimal, soweit wir das ausmachen können", sagte Reid.

Die russischen Behörden hatten schon mehrfach Hilfe bei der Aufklärung des Falles zugesagt. Alle Vorwürfe, der Kreml oder andere staatliche Stellen stünden hinter dem Mordkomplott, werden in Russland zurückgewiesen.

ler/dpa/AFP/Reuters

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