Mutmaßliche Paketbomben an Trump-Kritiker Die Spur führt nach Florida

In den USA fahnden Hunderte Ermittler nach dem Absender der mutmaßlichen Paketbomben, dabei durchsuchten sie auch das Postverteilzentrum Opa-locka nahe Miami. Das FBI warnt vor möglichen weiteren Sendungen.

Postverteilzentrum in Opa-locka
AP

Postverteilzentrum in Opa-locka


Nach dem Versand mehrerer mutmaßlicher Rohrbomben an bekannte Politiker der oppositionellen Demokraten und Kritiker von Präsident Donald Trump läuft die Fahndung nach dem Absender auf Hochtouren. Das FBI geht davon aus, dass alle Pakete an einer Stelle durch die US-Post gelaufen sind. Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen bestätigte gegenüber dem Sender Fox, dass einige Päckchen in Florida aufgegeben wurden. Ein Bombenkommando durchsuchte in dem Bundesstaat das Verteilzentrum in Opa-locka bei Miami. Über die Ergebnisse ist bisher nichts bekannt.

Die gepolsterten Umschläge waren jeweils mit sechs Briefmarken frankiert und trugen laut der Bundespolizei in mindestens fünf Fällen als Absender den Namen der Abgeordneten Debbie Wasserman Schultz, die von 2011 bis 2016 Parteichefin der Demokratischen Partei war. Die Adressen waren gedruckt und nicht von Hand geschrieben.

Polizist mit Hund vor dem Postverteilzentrums in Opa-locka
AP

Polizist mit Hund vor dem Postverteilzentrums in Opa-locka

Landesweit seien Hunderte Ermittler mit dem Fall befasst, sagte FBI-Vizechef William Sweeney bei einer Pressekonferenz in New York. "Es ist nach wie vor möglich, dass weitere Pakete geschickt wurden oder werden." Ein Vertreter des amerikanischen Postdiensts USPS sagte am Donnerstagabend (Ortszeit), in den vergangenen Stunden sei kein neues verdächtiges Paket gefunden worden.

Laut New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio stammten die Päckchen vermutlich vom selben Täter.

An Ex-CIA-Direktor Brennan adressiertes Päckchen, das bei CNN landete
CNN/AFP

An Ex-CIA-Direktor Brennan adressiertes Päckchen, das bei CNN landete

Ermittler haben am Donnerstag auch brisante Sendungen an Ex-Vizepräsident Joe Biden und Schauspieler Robert de Niro entdeckt, beide hatten Trump in der Vergangenheit kritisiert. Die Pakete glichen denen, die zuvor an den ehemaligen Präsidenten Barack Obama, Ex-Außenministerin Hillary Clinton und andere verschickt worden waren. Insgesamt stieg die Zahl der seit Montag adressierten Trump-Gegner damit auf acht, die Zahl der Pakete auf zehn. Verletzt wurde niemand.

"Diese Objekte sollten als gefährlich angesehen werden"

Es ist weiterhin unklar, welchen Schaden die Sprengsätze bei einer Explosion hätten anrichten können. FBI und Polizei erklärten, dass es sich "offensichtlich um Rohrbomben" handle. Mindestens eine Sendung bestand Berichten zufolge aus einem mit Schwarzpulver und Glassplittern gefüllten PVC-Rohr, das auch mit einem Zünder verbunden war. US-Medien berichteten übereinstimmend von Rohrbomben. Eine endgültige Klärung der Behörden, ob unter den Sendungen auch Attrappen waren, gibt es bisher nicht. Aus Ermittlerkreisen hieß es am Donnerstag, die Baupläne für die Sprengsätze stammten aus dem Internet. Auch dafür gibt es bisher keine offizielle Bestätigung.

"Diese Objekte sollten als gefährlich angesehen werden", sagte FBI-Vize Sweeney. Ein weißes Pulver, das in einem Paket enthalten war, das beim Sender CNN landete, habe sich jedoch bei einer ersten Untersuchung nicht als "biologische Gefahr" entpuppt. Ein Uno-Sprecher sagte, auch bei den Vereinten Nationen in New York werde eingehende Post nun "mit Blick auf die Vorfälle" geprüft.

Trump wiederholt seine Medien-Kritik

Präsident Trump wiederholte im Zusammenhang mit den Postsendungen am Donnerstag seine Kritik an den Medien. Sie vergifteten die Stimmung im Land, schrieb er auf Twitter. "Ein sehr großer Teil des Ärgers, den wir heute in unserer Gesellschaft feststellen, wird verursacht durch die absichtlich falsche und ungenaue Berichterstattung in den Mainstream-Medien, die ich als Fake News bezeichne." Ähnlich hatte er sich bereits am Vortag bei einer Wahlkampfveranstaltung geäußert.

Video: Wie Trump den Hass befeuert

REUTERS

Kritiker sehen sich nun in ihren Vorwürfen an den Präsidenten bestätigt, mit seiner Rhetorik die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben. Zumal mit Blick auf einen bevorstehenden Schlüsseltermin: In den USA stehen am 6. November Kongresswahlen an. Trump hat seine Rhetorik zuletzt noch einmal verschärft.

Die Adressaten der Päckchen hatten Trump vor und nach seinem Amtsantritt scharf attackiert und teils auch beleidigt.

aar/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 90 Beiträge
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Considerare 26.10.2018
1. Warum 'mutmaßliche' Paketbomben?
Wer kann mir das erläutern?
JanHeinhorst 26.10.2018
2. tweeten reicht nicht mehr?
Aha, einige der Päckchen wurden in Florida aufgegeben, vielleicht genauer in Mar al Lago? Wenn der Rest aus Washington kam, hat das FBI schon einen Hauptverdächtigen im Visier!
luislaser 26.10.2018
3. Ein „n“ zu viel
Im letzten Satz des Beitrags steht wohl ein „n“ zu viel.
don_spon 26.10.2018
4. Heuchler
Offiziell verwwahrt sich der Potus gegen die Bomnben. Tatsächlich ist er letztlich die Ursache (nicht der Auftraggeber) für die Bomben. Wenn die Kameras abgeschaltet sind wird er sich nicht nur klammheimlich freuen. Was auffält ist, das keine einizige Bombe hochging. Am Ende war das ganze doch eine strategische Aktion? Ev. sogar vom Chef selber eingefädelt? Im aktuellen Amerika bringt sowas am Ende Stimmen für Trump. Und das er im Wahlkampf alle Register zieht hat er ja bewiesen (Cambridge Analytica) Tragisch ist diie Entwicklung für Journalisten. Die haben nicht nur in den USA nur die Möglichkeit wohlfeiler Hofberichterstattung oder dem Leben mit der Gefahr. Auch Kasshoggi hatte ja gewagt MBS zu kritisieren und der konte dann wohl irgendwie nicht gegen seine Natur. Schlimme Zeiten.
johannadi 26.10.2018
5. Pathologischer Lügner
Er wird weitermachen wie bisher auch und wird sein Verhalten nicht ändern. Er behauptet, Dinge nicht gesagt zu haben, obwohl die Aussage sogar durch Videos belegbar ist. Er wird weiter anderen die Schuld geben und dadurch nur die Stimmung weiter anheizen. Und für seine Anschuldigungen bleibt er auch jeden Beweis schuldig. Er hat nicht einen Beweis dafür geliefert, dass die Medien Fake News verbreiten. trotzdem bleibt er bei dieser Aussage. Mich persönlich würden weitere zukünftige Angriffe auf seine Kritiker, Gegner, Medien und Medienvertreter in diesem Klima nicht wundern. Seine Aussage bei einer Wahlkampfveranstaltung war halbgar , abgelesen und nicht als glaubhafte inzuordnen. Dazu kann sie viel zu spät. Er hat kein anderes Wahlkampfmittel dem Erniedrigen seiner politischen Gegner, dem Schüren von Angst und sich dabei als die einzigste Lösung zu präsentieren. Wenn die Demokraten die Mid-Term Wahlen gewinnen möchte ich nicht wissen wie die Reaktionen ausfallen in diesem aufgeheizten Klima.
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